10. September 2019 / 06:14 Uhr

Ronald Reng über ein baskisches Erfolgsmodell: Was der DFB von Athletic Bilbao lernen kann

Ronald Reng über ein baskisches Erfolgsmodell: Was der DFB von Athletic Bilbao lernen kann

Ronald Reng
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Athletic Bilbao profitiert seit jeher von seiner exzellenten Jugendarbeit. <b>SPORT</b>BUZZER-Kolumnist Ronald Reng erklärt die Stärken des Ausbildungssystems. 
Athletic Bilbao profitiert seit jeher von seiner exzellenten Jugendarbeit. SPORTBUZZER-Kolumnist Ronald Reng erklärt die Stärken des Ausbildungssystems.  © imago images / Alterphotos
Anzeige

Der deutsche Fußball hat ein Problem: Es fehlt an talentierten Nachwuchsfußballern. Um das zu ändern und die Attraktivität zu erhöhen, wird im Jugendbereich teilweise ohne Torwart gespielt. Gar nicht nötig, findet SPORTBUZZER-Kolumnist Ronald Reng. Der Bestsellerautor empfiehlt einen Blick ins Baskenland, wo Athletic Bilbao sehr erfolgreich Talente ausbildet.

Anzeige
Anzeige

Fußball wird in Deutschland seit diesem Sommer ohne Torwart gespielt. Der DFB hat angeregt, dass sich Kinder bis neun Jahre in Teams mit nur drei Spielern messen, ohne Torwart. Dafür stehen vier Tore auf dem Spielfeld. Das Spiel wird so wilder, kindgerechter und, das ist die Hoffnung, die Kinder werden technisch besser, weil jeder Knirps viel öfter am Ball ist als im herkömmlichen Fußballmatch.

Mit der Reform reagiert der DFB auf ein Problem, das für das Fußballpublikum noch unsichtbar ist: Die Jungen im Nationalteam um Kai Havertz und Leroy Sané sind für einige Jahre die letzten deutschen Ausnahmefußballer. Unter den 16- bis 20-jährigen gibt es außer Havertz kaum noch Diamanten. Sie hätten an den Bundesliga-Akademien die taktische Lehre übertrieben, glaubt DFB-Direktor Oliver Bierhoff: Kinder würden zu wenig individuell gefördert. Fußball auf vier Tore im jüngsten Alter ist da ein toller Impuls. Aber die Probleme im deutschen Spitzen-Jugendfußball gehen tiefer.

23 für die EM 2024: Sieht so das deutsche Aufgebot für die Heim-EM aus?

Ein paar Jahre sind es noch bis zur EM 2024 in Deutschland. Wer könnte beim Sommermärchen 2.0 im Aufgebot des DFB stehen? Der <b>SPORT</b>BUZZER stellt den (möglichen) Kader vor! Zur Galerie
Ein paar Jahre sind es noch bis zur EM 2024 in Deutschland. Wer könnte beim "Sommermärchen 2.0" im Aufgebot des DFB stehen? Der SPORTBUZZER stellt den (möglichen) Kader vor! ©
Anzeige

Bei Bundesliga-Klubs bedeutet Talentförderung zu sehr, Talente zu kaufen

Vor Kurzem besuchte ich die erfolgreichste Jugendakademie der Welt: 85 Prozent des Profiteams von Athletic Bilbao lernten im eigenen Nachwuchszentrum. Was dort sofort auffiel: Athletic gibt Talenten mehr Zeit. Bei Bundesliga-Klubs bedeutet Talentförderung zu sehr, Talente zu kaufen. 15-Jährige werden aus Hannover nach Leipzig oder aus Berlin nach Hannover geholt – und oft drei Jahre später für einen 18-Jährigen aus Köln weggeschickt.

Mehr aus der Viererkette

Athletic holt keine Jungen von außerhalb seiner Provinz. Je länger ein Kind bei dem Verein kontinuierlich trainiert, desto besser wird es, glaubt Athletic. Die Unterschiede hören da nicht auf: In Deutschland verdienen U19-Trainer 5000 Euro im Monat und U13-Trainer ein Taschengeld. Bei Athletic, wo auch Bayern-Profi Javi Martinez ausgebildet wurde, verdienen alle Trainer gleich viel. Mit dem Effekt, dass die Trainer wirklich für die Ausbildung der Jungs arbeiten und nicht wie in Deutschland oft zwangsläufig mehr an ihrem persönlichen Aufstieg.

Bei Athletic spielen Kinder bis neun Jahre übrigens nicht auf vier Tore – sondern gar nicht. Athletic lässt alle Kinder unter zehn in ihren Heimatklubs – und schickt 20 gut ausgebildete Trainer in die Amateurvereine der Region.

Immer dienstags wechseln sich an dieser Stelle Bestsellerautor Ronald Reng, der Ex-Schiedsrichter und heutige Motivationscoach für Unternehmen Babak Rafati, Sky-Kommentator Wolff Fuss und Jochen Breyer, Moderator des ZDF-„Sportstudios“, mit Meinungsbeiträgen ab. Sie sind alle Kolumnisten des SPORTBUZZER.

15 ehemalige Bundesliga-Talente und was aus ihnen wurde

Der SPORTBUZZER hat den Werdegang der ehemaligen Bundesliga-Talente Alen Halilović (l.), Pierre Emile Höjbjerg (m.) und Gianluca Gaudino (r.) genauer verfolgt. Zur Galerie
Der SPORTBUZZER hat den Werdegang der ehemaligen Bundesliga-Talente Alen Halilović (l.), Pierre Emile Höjbjerg (m.) und Gianluca Gaudino (r.) genauer verfolgt. ©

ANZEIGE: 50% auf dein Spieler-Set! Der Deal des Monats im SPORTBUZZER-Shop.

Die aktuellen TOP-THEMEN
Anzeige
Sport aus aller Welt