25. Januar 2020 / 16:35 Uhr

Die irre Geschichte von Romed Baumann - Österreicher ist bester Deutscher bei Streif-Abfahrt

Die irre Geschichte von Romed Baumann - Österreicher ist bester Deutscher bei Streif-Abfahrt

Stefan Döring
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Romed Baumann  wurde bei der Streif-Abfahrt bester Deutscher. Thomas Dreßen (kleines Bild) verpatzte seinen Auftritt in Kitzbühel. 
Romed Baumann  wurde bei der Streif-Abfahrt bester Deutscher. Thomas Dreßen (kleines Bild) verpatzte seinen Auftritt in Kitzbühel.  © AP
Anzeige

Romed Baumann war für den österreichischen Skiverband nicht mehr gut genug und durfte im letzten Jahr in Kitzbühel nicht mehr starten. In diesem Jahr durfte er wieder ran - als Fahrer für Deutschland - und legte ein Topergebnis hin.

Mitten im rot-weiß-roten österreichischen Jubel ging auf einmal ein Aufschrei durch das Zielstadion in Kitzbühel. Der Grund war Romed Baumann, einst einer von ihnen, jetzt ein Starter des deutschen Skiverbands (DSV). Als sich die Ehrentribüne schon sichtlich geleert hatte und viele glaubten, der österreichische Doppelsieg von Matthias Mayer und Vincent Kriechmayr beim 80. Hahnenkammrennen könne kräftig begossen werden, schoss Baumann über die Streif. Und er kam seinen ehemaligen Teamkollegen ziemlich nah – zumindest zwischenzeitlich. Am Ende pusteten die Zuschauer durch, denn der 34-jährige Doppelstaatsbürger kam mit einem Rückstand von 0,83 Sekunden ins Ziel – Platz sieben.

Anzeige
Mehr zum Hahnenkammrennen

Damit war Baumann in seiner ersten Saison im deutschen Skiverbands erstmals bester Abfahrer im Zebra-Rennanzug. „Bester Deutscher – das ist ein super Titel. Das ist noch ungewohnt – aber es fühlt sich gut an“, sagte er sichtlich berührt nach dem Rennen, bei dem der Streif-Sieger von 2018, Thomas Dreßen, mit Platz 26 doch enttäuschte. Zweitbester Deutscher war Andreas Sander als Elfter, der zwischenzeitlich mit Startnummer 32 sogar Bestzeiten fuhr. Josef Ferstl landete auf Platz 25. So war es ausgerechnet Baumann, der die Kohlen für das deutsche Team in Kitzbühel aus dem Feuer holte.

Baumann: "Ich bin herumgelaufen wie ein geschlagener Hund"

Noch im vergangenen Jahr fuhr er für den österreichischen Skiverband – wenn man das fahren nennen konnte. Denn ausgerechnet bei seinem Heimrennen am Hahnenkamm in Kitzbühel wurde Baumann im vergangenen Jahr von den sportlich Verantwortlichen der Alpennation aussortiert. Geboren wurde Baumann in St. Johann, nur ein paar Kilometer von Kitzbühel entfernt, aufgewachsen ist er in der Nähe im Pillerseetal. Dann der Schock im Jahr 2019, er sei nicht mehr gut genug, hieß es. „Im letzten Jahr waren Sachen dabei – mit Kitzbühel als Tiefpunkt in meiner Karriere. Ich bin herumgelaufen wie ein geschlagener Hund und habe nicht mehr gewusst, wie ich aus dem Loch herauskommen soll“, sagte Baumann am Samstag.

Ferstl kritisiert ÖSV für Umgang mit Baumann

Der DSV half ihm dabei, gab ihm im Sommer einen Kaderplatz neben Dreßen, Ferstl und Co. Baumann hat eine deutsche Frau, lebt inzwischen in Kiefersfelden kurz vor der Grenze zu Österreich, und nahm die deutsche Staatsbürgerschaft an. Der Weg war frei – weg vom knallharten Leistungsprinzip im Lager der Skination Austria, hin zum Wohlfühl-Abfahrer-Team der Deutschen. „Ich kenne es aus dem ÖSV von Jugend an nur so, dass es immer um Konkurrenz geht. Du fährst immer um Startplätze und das ist jetzt etwas ganz anderes. Jeder gönnt dem anderen den Erfolg“, sagte Baumann über seine neuen Teamkollegen. Zu denen gehört auch Ferstl, der 2019 den Super-G in Kitzbühel gewinnen konnte, und den ÖSV für den Umgang mit Baumann kritisierte: „Da funktioniert alles nur unter Druck. Es zählt nur noch eins, zwei, drei. Das ist eine krasse Welt. Wir sind auch nur Menschen.“

Anzeige

Sander und Dreßen erklären: Das sind die Schlüsselstellen des Hahnenkammrennens

Andreas Sander und Thomas Dreßen analysieren die schwerste Abfahrt der Saison auf der Streif Zur Galerie
Andreas Sander und Thomas Dreßen analysieren die schwerste Abfahrt der Saison auf der Streif ©

Und diese Menschen sind als Team zusammengewachsen, das schon in der Vergangenheit aufgrund des Zusammenhalts große Erfolge einfuhr. „Dieses Miteinander hat mich aufgebaut. Sie haben mich vom ersten Trainingslager aufgenommen, als hätte ich schon immer dazu gehört. Ich habe ein bisschen Know-how mitgebracht und sie haben im Training gesehen, dass die Österreicher auch nur mit Wasser kochen“ sagte Baumann. Auch wenn seine ehemaligen Teamkollegen Mayer und Kriechmayr, zeitgleich mit dem Schweizer Beat Feuz Zweiter, das Wasser am Samstag zum Kochen brachten und den erhofften Heimsieg feiern konnten – den ersten in Kitzbühel seit Hannes Reichelt 2014.

Dreßen macht ungewohnte Fehler

Ganz so euphorisch waren sie im deutschen Team zwar nicht – auch weil der 26-jährige Dreßen dieses Mal ausgerechnet im Rennen Fehler einbaute, die er „normalerweise nicht“ macht, wie er sagte. „Ich hoffe, dass meine Teamkollegen das besser machen“, sagte er nach seiner Fahrt – da war Baumann noch nicht gestartet – der es tatsächlich besser machte. Deshalb war auch Ferstl am Ende zufrieden. „Wir haben aber auch schon mit dem Rücken zur Wand gestanden, das Abfahrtsteam stand vor dem Aus. Und jetzt sind die Leute interessiert. Wir bieten jedes Mal eine coole Show. Das zählt.

[Anzeige] Alle Spiele der Fußball WM live und exklusiv in der Konferenz bei MagentaTV. Mit dem Tarif MagentaTV Flex für nur 10€ pro Monat, monatlich kündbar.