07. November 2019 / 19:06 Uhr

Nagelsmann-Co-Trainer Robert Klauß: "Covic lässt offenen und positiven Fußball spielen"

Nagelsmann-Co-Trainer Robert Klauß: "Covic lässt offenen und positiven Fußball spielen"

Stephan Henke
Märkische Allgemeine Zeitung
Robert Klauß (r.) und RB-Cheftrainer Julian Nagelsmann.
Robert Klauß (r.) und RB-Cheftrainer Julian Nagelsmann. © contrast/imago
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Robert Klauß aus Eberswalde ist Co-Trainer bei RB Leipzig und spricht vor dem Spiel bei Hertha BSC über seine Anfänge bei RB, den Fußball von Ante Covic und eigene Cheftrainer-Ambitionen.

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Für Robert Klauß gibt es am Sonnabend eine Rückkehr in die Heimatregion. Mit RB Leipzig gastiert der Co-Trainer von Julian Nagelsmann bei Hertha (15.30 Uhr), Klauß wuchs in Eberswalde (Barnim) auf. Im Interview spricht der 34-Jährige über den Vergleich zwischen Nagelsmann und Ralf Rangnick, Kartenbestellungen fürs Spiel und ein mögliches Torfestival.

Herr Klauß, wie viele Karten mussten Sie für Familie und Freunde für das Spiel gegen Hertha besorgen?

Robert Klauß: Es sind jedes Jahr ein paar Jungs, die ich mit Karten versorge, am Sonnabend sind es fünf oder sechs. Beim Pokalfinale im Mai waren es mehr, da waren auch mein Vater und mein Opa im Stadion. Spiele gegen Hertha sind immer eine gute Möglichkeit, Familie und Freunde wieder zu treffen.

Sie sind in Eberswalde geboren, haben für Preussen Eberswalde und den FC Strausberg gespielt. Gibt es noch Verbindungen dorthin?

Als ich in Eberswalde angefangen habe zu spielen, hießen sie sogar noch Motor Eberswalde. Vor eineinhalb Jahren war ich mal wieder dort und habe mir ein Heimspiel angeschaut und mit alten Teamkollegen gesprochen. Mein alter B-Jugendtrainer besucht mich noch häufiger in Leipzig.

... das für Sie inzwischen „Heimatstadt“ ist, wie Sie mal in einem Interview gesagt haben.

Ja, Leipzig ist meine Heimat geworden. Ich habe hier meine Frau kennengelernt, meine Kinder sind hier geboren, ich habe hier studiert – ich lebe hier seit 14 Jahren und es ist wunderschön. Eberswalde wird immer die Stadt bleiben, aus der ich stamme, meine Großeltern haben dort auch ihren Lebensmittelpunkt.

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RB Leipzig gewann bislang fünf von sechs Duellen gegen Hertha BSC, drei davon im Berliner Olympiastadion. Zur Galerie
RB Leipzig gewann bislang fünf von sechs Duellen gegen Hertha BSC, drei davon im Berliner Olympiastadion. ©
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Sie sind 2006 von Strausberg zum SSV Markranstädt gewechselt, dessen erste Mannschaft 2009 von RB übernommen wurde. Wie haben Sie das damals als Spieler erlebt?

Wir wurden zusammengeholt und uns wurde gesagt, dass Red Bull den Verein übernimmt. Das war natürlich spannend, aber wir wussten nicht, welche Vision genau dahintersteckt. Nach und nach haben wir aber gemerkt, dass das etwas Großes werden kann. Am Anfang gab es skurrile Momente, in den ersten Wochen hatten wir zum Beispiel keinen Trainingsplatz. Unsere Geschäftsstelle war damals ein Formel-1-Truck. Das war der Wahnsinn, was da für eine Pionierarbeit geleistet wurde. Und wir Spieler haben es genossen. Wir waren ja keine Profis, haben Oberliga gespielt und nebenher studiert oder gearbeitet. Und dann haben wir wenig später unter Profibedingungen trainiert und sollten in die Regionalliga aufsteigen.

