23. März 2021 / 21:28 Uhr

Rolle rückwärts: Kommt jetzt der Abbruch der Fußballsaison?

Rolle rückwärts: Kommt jetzt der Abbruch der Fußballsaison?

Uwe Kläfker
Schaumburger Ztg. / Schaumburger Nachrichten
Rolle rückwärts im Fußball? Die Mehrheit der niedersächsischen Vereine plädiert für einen Saisonabbruch. Der Landesverband hatte eine Fortsetzung der Saison vorgeschlagen.
Rolle rückwärts: Im niedersächsischen Amateurfußball geht der Trend jetzt zum Saisonabbruch. © Sportbuzzer
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NFV kündigt finale Entscheidung an / Meinungen aus der Schaumburger Fußballszene

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Rollt der Ball in dieser Amateurfußball-Saison noch mal? Das fragen sich nicht nur die Schaumburger Fußballerinnen und Fußballer. Beim Niedersächsischen Fußballverband (NFV) wird nach einer Vorstandssitzung am gestrigen Abend anscheinend umgedacht. Von der bisherigen Maxime, die Saison fortzusetzen, geht die Tendenz jetzt wohl doch zu einem Abbruch samt Annullierung. In der nächsten Woche soll es eine finale Entscheidung geben. Die komplette Pressemitteilung finden Sie unten auf dieser Seite. Wir hatten uns vorab in der Fußballszene umgehört.

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Giuseppe Inserra (Trainer, SV Obernkirchen): „Man kann es nicht allen recht machen, und die Rahmenbedingungen müssen auch passen. Aber ich finde, dass noch ein Abbruch wehtun würde und nicht die klügste Lösung wäre. Mir fällt die Decke auf den Kopf, und ich würde gerne mal wieder beim Fußball den Alltag vergessen. Vielleicht würde ein Abbruch auch zu Abgängen von Spielern führen. Ich würde erst mal weiter abwarten und setze die Hoffnung auf wärmeres Wetter und mehr Impfungen.“

Dennis Kleiber (Stürmer, FC Hevesen): „Ich finde, dass wir noch etwas warten sollten, wie sich das alles entwickelt. Wenn sich nichts verbessert, können wir die Saison ja immer noch abbrechen. Seit der vergangenen Woche haben wir Laufpläne, die wir auch absolvieren müssen, falls es bald wieder losgehen sollte. Ich habe in der fußballfreien Zeit gemerkt, dass es auch mal ganz schön ist, nicht zum Training zu müssen. Ans Aufhören denke ich aber auf gar keinen Fall. Es wäre nur schön, meine Mitspieler endlich mal wiederzusehen.“

Thomas Serinek, Spartenleiter beim TSV Eintracht Bückeberge ist ehrlich: „Man muss ja nur auf die Tabelle schauen, um zu wissen, wer welches Szenario bevorzugt.“ Der TSV Bückeberge ist Tabellenführer in der 1. Kreisklasse. „Aber eine Saison nach sieben Spielen zu werten, macht auch keinen Sinn“, räumt der Wendthäger ein. „Es sollte für alle fair bleiben.“ Serinek tendiert dazu, mit einem Abbruch zu warten. „Mal schauen, ob noch etwas geht.“ Wohlwissend, dass diese Dinge an anderer Stelle entschieden werden. Ein Problem könne es werden, die Akteure nach langer Pause wieder auf den Platz zu bekommen. „50 Prozent der Spieler werden sich selber fit halten. Aber Fußball auf dem Platz ist was anderes, als Joggen zu gehen.“

Oliver Rick ist Trainer des Kreisligisten SG Bad Nenndorf-Riehe, für die es nach Stand der Dinge in der Abstiegsrunde weitergeht. „Die Saison kann man knicken“, sagt der Coach und stellt den Zeitplan infrage. Es mache keinen Sinn, „die Spiele jetzt noch durchzuquälen“. Rick denkt darüber nach, ob die Spieler nach langem Lockdown andere Bedürfnisse wie Urlaub, Restaurantbesuche oder unbeschwerte Freizeit mit der Familie dem Fußball vorziehen würden. „Einkaufen im Supermarkt ist ja derzeit ein Highlight.“ Er selbst verspüre Sehnsucht nach dem Sportplatz, Training und sozialen Kontakten. „Aber wir sind jetzt so lange raus. Da muss man auch in die Trainingsarbeit erst mal Grund reinkriegen und die Jungs auf eine gewisse Stufe bringen. 14 Tage Vorbereitung wären viel zu kurz“, das sei dann eher Wettbewerbsverzerrung. Der SG-Trainer würde die Serie annullieren und je nach Stand der Impfungen im Spätsommer wieder mit dem Training und Testspielen beginnen. „Ohne Verpflichtung und ohne erneut den Wettbewerb zu gefährden.“ Danach könne man weitersehen.

