31. Januar 2022 / 17:14 Uhr

Riege der engagierten Ehrenamtler: Fußball-Quintett aus dem Leipziger Land ausgezeichnet

Riege der engagierten Ehrenamtler: Fußball-Quintett aus dem Leipziger Land ausgezeichnet

Heiko Henschel
Leipziger Volkszeitung
Deutzens Bernd Wießner, hier beim Überreichen von Siegermedaillen an den Nachwuchs. 
Deutzens Bernd Wießner, hier beim Überreichen von Siegermedaillen an den Nachwuchs.  © Wilko Finke
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Ohne sie geht im Amateursport und damit auch beim organisierten Freizeitfußball überhaupt nichts. Mit den zahlreichen Ehrenamtlichen steht und fällt das Wohl und Wehe des organisierten Trainings- und Spielbetriebes in den Vereinen und Verbänden fernab des Profigeschäfts. Wir stellen diejenigen Funktionäre aus dem Gebiet des Fußballverbandes Muldental/Leipziger Land vor, die im vergangen Jahr vom Sächsischen Fußballverband geehrt wurden.

Borna/Grimma. Der Grimmaer Wilfried Gatzsche hat in seiner Funktion als Staffelleiter praktisch goldene Hochzeit mit dem runden Leder gefeiert. Ein halbes Jahrhundert lang betreute er den Spielbetrieb der C-Junioren im Grimmaer und Wurzener Gebiet sowie danach im neuen Verband Muldental/Leipziger Land, wodurch er damit ebenfalls für die Vereine aus der Region Borna/Geithain und aus dem Raum Döbeln zuständig war.

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Der mittlerweile 81-jährige spielte im Nachwuchsbereich selber aktiv Fußball, nach seiner Studienzeit trimmte er die Kugel in einer der damals sehr viel Zulauf verzeichnenden Betriebsmannschaften. Parallel dazu sammelte er auf dergleichen Ebene als Teambetreuer bereits erste Erfahrungen in der Organisation von Turnieren und ähnlichen Veranstaltungen. So war für das Mitglied der BSG Motor Grimma – aus dem später der SV Grimma 1919 beziehungsweise der jetzige FC Grimma hervorging – der Weg hin zum Spielausschuss des Verbandes im Grunde genommen vorgezeichnet. Auf akribische Art und Weise sorgte er durch die enge Zusammenarbeit mit den beteiligten Vereinen für einen reibungslosen Ablauf der Wettkampfserien.

Winfried Gatzsche übergibt den Ball, hier in der Saison 01/02.
Winfried Gatzsche übergibt den Ball, hier in der Saison 01/02. © privat

Das Amt irgendwann in jüngere Hände zu geben, danach stand ihm allerdings schon seit geraumer Zeit der Sinn. Mit Marco Wallenborn hat er einen aus seiner Sicht zuverlässigen Nachfolger gefunden, welchem sich naturgemäß gänzlich andere Voraussetzungen für seine anspruchsvolle Tätigkeit bieten. Gatzsche verweist auf die Fortschritte der Digitalisierung, während er und seine Verbandskollegen früher noch häufig zum Telefon greifen mussten und Postkarten zu verschicken hatten.

Verdienter Lohn

Die Nachteile von Computer und dergleichen sieht er in den inzwischen beinahe völlig fehlenden persönlichen Kontakten untereinander. Einst habe man sich noch in einer Gartenanlage getroffen, um bei einem Glas Bier alles Wichtige zu besprechen. Wilfried Gatzsche schaut mit sichtlicher Wehmut und dennoch großer Zufriedenheit auf diese angenehmen Seiten im Leben eines Sportfunktionärs zurück. Für seine Verdienste bekam er neben der goldenen Ehrennadel des SFV in Gold bereits 2005 die selbige vom Leipziger Fußballverband überreicht.

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Günter Kögler hat seinen Verein von der Pike auf kennen und schätzen gelernt. Bereits mit neun Jahren wurde er Mitglied der damaligen BSG Stahl Brandis, durchlief danach als Kicker sämtliche Nachwuchsaltersklassen und gab schon mit zarten 17 sein Debüt im Männerteam. Lediglich durch die Armeezeit unterbrochen streifte er sich 22 Jahre lang das Brandiser Trikot über, war stets vorbildlicher Aktivposten in der Truppe und beendete schließlich als Torhüter seine aktive Laufbahn.

Das runde Leder ließ ihn allerdings nicht los, Kögler stellte seine Erfahrungen nahtlos als Trainer der B-Jugend zur Verfügung, wirkte fortan zudem als Mitglied der Abteilungsleitung beim mittlerweile in TSV Rot-Weiß 90 Brandis umbenannten Verein. Als sich die Sektion im Jahr 1997 selbstständig machte und den FSV 1921 Brandis gründete, wurde er deren Vorsitzender und ist es bis heute. Beinahe seit einem Vierteljahrhundert widmet er sich der Funktion mit Hingabe, so lange wie noch kein einziger Präsident vor ihm. Die Ehrennadel des SFV in Gold ist der verdiente Lohn für sein Engagement.

