26. März 2020 / 08:00 Uhr

DFB-Profi Robin Koch über die EM-Verlegung, seinen ungewöhnlichen Weg zum Profi und Christian Streich

DFB-Profi Robin Koch über die EM-Verlegung, seinen ungewöhnlichen Weg zum Profi und Christian Streich

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
„Ich würde alles noch mal genauso machen“: Nationalspieler Robin Koch vom SC Freiburg. 
„Ich würde alles noch mal genauso machen“: Nationalspieler Robin Koch vom SC Freiburg.  © imago images/Sven Simon
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Nationalspieler Robin Koch vom SC Freiburg im SPORTBUZZER-Gespräch über seine Karriere fernab eines Nachwuchsleistungszentrums, hochgehandelte Jugendspieler im Bundesliga-Nachwuchs und Kabinenansprachen im Breisgau.

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Mit einiger Wahrscheinlichkeit hätte Robin Koch an diesem Donnerstag sein drittes Länderspiel absolviert. Am Abend wäre die deutsche Nationalmannschaft im Stadion „Wanda Metropolitano“ in Madrid auf die Auswahl Spaniens getroffen, als Vorbereitung für die inzwischen abgesagte EM. Im Interview spricht der 23-jährige Verteidiger vom SC Freiburg über seinen ungewöhnlichen Weg zum Nationalspieler.

SPORTBUZZER: Herr Koch, normalerweise würden Sie heute mit der DFB-Auswahl in Madrid gegen Spanien spielen. Wie verbringen Sie die Zeit stattdessen?

Robin Koch (23): Ich nehme #wirbleibenzuhause natürlich ernst. Wir (der SC Freiburg, d. Red.) waren eines der ersten Teams, die ins Hometraining übergegangen sind. Der Verein hat Spinningfahrräder nach Hause gebracht, wir machen Stabilisations- und Kraftübungen mit Anleitungen per Video.

Die EM wurde verlegt. Ihr Empfinden?

Die Trauer ist so groß wie das Verständnis. Erstes Ziel muss sein, mit dem Verein die Saison sportlich zu Ende zu spielen. Das ist für die Klubs existenziell. Und mit der Verschiebung der EM habe ich schon jetzt ein ganz großes Ziel für 2021.

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Die UEFA um Präsident Aleksander Ceferin hat den Start der Europameisterschaft um ein Jahr verschoben. Der SPORTBUZZER hat die internationalen Pressestimmen gesammelt. ©

Robin Koch: So lief die Aufnahme in den Kreis der Nationalmannschaft

Sie sind seit dem 9. Oktober A-Nationalspieler – was hat sich dadurch für Sie verändert?

Man selbst nimmt das ja gar nicht so extrem wahr. Aber es ist schon etwas ganz anderes. Dass man beispielsweise in eine andere Stadt in Deutschland fahren kann, ohne erkannt zu werden, das ist vorbei.

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Wie läuft das mit den Alteingesessenen als neues Gesicht beim DFB?

Ich war schon gespannt, wie es dann wirklich ist, mit all den großen Namen. Da will man sich natürlich erst mal etwas zurückhalten. Aber: alles ganz normal! Die Jungs sind auch von sich aus direkt auf mich zugekommen, egal, ob Serge (Gnabry, d. Red.) oder Jo (Kimmich, d. Red.). Sie fragen einen, wie es bei uns in Freiburg abläuft, etwa mit Christian Streich (Trainer, d. Red.). Jeder ist total offen, sodass man sich auch selbst schnell öffnet. Jogi Löw macht ebenfalls einen sehr lockeren Eindruck auf mich.

2017 spielten Sie für Kaiserslautern in der 2. Liga, 2015 in der Regionalliga für Trier. Sind Sie ein Spätstarter?

