15. August 2021 / 19:34 Uhr

Taiwo Awoniyi liefert Union das Tor, Robert Andrich die Schlagzeilen

Taiwo Awoniyi liefert Union das Tor, Robert Andrich die Schlagzeilen

David Joram
Märkische Allgemeine Zeitung
Robert Andrich könnte von Union Berlin zu Bayer Leverkusen wechseln.
Bald unterm Bayer-Kreuz? Unions Robert Andrich könnte Berlin in den kommenden Tagen noch verlassen. © IMAGO/Revierfoto
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Beim 1:1 des 1. FC Union Berlin gegen Bayer 04 Leverkusen zum Auftakt in die Fußball-Bundesliga fühlt sich der von den Gästen umworbene Robert Andrich nicht fit genug. Die Spekulationen um einen vorzeitigen Wechsel heizt das kräftig an.

Robert Andrich war am Samstag um 15.12 Uhr dort unterwegs, wo man ihn eher nicht erwartet hätte. Gemütlich trottete er über den Parkplatz vor dem Stadion An der Alten Försterei, während sich seine Mitspieler im Stadion auf das erste Saisonspiel in der Bundesliga gegen Bayer 04 Leverkusen vorbereiteten. Andrich, einer von Unions begabtesten Fußballern, trug statt roter Trainingskleidung ein orangenes T-Shirt und kurze Jeans. „Ich bin angeschlagen“, erklärte er seine Abstinenz, die später – nach dem 1:1 (1:1) zwischen Berlinern und Leverkusenern durch Tore von Taiwo Awoniyi (7. Minute/Union) und Moussa Diaby (12.) – auch Unions Trainer Urs Fischer thematisierte: „Er war leicht angeschlagen nach dem Pokal. Um heute ein Bundesliga-Spiel zu bestreiten, musst du bei 100 Prozent sein, 90 reicht eben nicht“, sagte Fischer und präzisierte: „Wenn dir der Spieler sagt, dass er nicht zu 100 Prozent bereit ist für die Aufgabe Leverkusen“, dann sei es logisch, ihn nicht auflaufen zu lassen.

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Am Donnerstag, wenn der 1. FC Union in der Qualifikation zur Conference League bei Kuopion PS antritt, könnte die Situation eine andere sein: „Wir werden alles daran setzen, schauen wir mal“, sagte Fischer.

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Die Mannschaft des 1. FC Union Berlin hat insgesamt 500.000 Euro an Marktwert gewonnen. ©

Die Frage stand natürlich im Raum, ob die fehlenden zehn Prozent der Grund für Andrichs Tribünenplatz waren – oder doch eher der Umstand, dass der gebürtige Potsdamer noch in diesem Sommer nach Leverkusen wechseln könnte. Einen Vertrag ab der kommenden Saison hat Andrich in Leverkusen schon, Union bekäme nur bei einem vorzeitigen Wechsel – sprich: in den nächsten Tagen – noch eine Ablöse für den Mittelfeldspieler.

Die „Bild“-Zeitung berichtete am Samstagabend, der Verein habe versehentlich auf der Internetseite schon ein vorbereitetes Abschiedsvideo für Andrich angekündigt. Und Manager Oliver Ruhnert hatte am Samstagnachmittag erklärt: „Dass er umworben ist, wissen wir, man muss jetzt eine schnelle Entscheidung finden.“

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Der Trainer würde Andrich am liebsten behalten, das steht fest. „Ich glaube schon, dass er uns gefehlt hat“, sagte Fischer über seinen Führungsspieler und nannte damit einen von mehreren Gründen, warum Union in der ersten Hälfte fast keinen Zugriff aufs Spiel fand. Rani Khedira, der Andrichs Position im zentralen Mittelfeld einnahm, habe eine Hälfte gebraucht, um im Spiel anzukommen, fand Fischer. Das galt aber quasi für die gesamte Union-Elf.

„Das Positive an der ersten Halbzeit war, dass wir ein Tor erzielt haben und dass es nur 1:1 stand“, meinte Fischer. „Wirklich schwach“ nannte er die ersten 45 Minuten, „so viel falsch wie wir gemacht haben, kannst du eigentlich gar nicht machen.“ Der Mut zum Vorwärtsverteidigen habe gefehlt, daher sei man 45 Minuten lang „dem Ball hinterhergelaufen.“ Allerdings schlugen die Leverkusener aus ihrer Überlegenheit nur einmal Kapital. Moussa Diaby spazierte regelrecht durch die in diesem Fall nicht dicht gestaffelte Abwehr und schloss sein feines Solo mit einem überlegten Flachschuss ins lange Eck ab. Unions Führung, die Max Kruse herrlich eingeleitet und Awoniyi ebenso schön erzielt hatte, hatte deshalb nur kurz Bestand.

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„Wir haben eine gute spielerische Linie gezeigt“, lobte Bayers neuer Trainer Gerardo Seoane, „ich gehe zufrieden nach Hause“. Das tat letztlich auch Urs Fischer aufgrund der zweiten Halbzeit. Die gestaltete seine Mannschaft ausgeglichener und stand in der Schlussphase durch die eingewechselten Cedric Teuchert und Levin Öztunali sogar kurz vorm Siegtor. „Im Fußball genügt eine Halbzeit nicht. Ich bin aber trotzdem zufrieden, weil die Mannschaft Charakter und Reaktion gezeigt hat nach der wirklich schwachen ersten Hälfte“, resümierte Fischer.

Eines wäre angesichts der Causa Andrich beinahe untergegangen: Erstmals schafften es die Berliner, ihr Auftaktspiel in der Bundesliga nicht zu verlieren. Das dürfte auch der prominente Tribünengast Andrich wohltuend zur Kenntnis genommen haben – trotz aller Spekulationen.

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