14. September 2021 / 16:00 Uhr

Erste deutsch-niederländische Meisterschaft: Blue Bandits schnappen sich Platz vier

Erste deutsch-niederländische Meisterschaft: Blue Bandits schnappen sich Platz vier

Christoph Hage
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
11.09.2021 , Rollstuhlhandball , FOTO: Florian Petrow :
RSG
11.09.2021 , Rollstuhlhandball , FOTO: Florian Petrow : RSG © Florian Petrow
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In der IGS Mühlenberg fand die erste deutsch-niederländische Meisterschaft im Rollstuhlhandball statt. Die Blue Bandits Hannover, das rollende Handballteam der RSG, schlug sich mehr als achtbar.

Sie hat sich schon mal besser gefühlt, aber das war ihr an diesem Tag egal. Kurz vor der ersten deutsch-niederländischen Meisterschaft im Rollstuhlhandball hatte sich Meike Lüder-Zinke bei ihrem Sohn angesteckt.

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Nein, keine Sorge, es war nicht das Coronavirus, sondern eine herkömmliche Infektion. Die Betriebsärztin der Stadt Hannover war schließlich selbst Teil der städtischen Impfaktion, ist bereits doppelt geimpft – und getestet wurden alle Teilnehmer mehrfach. Mitjubeln konnte die geschwächte Vorsitzende der RSG Hannover beim vorläufigen Höhepunkt ihrer Abteilung aus Rücksicht auf sich und die anderen also nur am Rande. Die Freude war ihrem Gesicht trotzdem deutlich anzusehen.

Impresseionen von der ersten deutsch-niederländischen Meisterschaft im Rollstuhlbastekball in der IGS Mühlenberg

Impresseionen von der ersten deutsch-niederländischen Meisterschaft im Rollstuhlbastekball. Zur Galerie
Impresseionen von der ersten deutsch-niederländischen Meisterschaft im Rollstuhlbastekball. ©

„Bei dem Stress in den letzten vier Wochen ist es kein Wunder gewesen, dass ich krank geworden bin“, sagte Lüder-Zinke. Wie gut, dass sie Ärztin ist. Vor der Begrüßung von Schirmherr und Ministerpräsident Stephan Weil und der aus ganz Deutschland und den Niederlanden angereisten Teams nahm sie „alle Medikamente ein, die man nehmen kann“. Die Blue Bandits Hannover, das rollende Handballteam der RSG, mussten hingegen andere anfeuern.

Angetrieben von Tobias Heinze und Josias Lüder starteten die blauen Banditen mit einem 10:7-Sieg gegen die BTB Rolling Bandits Aachen in den Wettbewerb. Und auch das „Mixed Team“ der RSG (7:4) sowie den TSV Anderten (11:5) bezwangen die Spieler um Bernd Schoke und Finn Ohlendorf. Als Gruppensieger ging es im Halbfinale gegen die CSV Rollers, eines von zwei niederländischen Teams.

„Die betreiben diesen Sport seit einem Jahrzehnt, und das merkt man deutlich“, sagte Lüder-Zinke nach der 3:7-Niederlage. „Sportlich sind das Welten.“ Die Luft war raus, im Spiel um Platz drei unterlag der Gastgeber den Rolling Bandits Aachen mit 4:12. Im Endspiel wiederum behielt mit Quintus Westerland das zweite niederländische Team die Oberhand.

Dank an die Spieler des TSV Anderten

Ein großes Dank galt auch den Spielern des TSV Anderten. Diese waren vor zwei Wochen kurzfristig für ein anderes Team eingesprungen und hatten zuvor noch nie in einem Rollstuhl Handball gespielt. „Das war schon krass“, sagte Lüder-Zinke, „ich hätte gedacht, die putzen uns alle weg, aber es ist eben schon noch mal ein Unterschied, in einem Rollstuhl zu sitzen.“ Dennoch belegten die Anderter nach dem 6:3-Sieg im Platzierungsspiel gegen die Delme Panthers & Friends Rang fünf.


Lüder-Zinke bezeichnete das Turnier in der IGS Mühlenberg als „riesigen Erfolg. Ich bin stolz, was wir hier seit 2015 aufgebaut haben.“ Zu Beginn sei der Ball beim Training auch schon mal in den Maschsee gefallen. „Und das hier ist daraus geworden.“

Bei einer Meisterschaft soll es aber nicht bleiben, die RSG arbeitet an einem deutschlandweiten Spielbetrieb. Schon 2022 soll es erstmals eine Bundesliga geben. Nur eines fehlt noch: eine Trainerin oder ein Trainer. „Wir suchen noch jemanden, der uns begleitet“, sagte Lüder-Zinke. „Und zwar nicht nur kurzfristig, sondern auch im Hinblick auf das neue Spielsystem.“ Ihre Stimme dürfte sie bis dahin wiederhaben.