16. Mai 2021 / 12:18 Uhr

Robert Lewandowski vs. Gerd Müller: Der Vergleich der Bundesliga-Rekordtorschützen

Robert Lewandowski vs. Gerd Müller: Der Vergleich der Bundesliga-Rekordtorschützen

Patrick Strasser
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Robert Lewandowski hat den Uralt-Rekord von Gerd Müller einegestellt.
Robert Lewandowski hat den Uralt-Rekord von Gerd Müller einegestellt. © IMAGO/Sven Simon/Getty (Montage)
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Weltfußballer Robert Lewandowski und Legende Gerd Müller werden ab sofort in einem Atemzug genannt. Beide haben innerhalb einer Saison 40 Bundesliga-Tore geschossen und teilen sich seit Samstag den Torrekord. Kann man die Leistungen der beiden Weltklasse-Stürmer überhaupt vergleichen? Der SPORTBUZZER macht den Check!

Sie standen für Robert Lewandowski Spalier, würdigten die historische Leistung: Nach seinem Elfmetertor zur 1:0-Führung beim 2:2 in Freiburg bildeten die Mannschaftskollegen und Betreuer des FC Bayern München eine Jubel-Gasse an der Seitenlinie. Der 40. Saisontreffer (26.) war einer für die Geschichtsbücher.

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Der 32-jährige Weltfußballer steht nun auf einer Stufe mit Gerd Müller, dem legendären "Bomber der Nation". Lewandowski hat an diesem 33. Spieltag den scheinbar unerreichbaren 40-Tore-Rekord Gerd Müller aus der Saison 1971/72 eingestellt. Eine Marke, die vor Jahren ein ganz und gar utopisches Ziel zu sein schien. Nun steht der Pole auf einer Stufe mit dem Weltmeister von 174 und sagte richtig ergriffen bei Sky: "Das ist eine große Ehre. Was Gerd gemacht hat, war schon unglaublich." Um das auch für alle sozialen Kanäle zu demonstrieren, zeigte Lewandowski beim Torjubel ein T-Shirt mit einem Porträt Müllers und der Aufschrift "4EVER GERD" in die Kameras. Das ging um die Welt.

Vor dem letzten Spieltag, am kommenden Samstag empfangen die Abo-Meister aus München den seit heute geretteten FC Augsburg in der Allianz Arena. Kann Lewandowski nachlegen und Müller, der wegen seiner Demenzerkrankung in einem Pflegeheim vor den Toren Münchens lebt, überholen? Wer zweifelt daran? Doch noch steht es 40:40 – aber kann man Lewandowskis Leistung mit Müllers Zeiten in den 60er und 70er Jahren überhaupt vergleichen? Der SPORTBUZZER macht den Check!

Spiele: Lewandowski reichten nur 28 Spiele, um 40 Tore zu erzielen. Fünf Spiele stand er in dieser Saison nicht auf dem Platz, in der Hinrunde wurde er einmal (beim 2:1 in Köln) geschont, in der Rückrunde stoppte ihn im April die Bänderdehnung im rechten Knie, die er bei einem Länderspiel der polnischen Nationalmannschaft Ende März gegen Andorra erlitten hatte. Müller dagegen absolvierte in Bayerns Baller-Saison 1971/72 mit bisher unerreichten 101 Toren alle 34 Spiele, stand immer (!) in der Startelf, wurde kein einziges Mal (!) ausgewechselt. SPORTBUZZER-Wertung: Vorteil Lewandowski.

Quote: Müller traf damit alle 76,5 Minuten, Lewandowski diese Saison bisher alle 59 Minuten – noch ein Pluspunkt für den aktuellen Goalgetter. Und: In den vergangenen elf Spielen erzielte Lewandowski immer mindestens einen Treffer. SPORTBUZZER-Wertung: Nächster Punkt für Lewandowski.

Elfmeter: Der heute 75-jährige Müller verschoss in seiner Rekord-Saison in der Vorrunde sogar drei Strafstöße. Frustriert erklärt er Anfang Oktober nach dem 2:2 gegen Stuttgart am neunten Spieltag seinen Rücktritt als Elfmeter-Schütze. Was wäre da noch möglich gewesen? Denn insgesamt verwandelte er in seiner Bundesliga-Karriere 50 Elfmeter. Und Lewandowski? Sein Elfmeter in Freiburg war der achte in dieser Saison (einer verschossen). So gesehen - SPORTBUZZER-Wertung: Vorteil Müller.


Spielweise: Im Fußball der Neuzeit übergeben die Abwehrspieler, agieren per Raumdeckung. Zu Müllers Zeiten wurde strikte Manndeckung gespielt. Dass sein eigener Rekord nicht mehr unantastbar sei, glaubte er bereits vor zehn Jahren, "weil es die doppelte Manndeckung von früher nicht mehr gibt". Die Verteidiger seien ihm "früher bis auf die Toilette gefolgt", so Müller einmal scherzhaft. SPORTBUZZER-Wertung: Wieder Vorteil Müller.

Körper: Lewandowski wird „The Body“ genannt. Der Modellathlet tut alles für seine Fitness, stellte die Ernährung um. Müller dagegen liebte Schweinebraten und Kartoffelsalat, war aus der Abteilung "Quadratisch, praktisch, gut" - sein Wadenumfang (einst wurden 68 Zentimeter gemessen!) legendär. "Der Robert ist ein Athlet, der Gerd war ein Artist", sagte Müllers Ehefrau Uschi zuletzt in der Sport Bild und ergänzte: "Gerd war wie ein Gummiball. Ihm standen immer zwei Mann auf den Füßen. Das ist bei Lewandowski mit seiner athletischen Gestalt unmöglich." SPORTBUZZER-Wertung: Unentschieden.

Das Fazit: Unterm Strich ist einfach jeder der beiden auf seine Art eine Legende!