18. Mai 2021 / 17:04 Uhr

Roel Moors, Headcoach der BG Göttingen, zieht Bilanz: „Ich bin zufrieden“

Roel Moors, Headcoach der BG Göttingen, zieht Bilanz: „Ich bin zufrieden“

Kathrin Lienig
Göttinger Tageblatt
Nach seiner ersten Saison in Göttingen zieht BG-Headcoach Roel Moors ein positives Fazit.
Nach seiner ersten Saison in Göttingen zieht BG-Headcoach Roel Moors ein positives Fazit. © Swen Pförtner
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Roel Moors zieht eine positive Bilanz nach seiner ersten Bundesliga-Saison bei der BG Göttingen und berichtet von dem steinigen Weg, aus dem Nichts eine Basketball-Mannschaft mit einer guten Balance zu formen.

Während die acht besten Mannschaften der Bundesliga-Hauptrunde gerade in die Playoffs starten, ist für die BG Göttingen und neun weitere Teams die Saison beendet. Die ausländischen Spieler haben die Stadt bereits verlassen, die letzten von ihnen sind am Dienstag abgereist. Roel Moors hat sich nach einer Saison als Headcoach der Veilchen noch einmal Zeit für eine Saisonbilanz genommen, bevor er sich am Mittwoch ins Auto setzt und zu seiner Familie in die Nähe von Antwerpen fährt.

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Die Saisonbilanz des 41-Jährigen fällt positiv aus. „Ich bin zufrieden, hatte gehofft, dass wir etwas länger um Platz acht mitspielen können, aber Verletzungen haben uns immer wieder zurückgeworfen. Und letztlich hat uns auch die Konstanz gefehlt.“ Von den Playoff-Mannschaften wurde lediglich Bamberg – der Ex-Klub von Moors mit dem Ex-BG-Trainer Roijakkers – zweimal bezwungen. „Es waren einige Spiele dabei, die wir hätten gewinnen müssen. Ich denke da an Frankfurt und Ludwigsburg zu Hause.“ Siege gegen Playoff-Teams seien schön, aber nicht zwingend notwendig. „Es gibt keine einfachen Spiele.“ Was auch die beiden Heimniederlagen gegen die beiden späteren Absteiger Vechta und Gießen gezeigt hätten.

Schneller eine Team-Balance finden

Bis der Kader endgültig stand, hat etwas gedauert. Benedikt Turudic war nur kurz verpflichtet worden bis November 2020, Ron Jackson Jr. verließ Göttingen im Dezember. Die Verträge mit Jorge Gutiérrez, Galen Robinson Jr. und Will Rayman (kam erst im November 2020) wurden im Laufe des Januars wieder aufgelöst. Danach kehrte Ruhe ein. Auf die Frage, ob das in der kommenden Spielzeit anders laufen werde, sagte Moors: „Ich würde gern ,Ja’ sagen. Aber beide Seiten gehen mit der Verpflichtung ein Risiko ein. Es kann eben in beide Richtungen gehen. Für die kommende Saison hoffe ich, dass wir schneller eine gute Team-Balance haben werden.“

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Nach fünf Jahren gemeinsamer Zusammenarbeit gehen Moors und sein Co-Trainer Thomas Crab getrennte Wege. Für den Headcoach kam diese Situation nicht überraschend. Eine Familie mit zwei kleinen Kindern in Belgien und die Corona-Pandemie haben es dem Assistenztrainer schwer gemacht, Beruf und Privates miteinander zu verbinden. „Natürlich ist es schwierig, nach fünf Jahren jemanden zu finden“, gibt Moors zu. Schließlich kannte er Crab gut und wusste genau, was der andere denkt. „Es muss vor allem persönlich passen zwischen meinem Co-Trainer und mir. Wir arbeiten sehr viel zusammen und ich verlange auch viel von ihm.“

„Sehr erwachsener“ Umgang mit Corona-Pandemie

Die Corona-Pandemie war eine sehr unliebsame Konstante, die alle Mannschaften während der Saison begleitet hat. Auch das Teambuilding wurde erheblich erschwert. „Es war ja fast nie möglich, etwas gemeinsam außerhalb der Halle zu unternehmen. Trotzdem hat die Chemie immer gestimmt, das hat mich sehr gefreut. Wir hatten nur gute Charaktere in der Mannschaft“, lobt Moors sein Team und dessen „sehr erwachsenen“ Umgang mit der besonderen Situation, in der es auch von Seiten der BBL viele Vorgaben gab. Die Zahl der Corona-Tests, die Moors selbst machen musste, kann er nicht genau beziffern: „Jede Woche drei, insgesamt in jedem Fall über hundert.“