Günter Kögler (l.) zeichnet Vereinsmitglied Peter Niemann (Nachwuchstrainer und Kassierer) aus.
Günter Kögler (l.) zeichnet Vereinsmitglied Peter Niemann (Nachwuchstrainer und Kassierer) aus. © privat

Positive Erinnerungen

Noch länger mit dem Brandiser Fußballsport verbunden ist Peter Keßler. Seit 1953 ist er Vereinsmitglied, war bis 1974 aktiver Spieler bei der BSG Stahl. Anschließend widmete er sich dem Schiedsrichterwesen, stand bis 2010 Woche für Woche als Unparteiischer auf dem grünen Rasen. Obendrein war Keßler von 1989 bis 2010 Vorstandsmitglied des Wurzener beziehungsweise Grimmaer Fußballverbandes, von 1990 bis 2010 dort auch Schiedsrichteransetzer sowie von 2011 bis 2020 Staffelleiter beim Fußballverband Muldental/Leipziger Land. Vor der jüngsten Auszeichnung mit der Ehrennadel in Gold bekam er sie schon 2004 in Silber verliehen, wurde 2007 mit der Ehrennadel des LFV gewürdigt und ist seit 2007 Ehren-Schiedsrichter des FV MTL/LL.

Peter Keßler aus Brandis ist unter anderem Ehren-Schiedsrichter dies hiesigen Verbandes.
Peter Keßler aus Brandis ist unter anderem Ehren-Schiedsrichter dies hiesigen Verbandes. © privat

Lutz Grohme ist beim Otterwischer SV nicht mehr wegzudenken, seit er vor reichlich vier Jahrzehnten aus dem nahen Belgershain – wo ihn zunächst ab Anfang der Siebziger neben dem Fußball auch der Handball intensive Bewegungseinheiten verschaffte – in den Nachbar- und zugleich Heimatort seiner Frau Elke hinüber wechselte. Der aktuelle OSV-Vorsitzende schlüpfte selbst von 1980 bis 2009 ins Otterwischer Dress, zunächst als Stürmer und danach als Keeper.

Lutz Grohme, Vorsitzender des Otterwischer SV, wurde in der Vergangenheit bereits vom Kreissportbund ausgezeichnet.
Lutz Grohme, Vorsitzender des Otterwischer SV, wurde in der Vergangenheit bereits vom Kreissportbund ausgezeichnet. © KSB

Nach dem Ende seiner eigenen sportlichen Karriere sattelte er um und widmete sich der Funktionärs-Laufbahn, über die Station Abteilungsleiter wurde er später Präsident des Vereins. Grohme erinnert sich gern an regelmäßige Reisen nach Tschechien, welche er mit seinen Clubkameraden unternahm Zudem sind die zu Beginn der neunziger Jahre ins Leben gerufenen Vereinssportfeste mit äußerst positiven Erinnerungen verbunden.

Leidenschaft Schiedsrichterei

Zusammen mit dem noch heute amtierenden Bürgermeister und einem ortsansässigen Firmenchef lotste er obendrein ehemalige Kicker-Legenden wie DDR-Oberliga-Torschützenkönig Klaus Havenstein und DDR-Nationalspieler Manfred Geisler in den Jahn-Sportpark, um sie dort als Trainer fungieren zu lassen. Dass der Otterwischer SV wirtschaftlich und sportlich auf einer stabiler Basis steht, ist nicht zuletzt dem umsichtigen Wirken von Lutz Grohme zu verdanken. Dafür erhielt er 2011 die Ehrennadel des SFV in Silber und nunmehr die Ausfertigung in Gold. Zudem wurde ihm 2004 die Ehre zuteil, als DFB-Ehrenamtspreisträger ausgezeichnet zu werden.

Für Bernd Wießner war 2021 beileibe kein Jahr wie jedes andere. Das Mitglied des SV Blau-Weiß Deutzen feierte nicht nur seinen 70. Geburtstag, sondern durfte sich auch über die Verleihung der silbernen SFV-Ehrennadel freuen. Der leidenschaftliche Radfahrer war parallel dazu aktiver Fußballer bei den Deutzenern, mischte noch bis 2017 bei den Alten Herren mit.

Bernd Wiesner (re.) mit seinen Schiedsrichterkollegen Thomas Kruggel und Karl-Heinz Stumpf.
Bernd Wiesner (re.) mit seinen Schiedsrichterkollegen Thomas Kruggel und Karl-Heinz Stumpf. © Jens Paul Taubert

Momentan betreut er bei den Blau-Weißen die Gilde der Unparteiischen, denn die Schiedsrichterei ist eine seiner weiteren Leidenschaften. Bereits 1968 legte er die Prüfung ab und war nach einer kurzen Pause viele Jahrzehnte lang als Referee im Einsatz. Darüber hinaus hat sich Wießner als Staffelleiter in den verschiedensten Altersklassen sowohl beim Regionalfachverband Fußball Borna/Geithain als auch beim Fußballverband Muldental/Leipziger Land einen Namen gemacht.

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