16. Juni 2019 / 18:03 Uhr

Relegation vergeigt: Anker Wismar steigt aus Oberliga ab und das hat Folgen

Relegation vergeigt: Anker Wismar steigt aus Oberliga ab und das hat Folgen

Peter Preuß/Johannes Weber/Andreas Kirsch
Ostsee-Zeitung
Trösteten sich gegenseitig: die Anker-Spieler Philipp Ostrowitzki (l.) und Sebastian Schiewe.
Trösteten sich gegenseitig: die Anker-Spieler Philipp Ostrowitzki (l.) und Sebastian Schiewe. © Andreas Kirsch
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Nun ist es passiert. Der FC Anker Wismar muss die Oberliga Nordost verlassen. Viele Fragezeichen um die Zukunft der Anker-Mannschaft. Die Abstiegskonstellationen bis zur runter zur Kreisliga werden durch den Wismarer Absturz beeinträchtigt.

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Die schlimmsten Befürchtungen sind eingetreten. Der FC Anker Wismar muss zum vierten Mal in seiner Vereinsgeschichte aus der NOFV-Oberliga Nordost absteigen. Die Schützlinge von Trainer Christiano Dinalo Adigo verloren das Relegationsrückspiel am Sonntag beim VfL Hohenstein-Ernstthal mit 1:2. Das Hinspiel zwischen beiden Teams am Mittwoch in Wismar endete noch 1:1.

Früher Rückstand für Anker Wismar

Wie schon in Wismar ging das Team von Trainer Steve Dieske in Führung. Nach einem Freistoß vom linken Flügel bekam Thomas Kochte den Ball maßgeschneidert auf den Kopf und vollendete eiskalt (6.). Anker-Torwart Robertino Kljajic hatte im Fünf-Meter-Raum keine Abwehrchance. Doch die Gäste aus der Hansestadt gaben sich noch nicht geschlagen, allerdings fehlte ihnen der nötige Biss. Wie schon in der gesamten Oberliga-Saison waren die Spieler von Trainer Adigo im Angriff viel zu harmlos und agierten auch teilweise glücklos oder hatten nicht das spielerische Vermögen, in der fünften Liga mithalten zu können. So plätscherte das Spiel bis zum Halbzeitpfiff dahin, ohne dass eine Mannschaft sich eine klare Torchance herausarbeiten konnte.

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Nach dem Seitenwechsel bekamen die Wismarer dann einen erneuten Dämpfer. Bereits in der 48. Minute erhöhten die Hausherren auf 2:0. Florian Stier wurde von Fabian Erler in Szene gesetzt, nachdem Guilherme Lima bei einem Anker-Angriff auf der linken Seite den Ball im Zweikampf verlor. Stier schoss den Ball aus zehn Metern an Robertino Kljajic vorbei ins Tor. Hoffnung kam jedoch bei den Gästen auf, als Kelvin Igweani im VfL-Strafraum einen Zweikampf gewann und aus etwa zehn Metern den 1:2-Anschlusstreffer (59.) erzielte. Danach wachte das Anker-Team auf. Anker-Mannschaftskapitän Philipp Unversucht peitschte lauthals seine Mitspieler immer wieder nach vorne, doch außer eine Großchance in der Schlussphase des Spiels hatten die Wismarer nicht mehr zu bieten.

Zukunft der Wismarer ungewiss

Während sich die Platzherren nach dem Abpfiff des Schiedsrichters von den 405 Zuschauern feiern ließen, sich umarmten, blieben die Wismarer auf dem Kunstrasenplatz wie versteinert stehen. Einige Spieler versanken dennoch auf dem Belag und schüttelten ungläubig mit dem Kopf. Aus den Lautsprechern erklang Musik: „So sehen Sieger aus…“

Für Anker-Verteidiger Philipp Unversucht war es der erste Abstieg in seinem Leben. Er hatte bis zum Schluss am Klassenverbleib geglaubt. „Am Ende fehlte uns auch das Glück, das wir nicht hatten. Die Mannschaft hat auf jeden Fall alles gegeben, wurde aber nicht dafür belohnt“, war Unversucht total enttäuscht. Wie die Zukunft des Vereins und seine persönliche aussieht, darüber konnte und wollte der Mannschaftskapitän keine Auskunft geben. Fakt ist, dass ein großer Teil der Mannschaft den Verein verlassen wird. Die Zukunft von Trainer Christiano Dinalo Adigo steht ebenso in den Sternen. Auch er wollte sich hierzu nicht äußern. „Das muss ich erst verdauen. Ich habe gedacht, dass wir das Ruder noch herumreißen können. Leider haben wir es nicht geschafft.“

Anker-Vizepräsident enttäuscht

Enttäuscht nach der Pleite ist auch Anker-Vizepräsident Reinhart Kny: „Schon im Hinspiel bei uns auf dem Jahnplatz hätten wir gegen Hohenstein-Ernstthal gewinnen müssen. Die Chance dafür war mit dem Elfmeter da. Wir haben diese nicht genutzt. Nun müssen wir die Strukturen anpassen und in der Verbandsliga neu starten.“

Der Verein hatte für das zweite Relegationsspiel in Hohenstein-Ernstthal keine Mühen und Kosten gescheut. Die Mannschaft reiste einen Tag vorher mit drei Kleintransportern an und übernachtete in Chemnitz im „Chemnitzer Hof“. Eine Stunde lang trainierte das Anker-Team am Sonnabend auf dem Kunstrasenplatz der Gastgeber. Das alles hat aber nichts genutzt. So müssen die Wismarer nach vier Jahren Oberliga-Zugehörigkeit den Gang in die Verbandsliga antreten.

Abstiegskonstellationen verändern sich

 Der FC Anker ist nach dem Malchower SV der zweite Oberliga-Absteiger aus Mecklenburg-Vorpommern in der abgelaufenen Saison. Das hat Auswirkungen bis zur Kreisliga.

In der Verbandsliga wird es drei statt zwei Absteiger geben. Aktuell würde neben Schlusslicht SV Hanse Neubrandenburg (16./11 Punkte) und dem SV Görmin (15./18) noch der FSV Malchin (14./19) absteigen. Allerdings könnte es aufgrund eines noch ausstehenden Sportgerichtsurteils gegen den TSV Bützow Verschiebungen im Tabellenkeller geben. Die Warnowstädter sollen in drei Partien regelwidrig jeweils vier Nicht-EU-Ausländer eingesetzt haben, unter anderem beim 3:0-Sieg gegen die Görminer, denen am grünen Tisch drei Punkte zugesprochen werden könnten. Dadurch würden die Vorpommern mit dann 21 Punkten auf Platz 13 vorrücken und den TSV 1860 Stralsund (20 Punkte) in die Landesliga schicken.

Der Absturz des FC Anker bedeutet auch, dass in den beiden Landesliga-Staffeln neben den Tabellen-15. und 16. auch der schlechteste 14. – in diesem Fall der PSV Rostock – absteigt. In den vier Landesklasse-Staffeln gibt ebenfalls einen Absteiger mehr, den TuS Neukalen hat es als schlechtesten 13. erwischt.

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