25. September 2022 / 16:48 Uhr

Die Nacht der Tränen: Wie der Abschied von Roger Federer beim Laver Cup die Tennis-Welt berührte

Die Nacht der Tränen: Wie der Abschied von Roger Federer beim Laver Cup die Tennis-Welt berührte

Jörg Allmeroth
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Roger Federers Abschied bewegte nicht nur den Schweizer selbst.
Roger Federers Abschied bewegte nicht nur den Schweizer selbst. © Getty Images
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Mit einer Doppel-Niederlage beim Laver Cup hat Roger Federer seine große Tennis-Karriere beendet. Federers Abschied von der Tour sorgt für ganz große Emotionen – auch bei seinen größten Widersachern Rafael Nadal und Novak Djokovic.

Am Tag danach war Roger Federer schon ein wenig in der Zukunft angekommen. Der 41-Jährige stand hinter der Pausenbank des Teams Europe beim Laver Cup und betätigte sich als Tennisflüsterer, als Coach seines besten Mannes in der Truppe, eines gewissen Novak Djokovic. "Die Vorhand ist super, perfekt. Nach so langer Zeit", lobte Federer und schickte den zuletzt pausierenden Serben nach seiner Ertüchtigungsrede wieder aufs Spielfeld in der O2-Arena im Londoner Osten. Trainer Federer demnächst? Gewiss nicht. Aber Kapitän beim Laver Cup, dem von ihm mitinitiierten Kontinentalduell zwischen Europa und dem Rest der Welt? Ganz sicher, nur eine Frage der Zeit.

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Aufmerksame Köpfe fanden heraus, dass es in der Nacht zu Samstag nur ein paar Minuten gebraucht hatte, um bei der Internetenzyklopädie Wikipedia aus dem viele Jahre marktbeherrschenden Schweizer Maestro einen "ehemaligen professionellen Tennisspieler" zu machen. Doch welch grandiose, anrührende Abschiedsinszenierung war dieser nüchternen Tatsache vorausgegangen, ein Abend und eine Nacht der vielen Tränen – Tränen aus Sentimentalität, Wehmut, aber auch der Freude. Federer selbst brachte es inmitten all der großen Gefühle und Emotionen auf den Punkt: "Ich weine, weil ich eine tiefe innere Zufriedenheit spüre, wie dieser Teil meines Lebens zu Ende geht", sagte er, "ich hatte Angst vor diesem Tag, aber jetzt bin ich glücklich."

Und welche Bilder lieferte dieser Abschied vom Größten dieser Zeit, der seinen Sport kreuz und quer über den Planeten populär machte. Das ikonischste Bild, sicher, war eins, das Federer und Rafael Nadal zeigte. Beide saßen ein paar Minuten nach dem gemeinsam verlorenen Doppelmatch gegen die Amerikaner Jack Sock/Frances Tiafoe auf der Bank, Federer überkam die Rührung, er schluchzte herzzerreißend. Dann konnte auch Nadal nicht mehr die Tränen zurückhalten, beide hielten sich die Hände. Die Gegner von einst waren nur noch Freunde, vereint in einem Gefühl, dass hier und jetzt etwas Großes zu Ende geht. Federer blickte auf sein Verhältnis zu Nadal zurück: "Mein größter Rivale ist jetzt mein Freund. Es ist bizarr, aber möglich."

Nadal war ohnehin nur wegen Federer zum Laver Cup gekommen, er plagt sich mit allerlei Beschwerden herum, außerdem erwarten seine Frau und er ihr erstes Kind. "Mit Rogers Abschied ist auch ein Teil meines Lebens vorüber", sagte der Matador. Wie lange er selbst noch in der Tretmühle der Tour unterwegs sein wird, ließ er offen. Auch sein sportliches Ende ist nah, der Rückzug des zweiten Supermanns aus dem Kreis der "Big three", der Fabelhaften drei. Nur Novak Djokovic bliebe übrig, der serbische Großmeister, der die Dominanz von Federer und Nadal durchbrach. Er könnte den Schläger an den Nagel hängen, wenn er Nadal als Grand-Slam-Rekordhalter abgelöst hat.

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Federer ist Vergangenheit als Tennisprofi. Er geht als Legende – mit 20 Grand-Slam-Titeln, mit 310 Wochen an der Spitze der Weltrangliste, mit Olympiagold im Doppel und Davis-Cup-Triumph. Aber die, die ihn feierten bei seinem Abschied, verneigten sich vor allem vor dem Menschen Federer. Vor einem, den der Tenniszirkus nicht verbiegen konnte. Es sei "schlicht ein Privileg" gewesen, Federers Abschied zu begleiten, ihn noch einmal "richtig zu würdigen", sagte Djokovic.

Die "perfekte Reise" geht zu Ende

Federers größtes Dankeschön an diesem Abend galt seiner Frau Mirka. Kennengelernt hatten sich die beiden am Rande der Olympischen Spiele in Sydney, Mirka wurde seine Freundin, Beraterin, Pressechefin. Dann seine Frau, Mutter seiner vier Kinder. Mit erstickter Stimme sagte Federer: "Ohne dich wäre ich nie so weit gekommen." Und dann schlossen sich alle in die Arme: Federer und seine Frau, Federer und die Zwillingstöchter Myla und Charlene, Federer und die Zwillingssöhne Leo und Lenny, Federer und seine Eltern Lynette und Robert.

Vom Interviewer Jim Courier wurde Federer noch gefragt, wie er auf seine Karriere zurückblicke. Er sagte aus voller Überzeugung: "Es war eine perfekte Reise. Ich würde es alles noch einmal genauso machen."

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