12. November 2019 / 18:37 Uhr

Robert Klauß - der Kronprinz bei RB Leipzig

Robert Klauß - der Kronprinz bei RB Leipzig

LVZ-Sportbuzzer
Leipziger Volkszeitung
Typische RB-Halbzeitpause: Auf dem Weg in die Kabine füttert Robert Klauß (li.) Julian Nagelsmann mit Zahlen, Fakten, Ideen.
Typische RB-Halbzeitpause: Auf dem Weg in die Kabine füttert Robert Klauß (li.) Julian Nagelsmann mit Zahlen, Fakten, Ideen. © Roger Petzsche/PICTURE POINT
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Als RB Leipzig im Frühjahr ins Pokalfinale und als Bundesliga-Dritter in die Champions League marschierte, hatte Cheftrainer Ralf Rangnick den Assistenten Robert Klauß an seiner Seite.

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Leipzig. Aktuell sind die Roten Bullen unter Chefcoach Julian Nagelsmann Tabellenführer in der Champions League, Zweiter in der Bundesliga – und stehen im Pokal-Achtelfinale. Der Co-Trainer ist geblieben: Robert Klauß. Der 34-Jährige ist ein RB-Mann der ersten Stunde.

Viele Experten grübeln seit Wochen, was sich in Leipzig unter Julian Nagelsmann verändert hat. Am besten einschätzen kann dies sicher Klauß, der die entsprechende Frage des SPORTBUZZERS so beantwortet: „Ich würde nicht sagen, dass sich etwas verändert hat, es sind noch ein paar Facetten dazugekommen. Wir waren letztes Jahr sehr stabil gegen den Ball, hatten eine herausragende Mentalität und gute Umschaltmomente. Jetzt kamen und kommen weitere Lösungen dazu, wie wir beispielsweise gegen destruktive Gegner spielen, die sich hinten reinstellen. Wir wollen einfach attraktiven und erfolgreichen Fußball spielen.“

Und wie fällt sein Vergleich der beiden Chefs Rangnick und Nagelsmann aus? „Ich finde es grundsätzlich ganz schwer, Trainer zu vergleichen. Ralf ist älter als Julian, hat eine unfassbare Erfahrung und hatte als Sportdirektor auch noch eine Doppelrolle. Er hat den Verein sportlich gelenkt und war Motor für viele Dinge.“ Dass Julian Nagelsmann im Gegensatz zu seinem Vorgänger zu 100 Prozent Cheftrainer ist, bedeute eine andere Voraussetzung und schließe einen Vergleich nahezu aus.

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Tino Vogel trainiert die Roten Bullen in der Saison 2009/10. Zur Galerie
Tino Vogel trainiert die Roten Bullen in der Saison 2009/10. © Getty Images

„Aber das plane ich nicht“

Klauß ist froh, dass RB am vergangenen Sonnabend das Berliner Olympiastadion im vierten Bundesliga-Auftritt zum vierten Mal als Sieger verlassen hat. „Das Olympiastadion mochten wir schon zuletzt.“ Dass Hertha nach der Derby-Niederlage gegen Union ganz besonders motiviert war, ein anderes Gesicht zu zeigen, steigert womöglich den Wert des Leipziger 4:2-Sieges noch einmal. Die Gesamtbilanz der vier RB-Auftritte bei der Hertha liest sich phänomenal: 12 Punkte und 17:5 Tore!

Mit dem stark unter Druck stehenden Hertha-Trainer Ante Covic hatte sich Klauß schon als U15- und U23-Trainer duelliert. „Ich mag ihn als Typen und Trainer, er hat eine sehr klare Idee vom Fußball und einen guten Draht zu seinen Spielern. Er ist ein herzensguter und offener Mensch, so ist auch sein Fußball, offen und positiv und nicht destruktiv.“

Klauß hat noch bis 2021 Vertrag in Leipzig und meint zu seiner Perspektive: „Ich bin aktuell super happy bei RB. Ich glaube auch nicht, dass man als junger Trainer sagen sollte: ,Ich will definitiv Cheftrainer werden.‘“ Er könne bei seiner Familie leben, in seiner Stadt und echten Wahlheimat, wie der gebürtige Eberswalder Leipzig längst bezeichnet. Hier habe er seine Frau kennengelernt, hier kamen beide Kinder zur Welt. „Hier habe ich die Chance, die Champions League zu erleben und mit Julian einen super spannenden Cheftrainer, genau wie vorher mit Ralf Rangnick. Was ich hier habe, weiß ich sehr zu schätzen.“ Trotzdem werde der Moment kommen, über Angebote nachzudenken. „Aber das plane ich nicht.“

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„Nicht die schlechteste Entscheidung“

2006 war Klauß von Strausberg nach Markranstädt gewechselt, dessen erste Mannschaft 2009 von RB übernommen wurde. Er ist also ein Bulle der ersten Stunde. „Uns wurde gesagt, dass Red Bull den Verein übernimmt. Das war spannend, aber wir wussten nicht, welche Vision dahintersteckt. Nach und nach haben wir gemerkt, dass das etwas Großes werden kann.“

Anfangs habe es skurrile Momente gegeben. „In den ersten Wochen hatten wir keinen Trainingsplatz. Unsere Geschäftsstelle war ein Formel-1-Truck. Das war der Wahnsinn, was da für eine Pionierarbeit geleistet wurde.“

Die Spieler waren damals in Liga fünf keine Profis, sondern wie Klauß großteils Studenten. „Wenig später haben wir dann unter Profibedingungen trainiert.“ Mit 25 Jahren wurde der gebürtige Brandenburger RB-Jugendtrainer. „Ich hatte schon in Markranstädt die E- und D-Jugend trainiert – es war nicht die schlechteste Entscheidung.“

Stephan Henke, Frank Schober