05. März 2020 / 17:45 Uhr

Robin Gosens über die Coronavirus-Epidemie in Italien: "Die Lage ist gefährlich"

Robin Gosens über die Coronavirus-Epidemie in Italien: "Die Lage ist gefährlich"

Tim Lüddecke
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Robin Gosens spielt seit 2017 bei Atalanta Bergamo. Die Stadt in der Region Lombardei ist wegen des Coronavirus derzeit im Ausnahmezustand.
Robin Gosens spielt seit 2017 bei Atalanta Bergamo. Die Stadt in der Region Lombardei ist wegen des Coronavirus derzeit im Ausnahmezustand. © Getty/imago images
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Leere Regale und Spielabsagen: Die Auswirkungen der Coronavirus-Epidemie in Italien treffen auch Robin Gosens, der seit Jahren erfolgreich für Atalanta Bergamo in der Serie A spielt.

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Einkaufen gehen in Italien, dieser Tage? Und dann auch noch Pasta? Natürlich griff Robin Gosens vergeblich ins Nudelregal. „Wie leer gefegt“ seien die Kartons der Grundnahrungsmittel gewesen, schildert der deutsche Profi und EM-Kandidat die Supermarktlage in Bergamo, einer Stadt im Norden des Landes unweit Mailands mit rund 120.000 Einwohnern. Hier spielt der 25-Jährige für den Erstligaklub Atalanta, sogar äußerst erfolgreich – aktuell jedoch unter besonderen Bedingungen. Das Coronavirus fordert seinen Tribut.

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Mehrere Partien wurden im italienischen Fußball bereits abgesagt, der kommende Spieltag in der Serie A wurde verlegt. Eigentlich wäre Gosens mit seinem Klub, der aktuell auf Platz vier steht, im Spitzenspiel auf den aktuellen Tabellenführer Lazio Rom getroffen. An diesem Wochenende werden jedoch erst einmal die Begegnungen ausgetragen, die bereits vor einer Woche abgesagt worden sind. „Das Coronavirus ist ein großes Thema in der Kabine, allerdings weniger aufgrund der Gefahr, sondern weil wir überhaupt nicht wissen, wann es weitergeht“, sagte der Linksverteidiger dem SPORTBUZZER.

Gosens: Bergamo-Team trainiert in "absoluter Ungewissheit"

Die Mannschaft trainiere in „absoluter Ungewissheit“, der italienische Verband hat sich noch nicht festgelegt, wie der weitere Spielkalender aussehen soll. Dieser Umstand sei „ärgerlich“, meint Gosens, weil sich das Team gerade in außerordentlich guter Form präsentiert, weil es natürlich den Rhythmus nicht verlieren wolle. Seit sechs Spielen ist Atalanta ungeschlagen, hat fünfmal gewonnen.

Sicher zum Einsatz kommt der Verein aus Bergamo jedenfalls im Champions-League-Rückspiel am kommenden Dienstag beim FC Valencia, dann vor leeren Zuschauerrängen. Auch wenn „die Gesundheit des Menschen über allem steht“, findet der Profi es schade, sein persönlich erstes Geisterspiel absolvieren zu müssen. „Eigentlich habe ich gehofft, dass es nie so weit kommen wird“, erläutert er. „Aus Fußballersicht ist es natürlich blöd, wenn man ein Achtelfinale in der Champions League vor leeren Rängen spielen muss, weil ganz viele Emotionen verloren gehen, die so ein Spiel interessant machen.“

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"Für mich würde das Virus wohl auch nicht mehr als eine Erkältung oder eine Grippe bedeuten"

Die italienische Regierung gab am Mittwochabend bekannt, dass zudem sämtliche Sportveranstaltungen bis zum 3. April ohne Zuschauer stattfinden werden – darunter auch alle Serie-A-Begegnungen. Von seinem Verein sei Gosens bereits angehalten worden, jeglichen Fankontakt aufgrund der unsicheren Lage in Bergamo zu vermeiden. Keine Fotos, keine Umarmungen, die der Deutsche sonst durchaus gern über sich ergehen lässt – in seinen mehr als zweieinhalb Jahren im Klub hat er sich schließlich viele Sympathien erspielt.

Gosens nimmt das Thema einerseits ernst. „Wir wohnen schon in dem Brennpunkt um die Lombardei herum, es gibt hier die höchsten Zahlen an Infizierten in ganz Italien. Man kann schon sagen, dass die Lage bedroht und gefährlich ist“, sagt er – und berichtet vom „Ausnahmezustand“, da viele Menschen nur mit Atemmasken auf die Straße gehen und die Restaurants leer sind. Andererseits findet der 25-Jährige, dass die italienischen Medien das Thema hier und da etwas zu sehr aufbauschen. „Meine Eltern haben mir auch davon berichtet, dass es in Deutschland nicht anders ist.“ Er selbst versuche, die Ruhe zu bewahren, zumal das „normale Leben“ noch nicht eingeschränkt sei. Gosens: „Für mich würde das Virus wohl auch nicht mehr als eine Erkältung oder eine Grippe bedeuten.“

Dass rund 600 Kilometer südlich von Bergamo in Rom als einem von zwölf Austragungsorten auf dem ganzen Kontinent in rund drei Monaten eine Europameisterschaft ausgetragen werden kann, wünscht sich Gosens, der noch kein Länderspiel absolviert hat, unbedingt. Denn er wird hartnäckig als nächster Debütant bei der deutschen Nationalmannschaft gehandelt. Er jedenfalls hofft auf das Turnier, „weil ich weiß, was die EM für ein Highlight ist, nicht nur für uns Fußballer, sondern für die ganze Bevölkerung in Europa“.