05. März 2019 / 08:44 Uhr

Roger Federer: Eine Tennis-Legende feiert 100 Turniersiege

Roger Federer: Eine Tennis-Legende feiert 100 Turniersiege

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Lebende Legende: Roger Federer gewann am Wochenende sein 100. Turnier.
Lebende Legende: Roger Federer gewann am Wochenende sein 100. Turnier. © 2019 Getty Images
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Roger Federer hat jetzt eine dreistellige Zahl an Turniersiegen vorzuweisen. Die Würdigung einer ganz großen Karriere, die noch nicht beendet ist.

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In der Players Lounge am Jumeirah Creekside Hotel wurden Stunden nach dem „Moment für die Ewigkeit“ (Gulf News) noch Schampus, Wein und arabische Köstlichkeiten gereicht. Roger Federer und seine Entourage waren in Feierlaune nach dem 100. Karrieretitel, es gab in dieser großen Nacht des großen Sieges keine Gedanken ans Morgen, an Turniere und Prüfungen. „Es ist ein Traum, der wahr geworden ist für mich“, sagte Federer, „ich bin ja ein Mensch, der solche runden Zahlen liebt.“

Der Schweizer hatte vor dem Turnier genervt auf die Spekulationen um das Erreichen der Dreistelligkeit reagiert, auf „das Gerede, wann ich die 100 nun endlich schaffe“. Doch dann erledigte er das Problemchen auf seine Art, als Tennis-Souverän, ganz der elegante und zugleich zupackende Maestro. Fünf Siege in sechs Tagen landete er in der Zeltdacharena, den letzten im Endspiel gegen einen der Posterboys der nächsten Generation, Stefanos Tsitsipas aus Griechenland – dann war das vorerst letzte Meisterwerk geschafft, der 100. Titel seit dem ersten Titel am 4. Februar 2001 in Mailand (gegen den Franzosen Julien Boutter).

Federer - ein Stoppzeichen auf zwei Beinen

6600 Tage lagen dazwischen, in denen der Baseler 310 Wochen auf Platz eins der Weltrangliste verbrachte. Eine Ewigkeit, aber Federer blieb sich treu auf diesem Marsch, veränderte sich nur in der Vorbildrolle des lebenslangen Lerners – und ein wenig optisch, wenn man seine Frisuren im Laufe der Jahre betrachtet. „An dem Tag, an dem du nicht mehr besser werden willst, bist du nicht mehr vorne dabei“, sagte er.

Alle Grand-Slam-Titel von Roger Federer im Überblick

Wimbledon, 2003: Fast 15 Jahre ist es her, dass der große King Roger seine erste große Trophäe in die Luft stemmte. Der Rasen in Wimbledon wird in den kommenden Jahren Federers liebster Untergrund.  Zur Galerie
Wimbledon, 2003: Fast 15 Jahre ist es her, dass der große King Roger seine erste große Trophäe in die Luft stemmte. Der Rasen in Wimbledon wird in den kommenden Jahren Federers liebster Untergrund.  ©
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Für ganze Tennisgenerationen war Federer das Stoppzeichen auf zwei Beinen. „Ich weiß, dass ich vielen in ihrer Karriere im Weg stand“, sagte er, „aber mein Respekt ihnen gegenüber ist, dass ich nie Geschenke verteilte. Nicht verteilen durfte.“ Im Schnitt holte er sich über 21 Laufbahnjahre alle zweieinhalb Monate einen Titel. Jeder fünfte seiner Triumphe, also 20, spielte bei den Grand Slams, die den Stellenwert eines Spielers definieren. Erstmals triumphierte er 2003 in Wimbledon. Nach fünf Jahren ohne einen dieser Titel schaffte er 2017 bei den Australian Open ein emotionales Comeback im Fünfsatzfinale gegen seinen Dauerrivalen Rafael Nadal.

Es ist ein Traum, der wahr geworden ist für mich, ich bin ja ein Mensch, der solche runden Zahlen liebt.

Doch in der Stunde seines 100. Titels legte er ein Plädoyer für die kleineren Turniere ein: „Hier werden alle Spieler erst erwachsen, hier machen sie die entscheidenden Schritte.“ Federers weltweite Gastspiele haben sich zu Hochämtern verselbstständigt, in denen dem ­37-jährigen Meisterspieler gehuldigt wird. Er verzückt die Massen. Der 100. Karrieretitel wird den Kult weiter anheizen. Ihm selbst ist das nicht geheuer.

Natürlich genieße er die „Popularität und die Zuneigung der Menschen“, sagte Federer, „aber ich muss aufpassen, dass ich in all dem Trubel meine Konzentration aufs Tennis behalte.“ Und tatsächlich will er im Grunde seines Herzens nur Tennis spielen. Und ansonsten Zeit mit seiner Familie verbringen, mit seiner Frau Mirka und seinen Zwillingstöchtern und Zwillingssöhnen. „Wenn mich die Familie nicht so rückhaltlos unterstützen würde, dann wäre meine Karriere ja schon längst beendet.“

Federer wollte mit 30 aufhören

Einst hatte Federer geglaubt, um die 30 würde Schluss sein für ihn. So wie für viele seiner Idole, ob Björn Borg oder Boris Becker. Aber dann erlebte er wie Andre Agassi jenseits der 30er-Marke eine Renaissance. „Es war eine große Inspiration, das zu sehen. Und selbst hart und leidenschaftlich dranzubleiben.“ So siegte er weiter, als Ü30-Mann, als Ü35-Mann, auch als Comeback-Phänomen 2017. „Dass ich immer wieder diese Wege gefunden habe, verdanke ich auch dem großartigen Team um mich herum. Und doch: Es war jedes Mal auch ein großes Staunen dabei, wenn es zuletzt einen neuen Erfolg gab“, sagte Federer, „das alles ist nur eins nicht: selbstverständlich.“

100 Titel – und kein bisschen müde? In Dubai fiel beim Gewinner Spannung ab, er war erschöpft. Aber für den Rest des Jahres, für den Rest der Zeit als Profi gab und gibt sich Federer weiter „gute Chancen“. Den Rekorden hinterherjagen will er nicht mehr. „Ich muss nicht alle Bestmarken brechen, auch nicht die 109 Titel von Jimmy Connors.“ Wenn’s trotzdem klappt, hätte er jedoch nichts dagegen.

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