08. Januar 2021 / 16:00 Uhr

Knoches Wolfsburg-Wiedersehen: "Vertragslos zu sein, war kein cooles Gefühl"

Knoches Wolfsburg-Wiedersehen: "Vertragslos zu sein, war kein cooles Gefühl"

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Die Nummer hat Robin Knoche behalten: Aus Wolfsburgs 31 wurde im Sommer die 31 von Union Berlin – bei seinem neuen Klub hat der Ex-VfLer noch keine Minute verpasst. 
Die Nummer hat Robin Knoche behalten: Aus Wolfsburgs 31 wurde im Sommer die 31 von Union Berlin – bei seinem neuen Klub hat der Ex-VfLer noch keine Minute verpasst.  © dpa (2) /Imago Images Frey/0048172548
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15 Jahre lang spielte Robin Knoche für den VfL Wolfsburg. Im Sommer trennten sich die Wege und der 28-Jährige wechselte zu Liga-Konkurrent Union Berlin. Im SPORTBUZZER-Interview spricht Knoche über das Wiedersehen mit dem Ex-Klub und den Höhenflug mit Union Berlin.

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Keine Einigung, kein neuer Vertrag: Im vergangenen Sommer war für Robin Koche nach 15 Jahren Schluss beim VfL Wolfsburg. Der Innenverteidiger blieb in der Bundesliga, wechselte zu Union Berlin und wurde dort schnell zu einer festen Größe, verpasste in dieser Saison noch keine einzige Pflichtspielminute. Aus dem VfL-Eigengewächs ist längst ein Liga-Dauerbrenner geworden, die Partie morgen (15.30 Uhr) gegen den VfL ist sein 198. Einsatz in der höchsten Klasse – und das erste Wiedersehen mit dem Verein, für den er von der C-Jugend bis zu den Profis spielte. Im SPORTBUZZER-Interview spricht Knoche über dieses Wiedersehen und über den Höhenflug seines neuen Klubs.

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Herr Knoche, Sie kamen 2005 als 13-Jähriger zum VfL Wolfsburg – haben Sie überhaupt schon einmal gegen den VfL gespielt?

Ja, mit Olympia Braunschweig, das müsste in der D-Jugend gewesen sein. Das waren allerdings nur Freundschaftsspiele oder Turniere, wir waren nie in einer Liga.

Dann wird das jetzt das erste Pflichtspiel gegen Wolfsburg – haben Sie sich schon mit dem Gefühl beschäftigt, dass die in den grünen Trikots diesmal nicht Ihre Mitspieler sind?

Klar, vor dem Spiel und auch danach wird das schon etwas Besonderes sein. Wäre ja Quatsch, da jetzt etwas anderes zu behaupten. Auf dem Platz will man aber gewinnen, das ist der Wettkampf-Charakter, da bin ich im Tunnel – egal, wer der Gegner ist.

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Haben Sie noch viel Kontakt nach Wolfsburg?

Ja, meine Frau und ich haben regelmäßig Kontakt zu einigen Spielern und ihren Familien – Xaver Schlager, Josh Guilavogui, Felix Klaus, Daniel Ginczek oder auch zu Jay Brooks. Auch mit Marcel Schäfer hatte ich den einen oder anderen Austausch, solche Kontakte reißen ja nach einem Vereinswechsel nicht einfach ab.

Schauen Sie sich die VfL-Spiele – wenn möglich – an?

Wenn es sich ergibt – ansonsten gucke ich zumindest auf die Ergebnisse. Und auch auf die Aufstellung. Natürlich verfolge ich den VfL anders als andere Mannschaften.

Sie wären im Sommer gern geblieben, konnten sich aber nicht auf eine Vertragsverlängerung einigen. Sind da noch negative Gefühle übrig?

Dass es mich beschäftigt hat, ist nach so langer Zeit in einem Verein ja klar. Man hat viele Bindungen über die Jahre aufgebaut, nicht nur zu den Spielern, sondern auch zu den Mitarbeitern, eben zu ganz vielen Leuten, die man da im Laufe der Zeit kennengelernt hat. Mittlerweile überwiegen die positiven Erinnerungen an meine VfL-Zeit. Im Sommer habe ich mit der Unterschrift bei Union damit abgeschlossen und mich dann 100-prozentig auf meinen neuen Verein fokussiert – hätte ich das nicht hinbekommen, könnte ich nicht die volle Leistung bringen.

Hatten Sie vor der Unterschrift eine Phase der Ungewissheit?

Plötzlich vertragslos zu sein, war kein cooles Gefühl, das muss ich schon sagen. Schon gar nicht im Sommer 2020, als die Pandemie die Unsicherheiten drumherum hat größer werden lassen. Ich würde aber nicht so weit gehen, dass ich sage, ich hätte große Sorgen gehabt. Denn es haben sich dann auch relativ schnell Möglichkeiten aufgetan.

Spielte nur Union eine Rolle – oder gab es auch andere Möglichkeiten, die Sie gereizt hätten?

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Ich habe mich mit allen Möglichkeiten auseinandergesetzt, was man immer machen sollte. Als dann Union kam hatte ich aber sofort den Eindruck, dass das passt. Ich habe mir in Berlin alles angeschaut, habe mich mit den Leuten dort unterhalten, mich mit den Werten des Vereins auseinandergesetzt. Und ich hatte immer ein gutes Gefühl dabei.

Es gab Spekulationen um Interesse aus Griechenland oder Italien – war für Sie immer klar, dass Sie in Deutschland bleiben wollen?

Ja, das war mein Ziel. Aber im Fußball kannst du heute nie irgendetwas so genau planen. Man setzt sich selbst einfach Prioritäten – und in meiner Lebenssituation war es eine Priorität für mich, in Deutschland zu bleiben.