Ich war zwar nie in einem Nachwuchsleistungszentrum, aber bei Eintracht Trier habe ich immer in der höchsten Liga in meiner Altersklasse gespielt. Und die Bundesligisten, von denen ich Angebote hatte, haben im Endeffekt in derselben Liga gespielt. Selbst als ich als A-Jugendlicher in die Herrenmannschaft von Trier hochgezogen wurde, war es wieder so, dass die U23-Teams der Bundesligisten in der Regionalliga gespielt haben.

Robin Koch: "Ich würde alles noch mal genauso machen"

Sie bereuen also nichts.

Dieser Werdegang ist sehr selten geworden, aber ich würde alles noch mal genauso machen. Mit 15, nach der 10. Klasse, habe ich eine Ausbildung zum Industriekaufmann angefangen. Auch ich musste drei Jahre auf viel verzichten, ähnlich wie die Jungs im Internat. Um 8 Uhr begann der Arbeitstag, um 11 Uhr war ich wieder zu Hause – da bin ich nur noch tot ins Bett gefallen. Aber ich habe eben immer mal wieder meine Freunde gesehen und hatte generell vielleicht ein bisschen mehr vom Leben.

Was fehlt Ihnen im Vergleich zu den Spielern aus dem Internat?

Es wird ja immer gern gesagt, dass diese Spieler technisch besser ausgebildet sind, aber das kann ich ausschließen. Mir fehlt da nichts.

Was lernten Sie auf Ihrem Weg?

Bodenständigkeit. Ich kann mir vorstellen, dass viele Spieler, die bei einem Bundesligisten in der Jugend spielen, sich früh in ganz anderen Sphären sehen. Sie gehen davon aus, dass der Sprung in die erste Mannschaft von ganz allein kommt. Bei mir war das nicht so. Ich habe in jungem Alter in einer ersten Männermannschaft gespielt, musste jeden Tag Vollgas geben und auch mal dazwischenhauen, obwohl die anderen Spieler viel älter waren.

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Christian Streich? Koch: "Nutzt Kabinenansprache für andere Themen"

Hätten Sie diesen Eifer in der Jugend eines Bundesligisten nicht gehabt?

Das mag gut sein. Viele Jungs werden von ihren Vereinen und den Medien früh gepusht, gelten als das nächste Supertalent. Man sieht das ja immer öfter. Das macht es schwierig, weil sie es dann auch selbst falsch wahrnehmen. Denn eigentlich hat man es ja noch gar nicht geschafft, sondern spielt in der Regel in der Regionalliga für die U23. Ich habe gar nicht richtig realisiert, wohin mein Weg gehen kann. Viele ältere Spieler in Trier haben mir bereits damals gesagt, was für ein Potenzial ich habe. Mit 18 bin ich dann zu Kaiserslautern gewechselt.

…und von dort nach Freiburg. Wie wichtig war und ist SC-Coach Christian Streich für Ihre Entwicklung?

Ich habe viel von ihm gelernt, auf dem Platz, wo er sehr detailgenaue Vorstellungen hat – aber auch außerhalb. Es ist ja bekannt, dass er auch mal über andere Themen spricht. Wenn es noch ein paar Tage bis zum nächsten Spiel sind, kommt es schon vor, dass er die Kabinenansprache unter der Woche dafür nutzt. Oder eben persönlich.

Robin über Vater Harry, Kaiserslautern-Legende Koch: "Vom Style her verzichte ich lieber auf seinen Rat"

Warum hätten Sie den Klub im Winter in Richtung RB Leipzig verlassen?

Ich habe mir da tatsächlich keinen großen Kopf gemacht, habe noch einen Vertrag in Freiburg, der Verein entscheidet, wie es weitergeht.

Suchen Sie in diesen Angelegenheiten den Rat Ihres Vaters, des ehemaligen Profis Harry Koch?

Wir führen ganz normale Vater-Sohn-Gespräche, private Dinge eben. Um Fußball geht es dabei nur in den seltensten Fällen. Und vom Style her verzichte ich lieber auf seinen Rat, da mache ich besser mein eigenes Ding. Ich habe zum Glück auch nicht die Locken, die er hatte. (lacht)

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