16. März 2021 / 20:14 Uhr

Reporter-Legenden Réthy und Reif verteidigen Dahlmann nach "Sky"-Aus - Trennung wegen Spruch "absurd"

Reporter-Legenden Réthy und Reif verteidigen Dahlmann nach "Sky"-Aus - Trennung wegen Spruch "absurd"

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
 Die Reporter-Legenden Béla Réthy (l.) und Marcel Reif haben den geschassten Jörg Dahlmann in Schutz genommen.
Die Reporter-Legenden Béla Réthy (l.) und Marcel Reif haben den geschassten Jörg Dahlmann in Schutz genommen. © IMAGO/Martin Hoffmann/Jan Huebner/APress
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Der Spruch, das Japan das "Land der Sushis" sei, hat Kommentator Jörg Dahlmann seinen Job beim "Sky" gekostet. Nach der vorzeitigen Trennung des Pay-TV-Senders von dem 62-Jährigen hat dieser nun Unterstützung von zwei Reporter-Legenden erhalten. Béla Réthy und Marcel Reif können das Dahlmann-Aus nicht nachvollziehen.

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Das Zweitliga-Spiel zwischen Hannover 96 und Erzgebirge Aue vor einer Woche war das letzte in der Sky-Karriere von Jörg Dahlmann. Der wegen seiner flapsigen Sprüche von den Fans oftmals kritisierte Kommentator lieferte während der Partie einen Kommentar mit Folgen ab. Eine vergebene Gelegenheit von 96-Rechtsverteidiger Sei Muroya begleitete er mit den Worten: "Es wäre sein erster Treffer für 96 gewesen. Den letzten hat er im Land der Sushis geschossen." Dieser Kommentar wurde von einigen Fans als rassistisch gewertet und sorgte für Kritik im Netz. Sky teilte wenige Tage später nach der Partie die vorzeitige Entlassung Dahlmanns mit. Dieser habe sich "mit seinen Kommentaren nun mehrfach unsensibel und unpassend verhalten", so der Sender. Dahlmann wehrte sich gegen die Rassismus-Vorwürfe. Jetzt hat der 62-Jährige prominente Unterstützung erhalten.

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Reif kritisiert Ex-Sender Sky: "Verstehe nicht, dass sich ein Sender so treiben lässt"

In der Sport Bild (Mittwochsausgabe) meldeten sich mit Béla Réthy (ZDF), Marcel Reif (ehemals Sky, heute Experte bei Sport1 und der Bild) sowie Tom Bartels (ARD) gleich drei Kommentatoren zu Wort und verteidigten Dahlmann: "Ich kenne Jörg seit mehr als 30 Jahren und weiß, dass er kaum etwas mehr verachtet als Rassismus und Intoleranz. Insofern scheint mir, dass sein Japan-Ausflug eine willkommene Beschleunigung einer feststehenden Trennung darstellt", sagte Réthy. Hass und Hysterie im Netz seien in solchen Fällen "dankbare Brandbeschleuniger", meinte der Reporter. "Ob sein Spruch jetzt gelungen war oder nicht, spielt in diesem Zusammenhang keine Rolle." Auch Marcel Reif kritisierte seinen Ex-Sender: "Für mich ist das absurd. Ich verstehe nicht, dass sich ein Sender so treiben lässt."

Kurz nach der Trennung von Sky erklärte Dahlmann via Instagram, er fühle sich durch die sofortige Trennung in eine rassistische Ecke gedrängt. "Ich wehre mich aber mit Händen und Füßen gegen diese absurden Vorwürfe", betonte Dahlmann. "Ich hasse Rassismus! Weltoffenheit und Diversität sind mir wichtige Anliegen. Die Trennung aus diesem Grund ist aus meiner Sicht nicht okay und nicht fair", schrieb er. Er sei zudem von Sky "enttäuscht": Den Begriff "Land der Sushis" habe er als "Pseudonym für Japan" benutzt - "ähnlich wie Land der Fjorde für Norwegen", so Dahlmann weiter. "Einige Leute haben daraus einen rassistischen Hintergrund gebastelt. Dass sich manch einer dem Diktat dieser Hater beugt, macht mich sehr traurig. Es ist ein Sieg 'sozialer Hater' über den freien Journalismus." Dass der im Sommer auslaufende Vertrag zwischen dem TV-Journalisten und dem Sender nicht verlängert wird, stand schon mehrere Monate fest.

ARD-Kommentator Tom Bartels über Dahlmann-Aus: "Das hat er nicht verdient"

Auch Bartels sprang für Dahlmann in die Bresche: Er "schätze" ihn als Kollegen. "Es ist sein Stil, mal einen Spruch mehr zu machen. Doch ich finde es schlimm, wenn so etwas wie Rassismus im Raum stehen bleibt", so der WM-Final-Kommentator von 2014. "Es wäre bitter, wenn nach so vielen erfolgreichen Jahren als Reporter dies auch nur im Ansatz hängenbleiben würde. Das hat er nicht verdient."

Dahlmann war zur Saison 2017/18 zu Sky gewechselt, nachdem er zuvor unter anderem für das ZDF, Sky-Vorgänger Premiere, Sat.1, tm3 sowie DSF tätig war, das später zu Sport1 wurde. Dahlmanns extrovertierter und emotionaler Stil brachte dem gebürtigen Gelsenkirchener einen Ruf als Kult-Kommentator ein, sorgte immer wieder jedoch auch für Kritik. Vor dem Sushi-Spruch sorgte Dahlmann kurz vor Weihnachten für Aufregung, als er über Sophia Thomalla, die Freundin von Union-Berlin-Keeper Loris Karius, Aussagen getätigt hatte, die von vielen als sexistisch empfunden wurden. So sagte Dahlmann beim DFB-Pokal-Spiel zwischen Union und dem SC Paderborn zum Debüt von Karius, der zuvor bei den Berlinern nur Ersatz war: "Hat den Vorteil, dass er zu Hause kuscheln kann mit seiner Sophia Thomalla. Aber für so eine Kuschelnacht mit Sophia würde ich mich auch auf die Bank setzen."