25. März 2020 / 17:00 Uhr

Wenn aus Rivalen Partner werden: IceFighters Leipzig und Saale Bulls Halle planen "Rettungsderby"

Wenn aus Rivalen Partner werden: IceFighters Leipzig und Saale Bulls Halle planen "Rettungsderby"

Uwe Köster
Leipziger Volkszeitung
Saale Bulls - EXA Icefighters Leipzig am 02022020-133
Auch vor 30.000 virtuellen Zuschauern soll es heiß hergehen: Die Icefighters Leipzig und die Saale Bulls Halle liefern sich ein virtuelles Derby. © Stefan Röhrig
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Kreative Rettungsaktion mit Wettbewerbscharakter: Die IceFighters Leipzig treten in einem Rettungsderby gegen die Saale Bulls Halle an. Das Sommer-Game findet am 13. April in einem virtuellen Stadion mit 30 .000 Plätzen statt. Für den Spieltag selbst ist auch eine Aktion geplant, die jedoch noch geheim ist

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Leipzig. Die Sportvereine und -klubs sind in Not, angesichts des Stillstands und fehlender Einnahmen grassieren Existenzängste. Ideen und Initiativen zur Rettung kommen im Stundentakt: Lok verkauft virtuelle Tickets, Chemie Rettungspakete, überall steigen Crowdfunding-Aktionen. „Wir wollen uns abheben und etwas ganz anderes machen“, sagt André Krüll, Geschäftsführer des Eishockey-Oberligisten Icefighters Leipzig.

Dieses „ganz anders“ ist im Eishockey-Kosmos tatsächlich etwas noch nie dagewesenes – es gibt eine Aktion gemeinsam (!) mit den Saale Bulls Halle. Mit dem Verein, dessen Namen viele Fans nicht aussprechen wollen, mit dem man seit Jahren in herzlicher Abneigung verbunden ist, wo Derbys besonders heiß sind und rund um diese oft verbales Gift verspritzt wird. Vergleichbar im Fußball wäre ein „Freundschaftsspiel“ Lok gegen Chemie.

Gemeinsames Video zum Start

Nun planen beide Eishockey-Vereine ein Rettungsspiel Exa Icefighters gegen Saale Bulls, Sommer-Game genannt in Anspielung auf die publikumsträchtigen Winter-Games von DEL und DEL2. Stattfinden soll das Sommer-Game am 13. April in einem virtuellen Stadion mit 30 000 Plätzen. 14.500 Tickets zu 6 Euro (der normale Preis bei Punktspielen) kann jeder Verein verkaufen, hinzu kommen 1000 VIP-Tickets zu 100 Euro das Stück. Beide Vereine haben dazu ihre Verkauf-Systeme harmonisiert. Die Aktion dauert bis zum 13. April, 15 Uhr, dem Ostermontag.

Die Idee zum gemeinsamen Sommer-Game ist mir bei einem Orangensaft gekommen“, erzählt André Krüll. Bei der Liga-Konferenz am vergangenen Sonnabend seien sich er und Halles Präsident Daniel Mischner – bisher nicht unbedingt freundschaftlich verbunden – nähergekommen. „Wir sind ja in der gleichen Lage, haben ähnliche Interessen und ähnliche Probleme. Lass uns doch was zusammen machen“, habe er Mischner gesagt. Der war sofort einverstanden. Zwei Tage wurde an dem Projekt unter Hochdruck gefeilt, am Mittwoch erfolgte der Startschuss. Der enthielt ein sehenswertes Video, in denen Krüll und Mischner gemeinsam auftreten und die Aktion erklären. Vor allem wohl erklären müssen, den eigenen Fans nämlich.

Krüll als Halle-Maskottchen?

Bis zum „Spieltag“ soll es begleitende Aktionen geben, darunter Duelle von Spielern beider Teams an der Playstation. Für den Spieltag selbst ist auch eine Aktion geplant, die ist jedoch noch geheim.

Nicht geheim sind zwei Wetten der beiden Vereinsbosse.

Erste Wette: Welcher Verein verkauft mehr Tickets? Der Chef des Verlierers muss beim nächsten regulären Spiel beider Vereine im Fanblock des Gegners stehen.

Zweite Wette: Welcher Verein generiert in Sachen Spieltagspräsentator mehr Geld? Schaffen es die Icefighters, muss Mischner in Spielkleidung der Leipziger aufs Eis. Gewinnen die Hallenser, muss Krüll in das Kostüm des Maskottchen der Saale Bulls schlüpfen.

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Nach zuletzt zehn Niederlagen in der Saalestadt gelang den Icefighters mit dem 7:4-Erfolg endlich wieder ein Sieg. ©

Diese und noch weitere Aktionen sollen das virtuelle Derby anheizen, in dem – bestenfalls – beide Vereine gewinnen. Sollte das Sommer-Game ein Erfolg werden, streben beide Vereine ein Winter-Game in der Saison 2021/2022 an. In echt natürlich – es wäre eine Premiere in der Oberliga.

Der Erfolg des Sommer-Games am 13. April hängt von der Zahl der verkauften Karten ab. Weil jeder Verein 14.500 Tickets verkaufen kann, wären plus einiger VIP-Tickets für jeden Verein im Optimalfall mehr als 100 000 Euro eingespielt. Das könnte sogar mehr sein als der entstandene Verlust durch den vorzeitigen Saisonabbruch. Den kann Krüll nicht genau beziffern, er schätzt die Verluste zwischen 50.000 und 100.000 Euro. „Wir wissen ja nicht, wie weit wir in den Playoffs gekommen wären.“

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Gehen 11.000 Tickets weg?

Spannende Frage also: Winkt mit der Aktion vielleicht sogar ein Plus-Geschäft? Krüll rechnet nicht damit. „Auch wenn unsere Fans durch die abgesagten Playoffs Geld gespart haben, bin ich mir nicht sicher, dass wir wirklich 11.000 Tickets verkaufen können.“ Außerdem müsse man an die Zukunft denken. „Auch wenn die Pandemie vorüber ist und halbwegs Normalität einkehrt, wird es so schnell nicht wieder normal. Viele unserer Sponsoren werden erst mal mit ihrem eigenen Unternehmen beschäftigt sein.“

Grudsätzlich ist André Krüll optimistisch, dass die Icefighters auch die aktuelle Krise meistern können. „Wir haben ja reichlich Krisenerfahung und sind schon immer im Überlebenskampf“, sagt er. Im Ernstfall kann sogar auch mal ein Gegner helfen.

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