31. August 2021 / 16:27 Uhr

Rollifechterin Sylvi Tauber über das Drama von Tokio: Das war schon heftig

Rollifechterin Sylvi Tauber über das Drama von Tokio: Das war schon heftig

Stefan Ehlers
Ostsee-Zeitung
Wieder in der Heimat: Paralympics-Teilnehmerin Sylvi Tauber (41) mit ihrem Hund Joe.
Wieder in der Heimat: Paralympics-Teilnehmerin Sylvi Tauber (41) mit ihrem Hund Joe. © Martin Börner
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Ihre Paralympics-Premiere verlief dramatisch. Die Rostocker Rollstuhlfechterin Sylvi Tauber erlitt in Tokio mehrere spastische Anfälle. Grund sei ein Fehlverhalten von Funktionären des Weltverbandes IWAS, sagt die 41-Jährige.

Am Tag ihrer Rückkehr zog es Sylvi Tauber sofort wieder in die Sporthalle Heinrich-Schütz-Straße. Die 41 Jahre alte Rollstuhlfechterin griff in ihrer Trainingsstätte zwar nicht zu Säbel und Degen, stand aber im Mittelpunkt des Nachmittags. Der TuS Makkabi Rostock bereitete der Paralympics-Teilnehmerin einen kleinen, herzlichen Empfang. Tauber plauderte und lachte – das Drama von Tokio schien fast vergessen.

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Die Hansestädterin hatte bei den Spielen mehrere spastische Anfälle erlitten und musste vier Stunden lang im Krankenhaus behandelt werden (die OZ berichtete). „Das war schon sehr heftig“, sagt die Athletin, die aufgrund ihrer körperlichen Einschränkung darauf angewiesen ist, im Alltagsrollstuhl zur Fechtbahn zu gelangen und erst dort in den speziellen Fechtrollstuhl zu wechseln. „Beim Fechtrollstuhl ist die Rückenlehne deutlich niedriger. Er ist insgesamt viel instabiler gebaut als der Alltagsrolli“, erklärt Tauber. „Der Fechtstuhl muss fest stehen. Erst dann kann ich mich umsetzen.“

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Auf Anweisung einiger Offizieller des Rollstuhlfecht-Weltverbandes IWAS musste die Rostockerin jedoch schon im Call Room in den Fechtrollstuhl wechseln, wobei sie zweimal zu Boden fiel. Danach erlitt sie mehrere spastische Anfälle. Ihre Vorwürfe richten sich an die Verantwortlichen. „So etwas darf nicht passieren.“ In der Verantwortung stehen vor allem IWAS-Generalsekretär Udo Ziegler und der Brasilianer Arno Schneider, Mitglied des Exekutivkomitees.

Bundestrainer Alexander Bondar (Rostock) war noch Tage nach dem Vorfall sauer. „Das wird auch die kommenden zwei, drei Monate so bleiben. Ich hab so etwas noch nie erlebt. Die Spiele sind für Menschen und nicht für Paragrafen“, schimpft der Coach, der zusammen mit seinem Schützling in der Nacht zu Dienstag aus Tokio heimkehrte.

Bondar hat einen Beschwerdebrief an die internationalen Verbände geschrieben. Teammitglieder aus Italien und Polen stehen als Zeugen bereit. Der Deutsche Behindertensportverband fordert eine Untersuchung des Vorfalls.

Auch Lars Pickardt, Geschäftsführer des Verbandes für Behinderten- und Rehabilitationssport MV, spricht über eine lückenlose Aufklärung und mögliche Konsequenzen. „Wenn man mit Rollifahrern unterwegs ist, muss man sich an besondere Regeln halten und diese so auslegen, dass die Gesundheit im Vordergrund steht“, sagt der ehemalige Fechter.


Sylvi Tauber schaut nicht im Zorn zurück auf ihr Paralympics-Debüt. „Die Freude über die Teilnahme überwiegt“, betont die Rostockerin. Sie wolle jetzt einen Monat lang pausieren, sich erholen und die Zeit mit ihrem Mann Ralf und ihrem Hund Joe, einem 16 Jahre alten Mischlings-Rüden, genießen.

Im Oktober möchte sie wieder mit dem Training beginnen, sagt Tauber, die in Tokio Achte mit dem Säbel wurde. Ihr ist klar: „Ich werde am Anfang ängstlich sein.“

Den für November geplanten Start in Pisa werde sie absagen, kündigt die Ostseestädterin an. „Aber sollte die EM im Dezember stattfinden, muss ich natürlich ran.“ Es könnte die erste Etappe auf dem Weg nach Paris werden. „2024 ist das Ziel“, bekräftigt Sylvi Tauber. „Wenn die Gesundheit mitspielt.“