Sie haben keine einzige Bundesliga-Minute in dieser Saison versäumt und sind mit Union aktuell Fünfter. Da kann man wahrscheinlich sowieso nur sagen: Alles richtig gemacht.

So wie es gerade läuft, klar. Wir sind auf einem guten Weg und zufrieden, aber wir wissen auch, dass das nur eine Momentaufnahme ist, wir sind immer noch in der Hinrunde der Saison.

Was macht die Stärke von Union aus?

Wir agieren als Mannschaft sehr, sehr geschlossen, trotz Ausfällen durch Verletzungen oder Sperren. Der Teamgeist in der Truppe ist super, das macht uns als Mannschaft aus. Wir haben keine Gruppenbildungen. Ich habe das Gefühl, dass sich jeder mit jedem gut versteht – und das hat es mir auch leicht gemacht, mich hier sehr schnell wohlzufühlen.

Mit Ihnen, Christian Gentner, Max Kruse und Akaki Gogia sind gleich vier Ex-Wolfsburger bei Union. Hilft das zusätzlich?

Gente war beim VfL schon weg, als ich zu den Profis kam, mit Max habe ich natürlich zusammengespielt – und mit Akaki Gogia war ich in Wolfsburg von der U15 bis zur U19 immer in einer Mannschaft. Der VfL ist logischerweise für uns immer mal wieder ein Gesprächsthema, aber es ist nicht so, dass wir deshalb innerhalb der Mannschaft eine besondere Gruppe bilden.

Wie sehen Sie Ihre Nachfolger in der VfL-Innenverteidigung?

Ich schaue eher grundsätzlich auf die gesamte Mannschaft – und vor allem auf die Jungs, mit denen ich zusammengespielt habe.

Union und der VfL sind vorm Spiel punktgleich, wegen der Tordifferenz liegen Sie mit Ihrem Team einen Platz vor Wolfsburg – und sind damit auch der Favorit?

Nein (lacht), das würde ich eher nicht so sehen. Dass wir uns nicht verstecken müssen, ist klar. Aber wenn man die einzelnen Positionen durchgeht, würde ich schon sagen, dass der VfL etwas mehr Erfahrung hat – und darum auch leichter Favorit ist.

Sie haben beim VfL über Jahre in jeder Bundesliga-Saison mindestens ein Tor erzielt, bei Union warten Sie noch auf Ihren ersten Treffer…

Das ist ja auch nicht meine Hauptaufgabe – auch wenn man es sich als Fußballer immer wünscht, zu treffen, egal auf welcher Position man spielt. Aber in den letzten beiden Jahren war es auch immer erst in der Rückrunde so weit, von daher bleibe ich da ganz gelassen. Bei den knapp 200 Bundesliga-Spielen, die ich jetzt habe, sind zwölf Tore als Innenverteidiger auch ganz okay, denke ich.

Sie haben in Ihrer Karriere auch erst zwölf Gelbe Karten kassiert – und das auch nur, wenn man das eine Gelb-Rot vor gut acht Jahren gegen Hannover als zwei Gelbe Karten wertet…

Ich versuche immer, den Zweikampf überlegt und clever anzugehen. Und manchmal kommt es eben auch nicht darauf an, den Zweikampf direkt zu gewinnen – sondern eher dafür zu sorgen, dass ein Mitspieler eingreifen kann und dass zumindest der Gegenspieler nicht das mit dem Ball machen kann, was er eigentlich vorhatte. Die Zweikampfquote, die bei den Spielstatistiken ja gern zur Bewertung herangezogen wird, ist darum nicht immer so aussagekräftig, wie es scheint.

Ihr Stellungsspiel war schon in Wolfsburg eine Ihrer Stärken, dafür wurde oft Ihre geringe Schnelligkeit bemängelt. Ist das bei Union auch ein Thema?

Nein, gar nicht.

Schneller werden Sie mit 28 zumindest nicht mehr…

Nein (lacht), das wird im Alter keiner. Muss man meiner Meinung nach auch nicht zwingend, wenn man es gut ausgleichen kann. Aber wenn es stimmt, dass ich nicht der Schnellste bin, dann habe ich in den nächsten Jahren ja auch nicht viel an Geschwindigkeit zu verlieren...

Die Karriere von Robin Knoche in Bildern

Der gebürtige Braunschweiger Robin Knoche kam bereits im jungen jahren zum VfL Wolfsburg. Mit gerade einmal 13 Jahren wechselte das Defensivtalent nach Wolfsburg, durchlief seitdem die Jugendmannschaften des Klubs und holte mit den A-Junioren den Meistertitel. Zur Galerie
Der gebürtige Braunschweiger Robin Knoche kam bereits im jungen jahren zum VfL Wolfsburg. Mit gerade einmal 13 Jahren wechselte das Defensivtalent nach Wolfsburg, durchlief seitdem die Jugendmannschaften des Klubs und holte mit den A-Junioren den Meistertitel. ©

Was für ein Spiel wird das gegen den VfL?

Wolfsburg hat‘s generell bisher gut gemacht. Ich denke, dass es ein sehr interessantes Spiel wird, das hoffentlich hält, was die Tabellenkonstellation verspricht.

Wenn man Fünfter ist, muss man sich auch diese Frage gefallen lassen: Wie klingt „Union im Europacup“?

Klingt gut, ist bei uns aber überhaupt kein Thema. Und ich finde es gut, dass sich davon bei uns auch jeder freimachen kann. Keiner geht bei uns mit dem Gedanken ins Spiel: Oh, wir müssen auf dem Platz bleiben. Ich weiß natürlich, dass dieses „von Spiel zu Spiel schauen“ eine Phrase ist – aber wenn ich sehe, wie wir uns fokussieren können, dann stimmt das bei uns wirklich.