23. April 2020 / 18:04 Uhr

Robert Müller: So fühlt sich ein Geisterspiel an

Robert Müller: So fühlt sich ein Geisterspiel an

Ronny Müller
Märkische Allgemeine Zeitung
<b>Robert Müller</b> absolvierte lediglich eine Partie für die Profis von Hertha BSC. Nach Stationen in Jena, Kiel, Rostock, Wiesbaden, Aalen und Uerdingen läuft der gebürtige Schweriner mittlerweile für den FC Energie Cottbus auf.
Robert Müller stieg mit Hansa Rostock aus der 2. Bundesliga ab. © imago sportfotodienst
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Robert Müller vom Regionalligisten Energie Cottbus hat als Spieler schon selbst ein Geisterspiel miterlebt.

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An der Fortsetzung der Fußball-Bundesliga und weiterer Ligen scheiden sich die Geister. Fakt ist aber: Wenn, wird es nur mit sogenannten Geisterspielen funktionieren. Robert Müller vom Regionalligisten Energie Cottbus hat die Erfahrung gemacht, ohne Zuschauer zu spielen. Der Verteidiger hat nicht nur 314 Drittligapartien bestritten, sondern lief für Carl Zeiss Jena und Hansa Rostock auch 55 mal in der 2. Bundesliga auf.

In der Zweitliga-Saison 2011/12 hatten sich Hansa-Fans daneben benommen, so kam es im Dezember zum Derby gegen Dynamo Dresden unter Ausschluss der Öffentlichkeit. „Das macht keinen Spaß, das Spiel wäre ausverkauft gewesen“, erinnert sich der 33-jährige Müller. „Es ist ein ganz anderes Gefühl, wenn man das Stadion nur mit Zuschauern kennt.“ Und das Ostseestadion war regelmäßig gut gefüllt. „Die Fans in Rostock waren eine absolute Wand. Der Effekt des Heimpublikums ist sehr groß. Die Unterstützung hat aber gegen Dresden gefehlt, mit voller Hütte bekommt man einen ganz anderen Schub.“

Atmosphäre eines Vorbereitungsspiels

Doch der blieb vor leeren Rängen aus. „Man winkt in die Runde, wo keine Zuschauer sind. Das ist schon komisch“, sagt Müller. Die Atmosphäre habe etwas von einem Vorbereitungsspiel gehabt. „Man muss sich selber pushen. Es geht darum, Emotionen hervorzurufen.“

In Bildern: 50 ehemalige Spieler von Energie Cottbus – und was aus ihnen wurde.

Klickt Euch durch die Galerie der 50 ehemaligen Spieler von Energie Cottbus. Zur Galerie
Klickt Euch durch die Galerie der 50 ehemaligen Spieler von Energie Cottbus. ©

Psychisch vorbereiten könne man sich auf ein Geisterspiel kaum, schätzt Müller ein. Selbst wenn die Mannschaft vorher im leeren Stadion trainiert, ist der Effekt gering. „Man hat Trainingsklamotten an, trägt keine Schoner, keine Stutzen, das hat nicht den Charakter eines Punktspiels“, sagt der frühere U-Nationalspieler. Man könne sich in der Vorbereitung „mal hinlegen, die Augen zumachen und sich die Situation vorstellen. Dann kann man sich im Spiel daran festhalten, wie es sich anfühlen wird.“ Doch auch dieser Effekt sei gering. Denn im Grunde sei die Situation nicht vorzubereiten. „Das ist wie beim Elfmeterschießen. Das kannst du im Training tausend mal üben. Aber plötzlich hast du im Pokal nach 120 Minuten ein Elfmeterschießen. Das kann man nicht simulieren.“

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Der gebürtige Schweriner Müller erinnert sich an das Pokalhalbfinale 2008 mit Carl Zeiss Jena bei Borussia Dortmund, das die Thüringer 0:3 verloren. Die gelbe Wand der Südtribüne sei sehr beeindruckend gewesen. „Aber wenn das Spiel läuft, bist du im Tunnel, dann nimmst du es nicht mehr so wahr.“ 

Anders war es jedoch beim Geisterspiel gegen Dynamo Dresden. „Wenn keine Zuschauer da sind, kann man das nicht so gut ausblenden.“ Trotzdem führten die Rostocker damals durch Tore von Marcel Schied und Marek Mintal mit 2:1. Erst in der Nachspielzeit gelang den Sachsen der 2:2-Ausgleich. Bitter für den FC Hansa, der auf einem Abstiegsplatz überwintern und am Saisonende sogar absteigen musste. „Die Enttäuschung war groß, so ruhig wäre es wohl auch mit Zuschauern gewesen“, sagt Robert Müller, der zu allem Unglück auch noch die fünfte Gelbe Karte kassiert hatte.