09. Juni 2021 / 11:44 Uhr

Eine kleine Revolution: Die Blue Bandits wollen ihre Sportart bekannt machen

Eine kleine Revolution: Die Blue Bandits wollen ihre Sportart bekannt machen

Alexander Flohr
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
In Aktion: Die Rollstuhlhandball-Mannschaft Blue Bandits der RSG Hannover.
In Aktion: Die Rollstuhlhandball-Mannschaft Blue Bandits der RSG Hannover. © Nadine Pohle
Anzeige

Der 11. September wird für die Blue Bandits ein ganz besonderer Tag, dann nämlich nehmen sie an der ersten deutsch-niederländischen Meisterschaft teil. Die Pioniere aus Hannover wollen ihre sehr inklusive, aber noch recht unbekannte Sportart bundesweit etablieren.

Aus Hannover in die große Sportwelt: Meike Lüder-Zinke, Vorsitzende der RSG Hannover, plant eine kleine Sportrevolution. Am Maschsee hat sie vor Jahren das erste Rollstuhlhandballteam Deutschlands ins Leben gerufen. Nun steht die neue Sportart kurz vor dem Durchbruch. Am 11. September findet die erste deutsch-niederländische Rollstuhlhandball-Meisterschaft statt – in den Sporthallen der Leonore-Goldschmidt-Schule in Hannover. Acht deutsche und vier niederländische Mannschaften sollen teilnehmen. „Wir freuen uns alle sehr auf diese Veranstaltung. Es wird ein toller Tag mit vielen Mitmachaktionen”, sagt Lüder-Zinke.

Anzeige

Ministerpräsident Stephan Weil übernimmt die Schirmherrschaft und wird die Meisterschaft persönlich eröffnen. „Seine Unterstützung gibt unserer Arbeit für eine gleichberechtigte Teilhabe im Sport und im gesellschaftlichen Miteinander einen ganz besonderen Glanz”, sagt Lüder-Zinke. Die aktuelle Pandemieentwicklung gibt ihr zudem Hoffnung, dass Zuschauer zugelassen werden. Die Priorität soll weiterhin darauf liegen, die Sportler nicht zu gefährden. Doch die niedrigen Inzidenzwerte würden ein Event nach aktuellem Stand mit Zuschauern und ohne Einschränkungen ermöglichen.

Mehr Berichte aus der Region

Diese Aufmerksamkeit für den Sport sei wichtig. Schließlich ist Rollstuhlhandball in Deutschland nur selten in Vereinen vertreten. Lüder-Zinke hat die Aufgabe, dies zu ändern. Seit 2015 gibt es die „RSG Blue Bandits”, das erste deutsche Team.

Nur vier Jahre später nahm die Mannschaft an der holländischen Meisterschaft teil. Dabei hatten es die Hannoveraner mit Gegnern zu tun, die schon seit mehr als zehn Jahren dabei sind. Vor allem in den Niederlanden und Belgien ist Rollstuhlhandball bereits etabliert. Lüder-Zinke: „Da haben wir enge Freundschaften aufgebaut und viel lernen können.”

Weiter von den Niederländern lernen

Und so entstand auch die Idee einer gemeinsamen Meisterschaft im September. Ein niederländisches Schiedsrichterteam begleitet die Veranstaltung. Nach dem Turnier gibt es ein Zusammentreffen aller Teams im Detlef-Zinke-Haus am Maschsee. Dort will Lüder-Zinke auch weitere Erfahrungen von den Niederländern mitnehmen. Denn dort wird seit Jahren im Ligabetrieb gespielt.

In Deutschland gibt es das noch nicht. 2022 soll die erste Rollstuhlhandball-Bundesliga an den Start gehen – mit Klubs aus ganz Deutschland. Die Regeln sind an die Europäische Handballföderation angelehnt. Der große Unterschied zu einer Behindertensportart: Rollstuhlhandball bietet Platz für alle. „Wir wollen so viele Menschen, wie möglich integrieren”, betont Lüder-Zinke. „Es gibt keine Klassifizierung. Es ist eine Innovation des Handballs.” Mitmachen dürfen alle, unabhängig vom Geschlecht oder Alter.


Pioniere aus Hannover: Die RSG war 2015 das erste Team dieser Sportart in Deutschland. Mitförderer sind die Recken. Ihr Logo prangt auch auf dem Trikot der Blue Bandits.
Pioniere aus Hannover: Die RSG war 2015 das erste Team dieser Sportart in Deutschland. Mitförderer sind die Recken. Ihr Logo prangt auch auf dem Trikot der Blue Bandits. © Nadine Pohle

Egal ist auch, ob Menschen eine Behinderung haben oder nicht. Aktuell liegt der Anteil an Nicht-Behindertensportlern sogar bei 60 Prozent. „Der Rollstuhlhandball verkörpert den Inklusionsgedanken in besonderem Maße”, sagt Ministerpräsident Weil. „Wir stehen für gleichberechtigte Teilhabe im Sport und im gesellschaftlichen Miteinander.”

Weil hofft, den Rollstuhlhandball durch die Unterstützung der Landesregierung noch bekannter zu machen. „Dabei macht es mich einfach sehr stolz, dass es in Deutschland alles am Maschsee angefangen hat und wir die ganze Entwicklung von Hannover aus steuern“. sagt Lüder-Zinke.