02. Mai 2021 / 17:44 Uhr

Rhythmus fehlt nach Quarantäne: BG Göttingen kann gegen Bayern München nur ein Viertel mithalten

Rhythmus fehlt nach Quarantäne: BG Göttingen kann gegen Bayern München nur ein Viertel mithalten

Andreas Fuhrmann
Göttinger Tageblatt
Göttingens Nelson Weidemann (r) mache gegen den FC Bayern München ein starkes Spiel, hier gegen Erol Ersek.
Göttingens Nelson Weidemann (r) mache gegen den FC Bayern München ein starkes Spiel, hier gegen Erol Ersek. © Swen Pförtner
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Es war das erste Spiel nach der Quarantäne – und gleich das erwartet schwierige: Die BG Göttingen hat am Sonntag in der S-Arena gegen den favorisierten FC Bayern München mit 90:102 (44:52) verloren. Nach einem starken ersten Viertel der Veilchen setzte sich die Klasse der Gäste Mitte des zweiten Durchgangs durch. Den Veilchen hingegen merkte man an, dass noch nicht alle Stellschrauben passten nach mehrwöchiger Zwangspause.

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Nach dem sensationellen Sieg gegen Mailand am Freitag im Viertelfinale der Euroleague schonte Bayern-Trainer Andrea Trinchieri viele Leistungsträger – und die BG Göttingen wusste das anfangs durchaus zu nutzen. Rihards Lomazs war wie bereits in den vergangenen Spielen der Dreh- und Angelpunkt im Spiel der Gastgeber und wurde dementsprechend eng bewacht. Wirklich beeindrucken tat das den Letten allerdings nicht, im Gegenteil: Lomazs erzielte die ersten vier Punkte der Veilchen.

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Im ersten Viertel entwickelte sich ein Spiel auf Augenhöhe, ohne dass sich ein Team entscheidend absetzen konnte. Die Führung wechselte hin und her, die BG war voll im Spiel. Lediglich Jalen Reynolds bekamen die Göttinger nicht in den Griff, ohnehin fehlte vor allem defensiv die nötige Aggressivität. Auf der anderen Seite fanden auch die Bayern kein Rezept gegen die variable Offensive der Veilchen, die den ersten Durchgang nach zwei weiteren Punkten von Lomazs mit 26:25 für sich entschieden.

BG Göttingen - FC Bayern München 2020/21

Die BG Göttingen hatte es nach der Quarantäne schwer gegen Bayern München. Zur Galerie
Die BG Göttingen hatte es nach der Quarantäne schwer gegen Bayern München. © Swen Pförtner

Und so ausgeglichen ging es auch erst einmal weiter: Bayern mit einem Dreier, Harper Kamp mit einer starken Aktion unter dem Korb; Lomazs mit zwei verwandelten Freiwürfen, Diego Flaccadori mit zwei Punkten aus dem Feld. Die Gäste schafften es nicht, die Veilchen abzuschütteln. Stattdessen erhöhte Tai Odiase auf 37:35.

Dann allerdings folgte Mitte des zweiten Viertels der Bruch im Spiel der BG, den Trainer Roel Moors nach dem Spiel vor allem an den Folgen der Quarantäne festmachen sollte. Plötzlich ging bei den Veilchen nichts mehr. Vorne fielen einfachste Würfe nicht – und in der Defense fehlte weiterhin der Zugriff.

Bayern bestrafen Nachlässigkeiten mit 12:0-Lauf

Die Bayern bestraften diese Nachlässigkeiten der Hausherren mit einem 12:0-Lauf. Erst eine Auszeit von Moors half: Mathis Mönninghoff stoppte den Punktezug aus München knapp drei Minuten vor der Pause mit zwei verwandelten Freiwürfen und verkürzte auf 39:47.

Die BG versuchte, sich in der Folge wieder zurück ins Spiel zu kämpfen – und schaffte das auch in Ansätzen. Allerdings stand die Defense der Bayern jetzt wie eine Wand, zumal diese ihre Dominanz unter den Körben immer mehr auszunutzen wussten. Die Veilchen mussten sich jeden Punkt hart erarbeiten – und ließen in der Offensive immer deutlicher die nötige Kreativität und Entschlossenheit vermissen.

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Deishuan Booker ging in dieser Phase zwar voran, zog ein ums andere Mal stark zum Korb, allerdings war das nicht immer von Erfolg gekrönt. Und in der Defense machten es die Gastgeber den Bayern weiter zu leicht. Immerhin verkürzte Odiase kurz vor der Pause noch auf 44:52 – und hielt sein Team im Spiel.

