14. Dezember 2021 / 10:30 Uhr

Ronald Reng: Darum waren die Probleme von Jesse Marsch, Mark van Bommel und Adi Hütter absehbar

Ronald Reng: Darum waren die Probleme von Jesse Marsch, Mark van Bommel und Adi Hütter absehbar

Ronald Reng
RedaktionsNetzwerk Deutschland
SPORTBUZZER-Kolumnist analysiert die Probleme der Trainer, die im Sommer den Klubs wechselten.
SPORTBUZZER-Kolumnist analysiert die Probleme der Trainer, die im Sommer den Klubs wechselten. © IMAGO/foto2press/regios24/Laci Perenyi (Montage)
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RB Leipzig und der VfL Wolfsburg haben schon früh die Reißleine gezogen. Bei Borussia Mönchengladbach steht Adi Hütter stark unter Druck. Und Oliver Glasner kämpft mit Frankfurt gerade darum, die Trendwende zu bestätigen. SPORTBUZZER-Kolumnist Ronald Reng hat eine These, wieso so viele Trainer bei ihren neuen Klubs, Schwierigkeiten haben.

Eines Nachmittags rief mich der deutsche Zweitligatrainer Kosta Runjaic an. "Hör mal", sagte er. "Ich habe ein Angebot von Pogon Stettin, die sind abgeschlagen Tabellenletzter in der 1. polnischen Liga. Würdest du das an meiner Stelle annehmen?"
"Bist du wahnsinnig!", rief ich. "Tabellenletzter, das kannst du nicht machen!"
"Ja?", sagte er. "Ich habe gerade zugesagt."

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Unter den Argumenten, die mir Runjaic für sein Engagement beim Tabellenletzten nannte, ist mir eines lebhaft in Erinnerung geblieben: Ein Trainer solle immer dorthin gehen, wo der Vorgänger mit seinen Vorstellungen Probleme hatte. Dann würden die Ideen des neuen Trainers von den Fußballern dankbar angenommen.

Das ist ein Grund, warum in dieser Bundesliga-Saison erprobte Erfolgstrainer in Mönchengladbach und Frankfurt solche Schwierigkeiten haben beziehungsweise in Wolfsburg und Leipzig schon entlassen wurden: Ihre Vorgänger haben ihnen nicht genug Probleme überlassen – sondern Mannschaften mit funktionierenden Spielsystemen und -automatismen. Da werden Innovationen des Neuen eher als Störungen empfunden.

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Nirgends ist es deutlicher zu sehen als in Gladbach, wo Adi Hütter nach holprigem Saisonstart Struktur und Personal stark änderte, etwa die Schaltstelle der Elf mit Christoph Kramer und Florian Neuhaus ausradierte. Das Team geriet aus der Balance. In Frankfurt läuft es erst besser, seit Oliver Glasner seine eigenen Ideen vergaß und auf die bewährten Abläufe und Spieler seines Vorgängers setzte.

Und Runjaic? Machte aus dem polnischen Tabellenletzten in nachhaltiger Entwicklungsarbeit eine famose Spitzenelf. Ein Trainer braucht nicht nur große Ideen, sondern eine Elf, die sie auch nötig hat.

Immer dienstags wechseln sich an dieser Stelle Bestseller­autor Ronald Reng, die deutsche Fußball-Nationaltorhüterin Almuth Schult, Sky-Kommentator Wolff Fuss und Jochen Breyer, Moderator des ZDF-„Sportstudios“, mit Meinungsbeiträgen ab. Sie sind alle Kolum­nisten des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND), zu dem auch das Sportportal SPORTBUZZER gehört.

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