08. Januar 2021 / 13:38 Uhr

Riesenschweinerei bei der SG Striesen: Platz total verwüstet

Riesenschweinerei bei der SG Striesen: Platz total verwüstet

Jochen Leimert
Dresdner Neueste Nachrichten
Vom Dach des Funktionsgebäudes ist das ganze Ausmaß der Wildschweinschäden auf den Plätzen an der Salzburger Straße gut erkennbar.
Vom Dach des Funktionsgebäudes ist das ganze Ausmaß der Wildschweinschäden auf den Plätzen an der Salzburger Straße gut erkennbar. © Petra Müller
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Schwarzkittel haben den Rasen auf dem Nachwuchsgelände an der Salzburger Straße umgepflügt. Es ist nicht das erste Mal, dass Wildschweine beim SG Striesen für Ärger gesorgt haben, doch so groß war die Verwüstung bisher noch nie. Die Dresdner haben nun Kontakt mit der Stadt aufgenommen und erhoffen sich finanzielle Unterstützung.

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Dresden. Als ob sie bei der SG Striesen inmitten der Corona-Pandemie nicht schon genug Sorgen hätten, haben Wildschweine den Stresspegel der Verantwortlichen beim Tabellenletzten der Fußball-Landesliga noch einmal in die Höhe getrieben. Waren es im Frühjahr feierwütige Zweibeiner, die angesichts der Corona-Beschränkungen heimlich auf dem Rasen des Nachwuchszentrums an der Salzburger Straße verbotene Grillfeste veranstalteten, haben nun ungebetene Vierbeiner für noch weitaus größeren Ärger gesorgt. Zum wiederholten Male drangen die frechen Schwarzkittel auf Nahrungssuche ins Vereinsgelände ein und zerwühlten große Teile der Spielflächen.

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Ein Wildschwein, aufgenommen im Wildpark in Ludwigshafen. Mit Drohnen, Schutzwesten für Jagdhunde und Zäune versucht Rheinland-Pfalz  für den Ernstfall zu rüsten, dass die Schweinepest das Bundesland erreicht.
Wildschweine dringen seit Jahren immer stärker auch in die städtischen Gebiete vor und richten vermehrt Schäden auf Grünanlagen an. © Fredrik von Erichsen/dpa

Geschäftsstellenleiterin Petra Müller ist fassungslos: „Zwei Drittel der Plätze sind beschädigt. Nur der A-Jugendplatz ist noch heil, weil er Rollrasen und einen anderen Untergrund hat und vielleicht deshalb nicht so viele Würmer beherbergt.“ War das Ausmaß der Schäden nach dem ersten Besuch der kecken Tiere vor vier Wochen noch halbwegs überschaubar, fiel Petra Müller am vergangenen Montag aus allen Wolken, als sie einen Kontrollgang auf der verwaisten Anlage machen wollte: „Ich bin aus dem Auto ausgestiegen und habe geheult.“

Die nächtlichen Besucher haben ihre Fußspuren auch auf dem Hartplatz hinterlassen.
Die nächtlichen Besucher haben ihre Fußspuren auch auf dem Hartplatz hinterlassen. © Petra Müller

Umsonst waren all die Anstrengungen, die Platzwart Lutz Falkenberg im Anschluss an den ersten Wildschwein-Einfall unternahm, um den Rasen zu reparieren. „Der erste Schaden betrug etwa ein Drittel des Umfanges, der nun eingetreten ist. Den hat unser Platzwart in mühevollster Kleinstarbeit auf Knien bestmöglich beseitigt. Er saß da und hat versucht, Grasbüschel für Grasbüschel wieder in den Boden zu puzzeln. Es war unmenschlich, was er geleistet hat“, fühlt Petra Müller mit ihrem Mitarbeiter.

