17. März 2018 / 12:30 Uhr

"Im Wasser spüre ich Freiheit": Riekje Heuter wird Niedersachsens Behindertensportlerin 2018 (mit Video & Galerie)

"Im Wasser spüre ich Freiheit": Riekje Heuter wird Niedersachsens Behindertensportlerin 2018 (mit Video & Galerie)

Carsten Schmidt
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Schwimmerin Riekje Heuter (Mitte) ist Niedersachsens Behindertensportlerin des Jahres 2018.
Schwimmerin Riekje Heuter (Mitte) ist Niedersachsens Behindertensportlerin des Jahres 2018. © Sielski
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Riekje Heuter wurde am Donnerstagabend vor 200 geladenen Ehrengästen im GOP-Varieté Hannover zu Niedersachsens Behindertensportlerin des Jahres 2018 geehrt. Laudator und 96-Trainer André Breitenreiter gratulierte der Osnabrückerin zur Wahl.

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Es ist die Wundertüte des niedersächsischen Sports. Das Ergebnis der Wahl zum Behindertensportler überrascht Jahr für Jahr – und das beschert dieser Abstimmung eine besondere Resonanz. Auch gestern Abend gab es ein Raunen bei den rund 200 geladenen Ehrengästen im hannoverschen GOP-Varieté, als Laudator André Breitenreiter sagte: „Riekje Heuter – herzlichen Glückwunsch zur Wahl.“

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96-Coach André Breitenreiter übergibt den Preis

Die angesprochene Schwimmerin aus Osnabrück blickte etwas entgeistert in Richtung der Bühne, auf der sie wenig später den vom hannoverschen Bildhauer Siegfried Neuenhausen geschaffenen Ehrenpreis aus den Händen des Fußballtrainers von Hannover 96 erhielt. Breitenreiter zur Seite standen bei der Ehrung Bernd Althusmann, der niedersächsische Wirtschaftsminister, und Gastgeber Karl Finke, Präsident des Behindertensportverbandes Niedersachsen (BSN).

Bilder der Wahl zu Niedersachsens Behindertensportler des Jahres 2018

Die Nominierten Vanessa Erskine, Oliver Jantz (vorn), Riekje Heuter, Marco Herbst, Christiane Reppe (hinterer Reihe von links) sowie Phil Grolla (2.v.r.). Mit auf dem Foto: Bernd Althusmann, Karl Finke und Andre Breitenreiter. Zur Galerie
Die Nominierten Vanessa Erskine, Oliver Jantz (vorn), Riekje Heuter, Marco Herbst, Christiane Reppe (hinterer Reihe von links) sowie Phil Grolla (2.v.r.). Mit auf dem Foto: Bernd Althusmann, Karl Finke und Andre Breitenreiter. ©

Heuter, deutsche Meisterin und Rekordhalterin im Brustschwimmen, war mit 16 Jahren die jüngste von sechs national und international erfolgreichen Sportlern, die für die Abstimmung nominiert worden waren. Finke wies darauf hin, dass Wahlsiegerin Heuter noch nicht geboren war, als der BSN im Spätwinter 2001 die erste Abstimmung organisiert hatte und damit zu einem Trendsetter in Deutschland wurde. „Riekje Heuter hat mit ihren Leistungen und ihrem Ehrgeiz die Menschen im Land überzeugt“, sagte der BSN-Präsident.

"Im Wasser spüre ich Freiheit"

Und die Wahlsiegerin selbst, der von Geburt an der linke Unterarm fehlt, sagte über ihren Sport: „Im Wasser spüre ich Freiheit, da kann ich meine Energie herauslassen.“ Auch deshalb trainiert sie elfmal in der Woche und würde nie von sich aus eine Einheit ausfallen lassen.

Andre Breitenreiter hält Laudatio für Riekje Heuter

Das ist das Wahlergebnis der Behindertensportlerwahl 2018:

<b>Vanessa Erskine:</b> 11,9 Prozent der 14405 abgegebenen Stimmen. Zur Galerie
Vanessa Erskine: 11,9 Prozent der 14405 abgegebenen Stimmen. ©

Applaus und Gratulationen von den Sportlerkollegen

Die Schwimmerin ist quasi als Blitzstarterin zum Wahlsieg gelangt. Dafür gab es Applaus sowie Gratulationen von den Sportlerkollegen, die ebenfalls zur Wahl gestanden hatten. Laudator Breitenreiter hatte sich zuvor auch an diese Athleten – die Rollstuhlbasketballer Vanessa Erskine und Oliver Jantz, den Leichtathleten Phil Grolla, den Rollstuhlrugbyspieler Marco Herbst sowie die Handbikerin Christiane Reppe – gewandt und ihre Leistungen gewürdigt: „Wir konnten eindrucksvoll sehen, was Sie, und zwar alle sechs, in den vergangenen Monaten Großartiges geleistet haben.“

Heuter hat aber außer ihrem sportlichen Ehrgeiz auch wache Augen für ihre Umwelt. Im paralympischen Jugendlager in Rio de Janeiro erlebte sie, wie eine behinderte Fackelläuferin stürzte, sich aber ohne Hilfe wieder aufrappelte. „Sie hat gezeigt, was wir Menschen mit Behinderung jeden Tag versuchen – alles allein zu schaffen“, sagte die junge Sportlerin anschließend. Es ist eine vorbildliche Einstellung im wahrsten Sinne des Wortes.