16. Mai 2020 / 07:00 Uhr

Revierderby ohne Zuschauer: Das besondere Spiel zwischen dem BVB und Schalke

Revierderby ohne Zuschauer: Das besondere Spiel zwischen dem BVB und Schalke

Daniel Theweleit
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Immer ein besonderes Spiel: Das Revierderby zwischen Borussia Dortmund und dem FC Schalke ist stets umkämpft.
Immer ein besonderes Spiel: Das Revierderby zwischen Borussia Dortmund und dem FC Schalke ist stets umkämpft. © imago images/Laci Perenyi
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Das Revierderby zwischen Borussia Dortmund und dem FC Schalke 04 steht unter besonderen Vorzeichen. Erstmals findet die Partie als Geisterspiel statt - der Heimvorteil mit den Fans im Rücken ist für den BVB nicht mehr da.

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Lächelnde Münder wurden sichtbar, als Lucien Favre und Michael Zorc am Donnerstag ihre Masken abnahmen, um eine Pflichtübung zu absolvieren, die viele Wochen ausgefallen war. Sie waren zu einer fast normalen Spieltagspressekonferenz erschienen. Ob sie so vergnügt waren, weil nach der Pause sogar solche Auftritte Spaß machen oder weil sie das Maskenritual skurril fanden, ist nicht dokumentiert. Erkundigungen waren nicht möglich, alle Fragen mussten vorab eingereicht werden.

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Sportdirektor Zorc sprach zwar von „schwierigen Umständen“, die für alle „extrem“ seien, aber die Spieler würden sich „freuen, wieder Fußball spielen zu können“. In Dortmund wird an diesem Samstag (15.30 Uhr, Sky) mit dem Revierderby gegen Schalke 04 der Höhepunkt des ersten Geisterspieltages der Bundesliga-Geschichte stattfinden. Ein Revierderby, das von so vielen Unwägbarkeiten geprägt sein wird wie keine der 156 Auflagen dieses Duells zuvor.

David Wagner rechnet dabei nicht mit einem besonders hohen Niveau. „Das erste Spiel in der Vorbereitung sieht meistens auch nicht so prickelnd aus“, sagte der Schalker Trainer in Anspielung auf die Pause. Er frage sich, welche Spielertypen am besten klar kommen werden mit der Stille inmitten der 80.000 leeren Plätze im Dortmunder Stadion. „Sind das die Jüngeren, weil sie unbedarfter sind? Oder die Erfahrenen, weil sie das Spiel schon besser kennen?“ Er wisse es nicht. In Dortmund wurde vor dem Hintergrund der Unsicherheit der Sportpsychologe Philipp Laux eingestellt. Die Spieler sollen einen Ansprechpartner für den Umgang mit ihren Ängsten und Sorgen haben, und sie sollen Motivationstechniken aufgezeigt bekommen. Diese Fähigkeit könnte an Bedeutung gewinnen in den kommenden Wochen.

Revierderby ohne Fans - es ist strange

Nicht nur die Dortmunder sind es gewöhnt, sich von der Energie ihres Publikums antreiben zu lassen. Favre hat in seinen fast zwei Jahren als Dortmunder Trainer in der Bundesliga nur ein einziges Heimspiel verloren: gegen Schalke 04 in der Vorsaison, als das 2:4 zum Rückschlag im Titelrennen wurde. „Es ist natürlich anders, es ist strange, es ist fremd“, sagte Zorc. „Was wir sicher brauchen, wenn die Südtribüne nicht da ist, ist ein höheres Maß an Eigenmotivation, an Eigendynamik, um am Samstag erfolgreich zu sein.“

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Weiter in die Zukunft mochte der Sportdirektor erst mal nicht blicken, obgleich wieder Fragen in den Vordergrund drängen, die in den vergangenen Wochen eher unbedeutend wirkten. Der BVB spielt bislang eine hervorragende Rückrunde, der Rückstand auf den FC Bayern beträgt vier Punkte, in Dortmund hatte man wieder begonnen, vom Titel zu träumen. Zorc jedoch erklärte: „Ich glaube, das ist jetzt nicht der Moment, um über die Meisterschaft zu reden und zu diskutieren.“ Erst mal gehe es nur um das Derby und um die organisatorischen Herausforderungen, die rund um dieses Event mit all seinen Hygieneregeln und -vorschriften zu bewältigen sein werden.

Witsel und Can fehlen beim BVB

Die Beteiligten sind noch weit davon entfernt, wieder auf so etwas wie einen sportlichen Normalbetrieb umzuschalten, in dem über mögliche Titel und künftige Europapokalteilnahmen sinniert wird. Erst mal geht es um die reine Durchführung der Spiele, in denen der pure Sport, der dem Publikum nun geboten wird, viele Attraktionen liefern könnte. Jahrelang beschwerten sich Kritiker ja, dass das reine Spiel hinter all dem bunten Brimborium, das rund um die Bundesliga stattfindet, zur Nebensache verkomme. Nun steht der Wettkampf ganz alleine im Mittelpunkt, Ausgang und Verlauf sind ungewiss wie nie. „Die Praxis ist so ungewohnt, dass wir keine Ahnung haben, wie der Einzelne reagiert“, sagte Schalkes Trainer Wagner.

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Roter Stern vs. Partizan Belgrad: Wie so oft in der ersten serbischen Liga gibt es auch beim Hauptstadtderby in Belgrad nur selten hochklassigen Fußball zu sehen. Stattdessen tragen die Fans auf den Rängen dazu bei, dass diese Partie Zuschauer aus der ganzen Welt anzieht. ©

Klar ist nur, dass beim BVB mit Axel Witsel und Emre Can die beiden in der Rückrunde so starken Strategen im defensiven Mittelfeld aufgrund von Muskelblessuren fehlen werden. Beim FC Schalke, der während der Partien im Februar und März aufgrund vieler Verletzungen zum Improvisieren gezwungen war, sind hingegen fast alle Spieler wieder einsatzfähig.

Wir haben seit einigen Wochen wieder richtige Qualitätsspieler in unseren Reihen“, sagte Wagner, der von einem Riesenvorteil gegenüber vielen Konkurrenten zum Restart der Saison spricht. „Wir spielen nicht irgendein Spiel, wir spielen das Derby.“ Auch wenn niemand weiß, ob es sich auch so anfühlen wird.