Der hatte auch versucht, ein offenes Tor in dem uralten Zaum, der das Gelände von einem Wäldchen trennt, provisorisch zu verschließen. Die fehlende Tür versperrte Falkenberg mit Paletten und Holz, weil man annahm, die Schweine seien von dort gekommen. „Da war kurz Ruhe, aber dann kamen sie noch mal rein, haben den Platz verwüstet. Als er dann angefangen hat, den ,Acker’ zu puzzeln, kamen sie am Montag vergangener Woche wieder und haben alles zerstört, was er repariert hat. Der ganz große Schaden ist jetzt in der Nacht vom letzten Sonntag auf Montag entstanden“, weiß Petra Müller.

Elektrozaun als schnelle Lösung

Sie ist sich nun auch sicher, von welcher Seite die Tiere auf das Gelände eindringen. Offenbar springen sie nicht über das notdürftig verrammelte Tor des maroden, aus DDR-Zeiten stammenden Zaunes am Wäldchen, sondern „sie kommen aus der Flutrinne, wo nicht abgezäunt ist“. Weil der Niedersedlitzer Flutgraben schon mehrfach Hochwasser führte und die Striesener Plätze in eine Seenlandschaft verwandelte, wurde dort bewusst kein fester Zaun errichtet, der bei einer erneuten Flut zu Stauungen führen könnte.

Wie es nun weitergeht, ist offen. „Ich habe Kontakt mit der Stadt aufgenommen“, sagt Petra Müller, „hoffe auf eine schnelle Lösung, vielleicht mit einem Elektrozaun. Wenn das so weitergeht wie bisher, muss der Rasen abgetragen, neu befüllt und besät werden. Das würde im Klartext bedeuten, dass der ganze Platz vom Frühjahr bis in den Herbst hinein nicht betretbar ist.“

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Die Kommune ist Eigentümer der Anlage, die 2002 bei der Jahrhundertflut komplett zerstört worden war und danach ein neues Funktionsgebäude auf Stelzen erhielt. Das zahlte sich 2013 beim nächsten großen Hochwasser aus, denn das neue Haus blieb trocken, während die Plätze wieder absoffen. Mit den Wildschweinen hatte man anders als mit dem Wasser aber noch nie Probleme. „Ich kann mich nicht erinnern, dass jemals welche bei uns waren. Da rannte höchstens mal ein Fuchs über den Platz“, sagt Detlef Pavel, seit 30 Jahren ehrenamtlich Nachwuchstrainer bei der SGS. Er glaubt, dass der fehlende Spiel- und Trainingsbetrieb die Steckdosennasen ermuntert: „Es ist jetzt sehr ruhig ringsum und auf dem Vereinsgelände finden die Schweine weichen Boden vor.“

Auf dem Nachwuchsgelände der SG Striesen haben Wildschweine großen Schaden angerichtet.
Auf dem Nachwuchsgelände der SG Striesen haben Wildschweine großen Schaden angerichtet. © SG Striesen

Die insgesamt sehr gepflegte Anlage will Petra Müller, deren Sohn Alexander selbst in der D-Jugend spielt, den grauen Borstentieren keinesfalls kampflos überlassen. Sie hat mit dem Sportstättenbetrieb telefoniert und ihm Fotos geschickt. Was die Anschaffung eines ausreichend langen und hohen Elektrozaunes kostet und ob der sich überhaupt als Schutz gegen die robusten Wildschweine eignet, weiß sie nicht. Fakt ist aber: Der Verein, dessen Männermannschaft vergangenes Jahr mit einem Minibudget und ohne teure Zukäufe in die Landesliga aufstieg und dort Schlusslicht ist, hat kaum Geld. Das könnte noch knapper werden, wenn die Plätze für die 17 Jugendmannschaften längere Zeit nicht nutzbar sind: „Wir wissen nicht, wie unsere Mitglieder dann reagieren. Es könnten sich viele Eltern dazu entschließen, ihre Kinder zu einem anderen Verein zu bringen. Wir können ganz sicher nicht mit so vielen Mannschaften zu einem anderen Verein ausweichen“, glaubt Petra Müller, die als Schalke-Anhängerin sowieso schon leidgeplagt ist. Doch wie im Fall von „S04“ gibt sie die Hoffnung auf gute Nachrichten nicht auf.