Eigentlich. Denn die Bayern zeigten sich weiter sehr fokussiert, wollten das Spiel jetzt entscheiden, um weiter Kraft zu sparen für das entscheidende Viertelfinalspiel am Dienstag in Mailand. Zwei erfolgreiche Dreier nach wenigen Minuten zum 45:60 aus Sicht der BG zwangen Moors zur nächsten Auszeit.

Umstrittenes unsportliches Foul gegen Weidemann

Die gab der BG zwar Auftrieb, was sich in vier Punkten von Aubrey Dawkins und Weidemann niederschlug. Dann kassierte Weidemann allerdings ein umstrittenes unsportliches Foul – und die Münchener hielten die BG Mitte des dritten Viertels weiter mit rund zehn Punkten auf Distanz (53:65).

Die Moors-Truppe kämpfte unermüdlich weiter. Lomazs per Dreier und Booker nach einem Fastbreak brachten die BG wieder näher heran an die großen Bayern (58:69). Die aber konterten eiskalt und setzen sich erneut ab, zumal den Veilchen einige vermeidbare Fehler im Aufbauspiel unterliefen – und die Dreierquote weiter in den Keller rauschte. Mit einem vorentscheidenden Rückstand von 62:77 aus BG-Sicht ging es in den Schlussabschnitt.

Bayern-Trainer Trinchieri hüpft wie Rumpelstilzchen

Dort passierte nicht mehr viel, außer dass Münchens Trainer Trinchieri weiter an der Seitenlinie herumhüpfte und brüllte wie Rumpelstilzchen und sich den einen oder anderen seiner Spieler vorknöpfte und ihm die Leviten las. Die BG versuchte hingegen noch einmal alles, musste aber schnell einsehen, dass sie den Bayern an diesem Nachmittag nichts mehr entgegenzubayernsetzen hatte. Die wiederum spielten das Viertel unbeeindruckt von den Tiraden ihres Trainers locker herunter – und gewannen am Ende verdient mit 102:90.

Stimmen zum Spiel

„Das war kein einfaches Spiel – für beide Mannschaften“, sagte BG-Trainer Moors. Offensiv habe sein Team mit wenig Rhythmus agiert, den Ball nicht gut bewegt. Positiv hob er die wenigen Ballverluste (6) und die 16 Offensiv-Rebounds hervor.

Das große Problem sei die Defensive gewesen, sagte Moors. „Intensität und Aggressivität haben gefehlt, da hatten wir 40 Minuten lang Probleme.“ Nach der Quarantäne sei es aber auch verständlich, dass nicht alles funktioniere, das dürfe man nicht unterschätzen. „Wir haben zwei Wochen nicht trainiert. Die Spieler durften ihre Wohnung nicht verlassen. Die Jungs haben das gemacht, was sie momentan können“, so der Belgier.

BG-Trainer Moors: Zu viele Einzelaktionen

Klar seien 90 Punkte positiv zu bewerten, vor allem gegen einen Gegner wie Bayern München, sagte Moors. „Ich bin aber nicht damit zufrieden, wie wir diese Punkte erzielt haben. Es waren einfach zu viele Einzelaktionen. Das ist nicht der Basketball, den ich gerne sehe.“

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Bayern-Trainer Trinchieri lobte sein Team. „Es ist schwierig, zwischen diesen intensiven Spielen in der Euroleague in der Liga anzutreten“, sagte der Italiener. „Daher bin ich über den Sieg sehr glücklich. Wir waren im Stande, sechs Spieler zu schonen. Wir haben einen guten Job gemacht trotz der Situation.“

Statistik

BG Göttingen – FC Bayern München 90:102 (44:52)

Die Viertel im Überblick: 26:25, 18:27, 18:25, 28:25.         

BG Göttingen: Booker (19 Punkte/1 Dreier, 5 Assists), Weidemann (14/1), Nelson (2), Vargas, Onwuegbuzie (5/1), Kramer (4, 6 Rebounds), Omuvwie, Lomazs (20/3), Mönninghoff (4), Kamp (6/1), Odiase (12), Dawkins (4).

FC Bayern München: George (8 Punkte/1 Dreier), Krämer (2), Seeley (n.e.), Reynolds (12, 8 Rebounds), Zipser (n.e.), Flaccadori (10/1, 11 Assists), Amaize (9/1), Johnson (9), Radosevic (6), Grant (21/4), Rudan (8).