12. August 2022 / 21:24 Uhr

Risiken und Chancen im Check: Timo Werner und RB Leipzig in der Taktik-Analyse

Risiken und Chancen im Check: Timo Werner und RB Leipzig in der Taktik-Analyse

Tobias Escher
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Timo Werner kehrte zu RB Leipzig zurück.
Timo Werner kehrte zu RB Leipzig zurück. © dpa (Montage)
Anzeige

Bei RB Leipzig ist die Euphorie nach der Rückkehr von Timo Werner groß. Doch während der Nationalstürmer für den FC Chelsea spielte, hat sich bei den Sachsen taktisch und personell viel verändert. Wie passt Werner noch ins System? Der SPORTBUZZER macht die Taktik-Analyse.

Auf den ersten Blick ist die Sache einfach: Timo Werner und RB Leipzig – das ist eine Herzensangelegenheit. Nach seiner suboptimalen Zeit beim FC Chelsea möchte der Stürmer an alter Wirkungsstätte seine Treffsicherheit wiederfinden. In Leipzig schoss er alle 137 Minuten ein Pflichtspieltor, in London nur alle 263 Minuten. Doch so einfach ist die Sache nicht. "RB Leipzig hat sich ebenso wie ich in den vergangenen zwei Jahren weiterentwickelt", sagte Werner nach seiner Verpflichtung. Das stimmt. Früher ragte Werner aus der RB-Offensive heraus. Seitdem hat sich der Kader jedoch gewandelt.

Anzeige

Im Sturm konkurriert Werner mit zahlreichen Spielern: Dem jüngst zu "Deutschlands Fußballer des Jahres" gekürten Christopher Nkunku, Spielgestalter Dani Olmo, dem schnellen André Silva, Pressingmonster Yussuf Poulsen, Strafraum-Wühler Alexander Sørloth sowie dem aufstrebenden Hugo Novoa. Selbst wenn Leipzig noch Angreifer verkauft - Domenico Tedescos Spielsystem bietet keinen Platz für alle Stürmer. Tedesco setzt zumeist auf ein 5-3-2- oder ein 5-2-1-2-System. Nur in Ausnahmefällen kommt ein 4-2-3-1 zum Einsatz. Meistens gibt es also Platz für drei, höchstens vier offensive Akteure. Werner wird um seine Einsatzzeiten kämpfen müssen.

Auch an den Stil des neuen Trainers muss sich Werner erst gewöhnen. Unter seinem Ex-Coach Julian Nagelsmann gelangen dem Angreifer vor dem Wechsel nach Chelsea 28 Treffer in der Bundesliga-Saison 2019/2020. Nagelsmanns Strategie ist jedoch deutlich offensiver als jene von Tedesco: Der heutige Bayern-Trainer schickt viele Spieler nach vorne und setzt darauf, mehr Chancen zu kreieren als der Gegner.

Anzeige

Tedescos Stil ist ungleich defensiver: Seine Maxime lautet, auf beiden Seiten möglichst wenig Chancen entstehen zu lassen. Das kommt Werner eher nicht zugute. Er ist ein Stürmer, der eher viele Chancen für ein Tor benötigt. Der neue Trainer setzt auf ein kompaktes Mittelfeld sowie auf ein ruhiges Ballbesitzspiel. Da kann es schon einmal vorkommen, dass sich sechs Leipziger den Ball in der eigenen Hälfte zuschieben. So will Rasenballsport den Gegner ins Pressing locken, um selbst mit Tempo in die gegnerische Hälfte zu gelangen.

Diese Strategie bietet indes auch Chancen für Werner: Wenn Leipzig erst einmal Geschwindigkeit aufnimmt, sind seine Fähigkeiten Gold wert. Er kann nicht nur Angriffe als schneller Stürmer abschließen, sondern auch seine spielerischen Fähigkeiten einbringen. Er legt den Ball mit einem Kontakt ab, startet durch und hängt seine Gegenspieler ab. Für Werner spricht außerdem, dass er in Leipzig auf seiner geliebten halblinken Seite spielen könnte. In London kam er hier nur selten zum Einsatz. Nkunku spielte zwar zuletzt auf dieser Position, der Franzose ist jedoch extrem vielseitig. Werner könnte schon am Samstag gegen den 1. FC Köln (15.30 Uhr, live sehen mit WOW TV [Anzeige]) entweder im 4-2-3-1 als zentraler Stürmer auflaufen oder im 5-3-2 auf der halblinken Seite.

In einer Hinsicht muss sich Werner nicht anpassen: im Spiel gegen den Ball. Hier liegt die unterschätzte Stärke des Stürmers. Mit Wucht und Tempo läuft er seine Gegenspieler an. Tedesco setzt zwar seltener auf ein hohes Pressing als einst Nagelsmann. Doch auch das Verschieben im Raum beherrscht Werner. Auch wenn Leipzig auf den ersten Blick eigentlich keinen weiteren Stürmer benötigt hätte, könnte Werners Rückkehr in die alte Heimat durchaus funktionieren. Tedesco wird sein System leicht anpassen müssen. Wenn Trainer und Spieler zueinanderfinden, könnte die Rückkehr nicht nur eine Herzensangelegenheit werden, sondern auch eine Erfolgsgeschichte.