Sie sind 2010 auch Jugendtrainer bei RB geworden, da waren Sie gerade einmal 25 Jahre alt.

Ich hatte schon in Markranstädt die E- und D-Jugend trainiert und habe da sehr viel Spaß dran gehabt – und es war nicht die schlechteste Entscheidung.

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Im Sommer 2018 sind Sie Co-Trainer von Ralf Rangnick geworden, nun arbeiten Sie unter Julian Nagelsmann. Was hat sich geändert?

Ich finde es grundsätzlich ganz schwer, Trainer zu vergleichen. Ralf ist älter als Julian, hat eine unfassbare Erfahrung und hatte als Sportdirektor auch noch eine Doppelrolle, hat den Verein sportlich gelenkt und war Motor für viele Dinge. Julian ist zu 100 Prozent Cheftrainer, das konnte Ralf gar nicht sein. Auch weil sie in dieser Hinsicht schon ganz andere Voraussetzungen haben, kann man sie nicht vergleichen.

Und wie hat sich der Fußball unter Julian Nagelsmann verändert?

Ich würde nicht sagen, dass sich etwas verändert hat, es sind noch ein paar Facetten dazugekommen. Wir waren letztes Jahr sehr stabil gegen den Ball, hatten eine herausragende Mentalität und gute Umschaltmomente. Jetzt kamen und kommen weitere Lösungen dazu, wie wir beispielsweise gegen destruktive Gegner spielen, die sich hinten reinstellen. Wir wollen einfach attraktiven und erfolgreichen Fußball spielen.

Das gelang in der Bundesliga zuletzt beim 6:1 in Wolfsburg und 8:0 gegen Mainz. In sechs Spielen gegen Hertha gab es fünf Siege bei 22:6 Toren – muss Hertha Angst haben vor einer Klatsche?

Das Olympiastadion mochten wir zuletzt, da fühlten wir uns wohl (lacht). Spaß beiseite, das wird uns am Samstag natürlich nicht helfen, gerade nach der Derby-Niederlage gegen Union werden wir bei Hertha eine ganz andere Mannschaft sehen, sie werden ein anderes Gesicht zeigen. Wir brauchen eine Leistung, wie wir sie in den letzten drei Spielen gezeigt haben, um dort etwas mitzunehmen.

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Vor dem Anpfiff des Derbys zwischen Union Berlin und Hertha BSC herrscht in Köpenick ein Verkehrschaos, teilweise zündeten die Fans Bengalos. © Britta Pedersden/dpa

Wie schätzen Sie die Arbeit von Hertha-Trainer Ante Covic ein?

Ich kennen ihn ein bisschen, wir standen uns schon mit den U15- und den Reservemannschaften unserer Vereine als Trainer gegenüber. Ich mag ihn als Typen und Trainer, er hat eine sehr klare Idee vom Fußball und einen guten Draht zu seinen Spielern. Er ist ein herzensguter und offener Mensch, so ist auch sein Fußball, offen und positiv und nicht destruktiv.

2018 haben Sie, gemeinsam mit dem heutigen RB-Sportdirektor Markus Krösche, den Fußballlehrer gemacht und waren Jahrgangsbester, so wie beispielsweise Ex-Schalke-Coach Domenico Tedesco, Ex-RB-Trainer Alexander Zorniger oder Werders Florian Kohfeldt. Wann werden Sie Cheftrainer?

Ich glaube nicht, dass man als junger Trainer sagen sollte, ich will definitiv Cheftrainer werden. Ich bin aktuell super happy bei RB, mein Vertrag läuft auch noch bis 2021. Ich kann bei meiner Familie leben, in meiner Stadt, habe die Chance, die Champions League zu erleben und habe mit Julian einen super spannenden Cheftrainer, genau wie vorher mit Ralf Rangnick. Was ich hier habe, weiß ich sehr zu schätzen. Trotzdem wird sicher irgendwann der Moment kommen, wo ich darüber nachdenke oder Angebote kommen, aber das plane ich nicht.

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Gab es denn schon Angebote?

Es gab immer mal wieder lose Kontakte in den letzten Jahren, aber konkret wurde es nie.

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