Eine besondere Situation war auch, dass es eine komplette Saison ohne Fans geworden ist. „Natürlich hatten alle Mannschaften damit zu kämpfen, aber Göttingen und einige andere Standorte bestimmt ein bisschen mehr“, sagt der Headcoach, der sich sicher ist, „dass wir ein Team hatten, das die Zuschauer begeistert hätte.“ So haben Heimspiele und die Atmosphäre in der Halle nicht die Bedeutung gehabt wie in den vergangenen Spielzeiten. Lediglich fünf der insgesamt 13 Erfolge wurden in der eigenen Halle eingefahren. Damit liegen die Veilchen am unteren Ende der Heimsiege-Bilanz. Nur Würzburg (2), der MBC (3), Gießen (4) und Vechta (5) schnitten noch schwächer oder ähnlich ab wie die Südniedersachsen.

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Trotz voller Offensivpower verlor die BG Göttingen das Pokal-Halbfinale gegen Alba Berlin. Zur Galerie
Trotz voller Offensivpower verlor die BG Göttingen das Pokal-Halbfinale gegen Alba Berlin. © Matthias Stickel

Quarantäne war eine Ausnahme-Situation

Die Quarantäne-Situation im April war für Moors eine ganz besondere. Die 14-tägige Isolation habe aber auch den Charakter der Mannschaft gezeigt. „Ich bin unheimlich stolz auf die Spieler. In diesen Corona-Zeiten war das noch einmal eine Ausnahmesituation – sowohl physisch als auch mental. Wie sie da heraus gekommen sind, hat mich stolz gemacht. Wir hatten danach wenig Training und viele Spiele, da war es nicht möglich an den kleinen Dingen zu arbeiten.“

Mit Mathis Mönninghoff hat Moors schon in der Endphase der Hauptrunde einen Spieler für eine weitere Saison unter Vertrag genommen, den er immer wieder als Teamplayer bezeichnet hat. Nicht lange muss er überlegen, wenn er nach weiteren Spielern gefragt wird, die diesen Begriff verdient haben. „Harper Kamp ist jemand, der dem Team sehr viel geholfen und durch seinen Einsatz sogar Spiele gewonnen hat.“ Moors könne sich sehr gut vorstellen, den 32-Jährigen für eine weitere Saison im Kader zu haben, wenn dieser es sich körperlich zutraue. Kamps Verpflichtung war eher ein „Zufallsprodukt“ während der Vorbereitungsphase. Nun hätte der Familienvater den Sommer über Zeit, sich auf eine weitere Spielzeit im Veilchen-Trikot vorzubereiten und als 33-Jähriger in die Saison 2021/22 zu gehen. Zum alten Eisen gehört er damit längst noch nicht, da gibt es in anderen Teams „Veteranen“, die sich längst auf die 40 zubewegen.

„Kapitän muss nicht zwangsläufig viel spielen“

Mit der Rolle von Akeem Vargas als Kapitän war Moors zufrieden. „Ein Kapitän muss nicht zwangsläufig viel spielen“, sagt der Belgier über die Einsatzzeit (durchschnittlich 16:27 Minuten in 29 Spielen) des 31-Jährigen, dessen Vertrag auch noch in der kommenden Saison gilt. Vargas habe Schwierigkeiten zum Saisonstart gehabt, sich dann aber gesteigert. „Er war vokal da, hat dem Team geholfen. Das spricht für ihn. Insgesamt hat er seine Sache gut gemacht.“


Nicht gesehen hat der Headcoach, dass sich Luke Nelson nach der Niederlage im Pokal-Halbfinale gegen Alba Berlin einige Male über die feuchten Augen gewischt habe. „Ich kann es mir aber vorstellen. Luke ist sehr emotional, er ist ein Gefühlsmensch.“ Der Brite war einer der beiden positiv auf das Coronavirus getesteten Spieler in den Reihen der BG Göttingen. Er hatte Krankheitssymptome, ist aber schnell wieder zurückgekommen, brauchte zwei, drei Spiele, um Fuß zu fassen und war beim Auswärtssieg in Bamberg Topscorer der Partie.