Für Stefan Büngel, Trainer des TuS Wiedensahl-Niedernwöhren II, geht es nur so: „Abbruch und annullieren.“ Der Geschäftsmann hat Verständnis für Vereine, die in der Tabelle oben stehen und das vielleicht anders sehen. „Das ist legitim.“ Der Niedernwöhrener hat aber eine klare Meinung: „Corona hat sich keiner ausgedacht, niemand kann etwas dafür. Wir haben in einem Jahr erst sieben Spiele absolviert und würden, so der Plan, nach kurzer Vorbereitung und sieben weiteren Spielen Auf- und Absteiger küren. Das ist doch absurd.“ Man könne gar kein Feeling für die Saison entwickeln, „das macht keinen Spaß und ist nichts“. Die Fußballverbände Schleswig-Holstein und Hamburg haben es nach Büngels Meinung richtig gemacht – und die Saison abgebrochen.

Julia Hildebrand läuft bei den Frauen des SC Deckbergen-Schaumburg in der Landesliga auf und kümmert sich zudem um die Belange der Sparte. „Ich würde die Saison am liebsten sportlich über die Bühne bringen.“ Aber der Zeitraum für einen fairen Wettkampf werde immer kleiner. Der SC hat erst fünf Spiele absolviert, Staffel-Konkurrenten sogar nur vier. „Möglichkeiten für Wochentagsspiele gibt es bei uns kaum.“ Vor wenigen Wochen habe es bei sinkenden Inzidenzen noch so etwas wie einen Hoffnungsschimmer auf Fußball gegeben. „Aber dann gab es wieder einen Dämpfer“, sagt Hildebrand. „Wir versuchen, uns fit zu halten, aber man hat halt gar kein Ziel.“

Bernd Hillmann ist Coach der zweiten Mannschaft der FSG Pollhagen-Nordsehl-Lauenhagen. „Ich würde gerne weiterspielen, um die Jungs beschäftigen zu können.“ Er wisse sonst nicht, ob in den unteren Spielklassen nach langer Pause alle Spieler am Ball blieben.

Pressemitteilung NFV vom Dienstag, 23. März, 20.35 Uhr:

Die Mitglieder des NFV-Vorstandes haben sich heute Abend in einer nicht turnusmäßigen Zusammenkunft über den weiteren Umgang mit der derzeit unterbrochenen Saison 2020/2021 beraten. „Der Verbandsvorstand, dem u.a. die Vorsitzenden der 33 niedersächsischen Fußballkreise angehören, muss die Corona-Sachlage anhand von Fakten und ‚auf Sicht‘ bewerten, um zu verhältnismäßigen Entscheidungen im Umgang mit dem Spieljahr zu gelangen. Unsere feste Absicht war die sportliche Beendigung der Saison. In wie weit dieses Ziel angesichts der inzwischen wieder drastisch gestiegenen Infektionszahlen und der Beschlüsse der Bund-Länder-Konferenz vom gestrigen Tag noch realistisch ist, war Gegenstand unserer heutigen Erörterung“, erklärte NFV-Präsident Günter Distelrath.
Dabei zeichnet sich ab, dass mangels Eintritts der nach dem Stufenplan erforderlichen Inzidenzwerte und Öffnungsschritte das Mannschaftstraining und der Pflichtspielbetrieb nicht rechtzeitig wieder aufgenommen werden können, um an der sportlichen Fortsetzung und Beendigung der Saison 2020/2021 bis max. zum 21.07.2021 festzuhalten. Insofern wird der Verband im Rahmen einer ordentlichen Verbandsvorstandssitzung in der kommenden Woche zur weiteren Planungssicherheit für Vereine und Verband eine alternative und finale Entscheidung zum Umgang mit dem Spieljahr 2020/2021 treffen.

Bevorzugte Variante ist nach dem heutigen Austausch der Abbruch in Form der Annullierung

Bevorzugte Variante ist nach dem heutigen Austausch der Abbruch in Form der Annullierung - unter Berücksichtigung der Schnittstellenlösungen zwischen dem Niedersächsischen Fußballverband und den Spielklassen- und Pokalwettbewerben von übergeordneten Verbänden.