03. Dezember 2020 / 06:00 Uhr

Rexhbecaj vorm Wiedersehen mit Wolfsburg: "In den 90 Minuten kenne ich keine Freunde"

Rexhbecaj vorm Wiedersehen mit Wolfsburg: "In den 90 Minuten kenne ich keine Freunde"

Engelbert Hensel
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Elvis Rexhbecaj trifft mit dem 1. FC Köln auf seinen eigentlichen Klub VfL Wolfsburg.
Freut sich aufs Wiedersehen mit seinen alten Kollegen: Elvis Rexhbecaj, den der VfL Wolfsburg an den 1. FC Köln ausgeliehen hat. © imago images/Eduard Bopp
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Im Januar hatte der VfL Wolfsburg Elvis Rexhbecaj an den 1. FC Köln ausgeliehen, am Samstag gibt's das Wiedersehen mit dem Eigengewächs...

Der VfL beim 1. FC Köln – das ist auch das Wiedersehen mit Elvis Rexhbecaj, den der Wolfsburger Fußball-Bundesligist im Januar für eineinhalb Jahre an den Geißbock-Klub ausgeliehen hat. Für 7 Millionen Euro kann der FC den 23-Jährigen kaufen – aber nur, wenn der VfL auch Ja sagt. Im Interview spricht das Wolfsburger Eigengewächs über den Sieg in Dortmund, die Partie am Samstag, seine Zukunft und ein kleines Jubiläum.

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Sie stehen vor Ihrem 50. Bundesliga-Spiel – wussten Sie das?
Ja, jetzt kommt das Jubiläum gegen Wolfsburg. 50 ist eine schöne Zahl, ich freue mich sehr, aber unterm Strich ist es auch nur ein Spiel...

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Der VfL hat in dieser Saison noch kein Spiel verloren, warum ist Ihr Ex-Verein gerade so gut unterwegs?
Sie sind eingespielt, die Neuen wurden schnell integriert. Sie arbeiten und kämpfen auf dem Platz, sind natürlich individuell gut besetzt, spielerisch gut – sie stehen zu Recht ganz weit oben. Der VfL ist immer in der Lage, ein Tor zu machen, weil er brutale Qualität hat. Und hinten stehen sie kompakt. Das wird auf jeden Fall ein Brett für uns.

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Was hat der Sieg in Dortmund innerhalb des Teams ausgelöst?
Jeder hatte ein Grinsen an der Backe... Es war so, als ob ein Stein vom Herzen gefallen ist. Es war ein großer Sieg, weil keiner an uns geglaubt hat. Wir wurden Woche für Woche als der 1. FC Köln abgestempelt, der seit 18 Spielen nicht gewonnen hat. Das ist jetzt vorbei.

Wem Ihrer alten Kollegen haben Sie im Vorfeld des Spiels schon eine Grätsche angedroht...?
(lacht) Keinem, aber natürlich habe ich mit dem einen oder anderen geschrieben.

"Ich treffe alte Freunde"

Ganz generell: Was löst das Wiedersehen in Ihnen aus?
Ich treffe alte Freunde, mit denen ich viel durchgemacht habe – zweimal Relegation, wir sind zusammen in die Europa League gekommen. Es ist schön, die Jungs wiederzusehen. Aber: In den 90 Minuten kenne ich keine Freunde.

Haben Sie nach dem Wechsel auch mal mit VfL-Manager Jörg Schmadtke oder VfL-Sportdirektor Marcel Schäfer telefoniert?
Ja, mit Marcel Schäfer habe ich ein-, zweimal telefoniert. Er wollte wissen, wie es mir geht und wie ich mich eingelebt habe.

Sie sind bis zum Saisonende an den FC ausgeliehen, kehren Sie dann zum VfL zurück?
Die Frage interessiert mich jetzt nicht, wir haben den zehnten Spieltag. Ich bin mit dem FC im Abstiegskampf und habe andere Dinge zu tun, als an meine Zukunft zu denken.

Bis wann wird es eine Entscheidung geben?
Nicht jetzt, wir sind noch in der Hinrunde, warum soll ich mir darüber den Kopf zerbrechen? Ich mache mir keinen Druck, ich will hier die Saison zu Ende spielen, mit dem FC den Klassenerhalt schaffen – und dann werden wir sehen. Ich treffe die Entscheidung auch nicht alleine, sondern mit meiner Familie.

Ihr Papa arbeitet beim VfL als Platzwart – wem drückt er am Samstag die Daumen?
(Grinst) Meine Familie ist für mich. Ich spiele in Rot-Weiß.

Sie sind zum FC gewechselt, weil Sie beim VfL kaum Spielpraxis bekommen hatten. In Köln bekommen Sie die...
...die Leihe nach Köln hat mir gutgetan. Ich habe viele Spiele gemacht, wir haben in der vergangenen Saison den Klassenerhalt geschafft. Und das wollen wir in diesem Jahr wieder schaffen.

Wo können Sie sich noch verbessern?
(Grinst wieder) Fragen Sie den Trainer...

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...aber ich Frage Sie...
...mit ein bisschen mehr Glück hätte ich ein, zwei Tore mehr schießen können. Ich möchte torgefährlicher werden und noch mehr Zweikämpfe gewinnen, einfach eklig werden im Abstiegskampf.

Was ist in Köln anders als in Wolfsburg?
Medial ist das hier größer und die Fans sind einzigartig. Sie fehlen im Stadion. Es ist einfach ein großer Unterschied, ob du vor 50.000 Fans spielen darfst oder vor leeren Rängen.


Wenn Sie am Samstag das entscheidende Tor schießen, jubeln Sie dann?
Ich würde nicht sagen, dass ich nicht jubeln kann. Wenn man im Spiel ist, kommen die Emotionen einfach raus. Es ist ja ein Geisterspiel, ich denke, man würde es mir nicht übel nehmen, wenn ich mit meiner Mannschaft jubele. Aber erst mal muss ich ein Tor machen, das wird schon schwer genug.

"Die Mannschaft ist der Star"

Gibt es für Sie den entscheidenden Spieler im VfL-System?
Nein, die Mannschaft ist der Star. Die größte Stärke ist, dass sie im Verbund arbeiten.

Dennoch: Was kann das Plus des FC in diesem Duell sein?
Wir müssen unsere Leistung aus dem Dortmund-Spiel zeigen – dann können wird es auch Wolfsburg schwer machen.

Denken Sie in diesen Tagen gern mal an das 3:1 des FC gegen den VfL zum Start der Rückrunde der vergangenen Saison?
Eigentlich nicht, weil es nichts mit dem Spiel jetzt zu tun hat.