„Ich konnte nicht immer wegschauen“

Kein Geheimnis hat Moors aus seinem schwierigen Verhältnis zu Deishuan Booker gemacht, der Weihnachten 2020 zur Mannschaft gestoßen war. Nach Bamberg durfte der Guard die Auswärtsfahrt gar nicht erst antreten. „Disziplinarische Gründe“ hatte sein Trainer gesagt. „Ich konnte nicht immer wegschauen. Es war ein schmaler Grat mit ihm. Sein Einsatz war nicht immer gut, in manchen Situationen war er noch ein Kind.“ Das alles bezog Moors auf die sportliche Ebene, denn „persönlich hatte ich nie Probleme mit ihm“.

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Die spannendste Personalie war und ist sicherlich Rihards Lomazs, der im Januar verpflichtet wurde und einen Vertrag auch für die kommende Saison unterzeichnete. Moors würde ihn gern behalten. „Ich denke, er ist einer der besten Spieler, die je für Göttingen gespielt haben. Aber ich denke, es ist nicht realistisch, dass er bleibt.“ Beide Seiten hätten von dem Deal profitiert. Der Lette habe die BG in einer Situation weitergebracht, in der sie ihn dringend gebraucht habe. Umgekehrt habe er die Möglichkeit erhalten, Spielpraxis zu sammeln und sich für weitere Aufgaben bei international spielenden Mannschaften zu empfehlen.

Verbessertes Angebot für Lomazs

Diese haben schon in der Saison-Endphase angefragt, wie BG-Geschäftsführer Frank Meinertshagen bestätigte. Allerdings habe man einem Wechsel Lomazs’ nicht zugestimmt, auch wenn es zu diesem Zeitpunkt eine Ablösesumme hätte geben können. „Weil wir ihn schlichtweg noch gebraucht haben“, lautet die Begründung des Veilchen-Chefs. Bei der Verpflichtung des 25-Jährigen hat die BG dessen Bedingungen angenommen, ihm einen Zwei-Jahres-Vertrag zu geben. Gleichzeitig wurde ihm aber auch eine Ausstiegsklausel eingeräumt. Für die kommende Spielzeit erhielt Lomazs noch einmal ein verbessertes Angebot von den Göttingern. Das, so vermutet Meinertshagen, werde aber nicht ausreichen, um ihn in Göttingen zu halten.

Der Mannschaft wurde von vielen Seiten immer wieder „viel Talent“ bescheinigt. Von diesem Talent würde Moors in Zukunft gern einiges behalten. So kurz nach Saisonschluss sei dazu aber noch keine Aussage zu machen: „Die Spieler wollen schnell den nächsten Schritt machen. Drei, vier von ihnen können das auch. In den ersten Wochen sind sie noch euphorisch, wenn dann aber keine Angebote kommen, dann ist die BG Göttingen plötzlich wieder eine Option. Natürlich hätte ich gern mehr Kontinuität, aber Kontinuität kostet auch viel Geld.“

Jugendspieler sollen integriert werden

Einen Blick hat Moors auch auf die BG-Jugend geworfen. In den vergangenen Tagen hat er mit drei, vier Spielern, die ihm im Herbst aufgefallen waren, individuell trainiert. „Ich würde gern junge Spieler aus dem Nachwuchsbereich in das BBL-Team integrieren.“ Insgesamt stellt er seinem neuen Arbeitgeber ein sehr gutes Zeugnis aus. Er habe nur positive Erfahrungen mit der gesamten BG-Organisation gemacht. „Es sind sehr gute Leute, die hier arbeiten und die alle nur das Beste wollen. Das ist sehr angenehm.“

Angenehm wird es für den Headcoach jetzt privat. Am Mittwoch geht es zurück zur Familie nach Belgien, die er in den vergangenen Monaten nur sehr unregelmäßig gesehen hat. Seine Kinder (zwölf und neun Jahre alt) freuen sich schon darauf, ihren Papa längere Zeit für sich zu haben. „Ich brauche das jetzt auch. Meine Familie war einige Male in Göttingen, die Stadt hat ihnen sehr gut gefallen, auch wenn wir nicht viel unternehmen konnten.“ Untätig wird Moors aber auch in seiner Heimat nicht sein. „Ich arbeite von zu Hause aus und werde sicherlich einige Male nach Göttingen kommen, um mir Spieler anzusehen.“ Am 9. August beginnt dann die Vorbereitung auf die neue Saison.