01. Februar 2021 / 17:11 Uhr

Ringer trauern um Olympiasieger Lothar Metz

Ringer trauern um Olympiasieger Lothar Metz

Stefan Ehlers/Horst Schreiber
Ostsee-Zeitung
Lothar Metz, Olympiasieger im Ringen, im Oktober 2019 mit Ehefrau Helga.
Lothar Metz, Olympiasieger im Ringen, im Oktober 2019 mit Ehefrau Helga. © Foto: Rainer Schulz
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Lothar Metz ist tot. Der Rostocker, der bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko-Stadt Gold im Mittelgewicht gewonnen hatte, starb am 23. Januar nach langer schwerer Krankheit. Metz hinterlässt Ehefrau Helga sowie drei Kinder und vier Enkelkinder.

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Seine Sternstunde erlebte Lothar Metz 1968. Bei den Olympischen Spielen in Mexiko-Stadt gewann der Rostocker Ringer die Goldmedaille im Mittelgewicht. Doch seinen schwersten Kampf konnte er nicht gewinnen. Lothar Metz ist am 23. Januar – wenige Tage nach seinem 82. Geburtstag – nach langer schwerer Krankheit gestorben. Er hinterlässt Ehefrau Helga und drei erwachsene Kinder.

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„Ohne Lothar wäre mein Leben in eine ganz andere Richtung gegangen“, sagt Uwe Bremer (53), Präsident des Ringer-Landesverbandes. Metz hatte ihn Ende der siebziger Jahre an die Sportschule nach Zella-Mehlis delegiert. Beim ASK Vorwärts Rostock arbeiteten beide zusammen im Trainerstab. „Er war immer ruhig und sachlich“, erinnert sich Bremer.

Metz war ein Typ stiller Star. Im Rampenlicht zu stehen war dem viermaligen Olympia-Teilnehmer unangenehm, erzählt Eckhardt Wallmuth (60), Vizepräsident des Landesverbandes und Klubchef des HAC Stralsund. „Lothar war für die Ringerjugend ein Vorzeigeathlet. Man konnte immer sagen: ,Guck mal, er hat es nach ganz oben auf das Olympia-Siegertreppchen geschafft.’ Und die Kinder haben das ehrfürchtig registriert.“

Wallmuth und Metz lernten sich 1983 kennen. „Lothar war damals Trainer beim ASK Rostock und ich nur ein kleiner Übungsleiter aus Stralsund“, sagt der Sundstädter. „Einmal half ich als Kampfrichter aus. Lothar kam zu dem Kampf hinzu und beschwerte sich plötzlich über eine Wertung. ,Also dieser Wallmuth ist ja menschlich ein vernünftiger Kerl, aber von Regeln hat er keine Ahnung!’“ Die Zeiten änderten sich. Die Regeln auch. Als sich beide bei der deutschen Meisterschaft wiedersahen, fragte Metz: „,Du Eckhardt, sag mal, wie ist das jetzt mit den Regeln?’ Da habe ich mich natürlich köstlich amüsiert.“

Lothar Metz wurde am 16. Januar 1939 in Meerane (Landkreis Zwickau) geboren. Er wuchs in Auerbach im Vogtland auf und galt als sportlicher Allrounder. Metz versuchte sich in der Leichtathletik, dem Radsport und dem Skispringen. Als 14-Jähriger kam er zum Ringen. Drei Jahre später wurde er DDR-Jugendmeister.

Angriffslustig: Lothar Metz setzt zu einer Aktion an. 
Angriffslustig: Lothar Metz setzt zu einer Aktion an.  © OZ-Archiv

Wie sein Trainingskumpel Rudolf Vesper, der 1968 Olympiasieger im Weltergewicht wurde, rang Metz im griechisch-römischen Stil. Seine Stärke war der Bodenkampf.

Metz gelang 1958 mit WM-Bronze der internationale Durchbruch. Zwei Jahre später kehrte er mit Olympia-Silber aus Rom zurück. 1964 in Tokio holte er Bronze. Zweimal wurde er Vize-Europameister (1967 und 1970), gewann 1971 abermals WM-Bronze. Große Kämpfe lieferte sich Lothar Metz mit dem Türken Tevfik Kış, dem jugoslawischen Olympiasieger Branislav Simić und Waleri Resanzew aus der UdSSR. Nach den Olympischen Spielen 1972 in München, bei denen er vorzeitig ausschied, beendete er seine Karriere.

Rostock 1991, Sportfest der Abteilung Ringen des Kampfsportvereins Rostock: Olympiasieger Lothar Metz (r.) ehrt den deutschen Meister Martin Buhz.
Rostock 1991, Sportfest der Abteilung Ringen des Kampfsportvereins Rostock: Olympiasieger Lothar Metz (r.) ehrt den deutschen Meister Martin Buhz. © Rainer Schulz

Bis 1989 engagierte sich Metz als Trainer. Der zehnmalige DDR-Meister und Diplom-Sportlehrer musste auf Grund eines Hörschadens pensioniert werden, blieb dem Ringersport aber als Zuschauer treu. „Lothar war ein ruhiger Zeitgenosse, der mit seiner Helga den Ruhestand genossen hat“, sagt Martin Buhz. Der mehrfache deutsche Meister, der beim PSV Rostock die Abteilung Ringen leitet, hat Lothar Metz vor gut zwei Jahren bei „einer kleinen Kaffeerunde anlässlich seines 80. Geburtstages“ getroffen. Es war das letzte Wiedersehen.

Von Stefan Ehlers und Horst Schreiber