11. Juli 2019 / 15:13 Uhr

Für den ganzen Kontinent: Ronja Putzer spielt für Südafrika bei der Ultimate-Frisbee-WM

Für den ganzen Kontinent: Ronja Putzer spielt für Südafrika bei der Ultimate-Frisbee-WM

Mark Bode
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Gekonnt wirft Ronja Putzer die Frisbeescheibe. Das Nationaltrikot Südafrikas trägt sie dabei schon.
Gekonnt wirft Ronja Putzer die Frisbeescheibe. Das Nationaltrikot Südafrikas trägt sie dabei schon. © privat
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Eigentlich kommt die 19-jährige Ronja Putzer aus Kleinburgwedel, doch bei der U24-Weltmeisterschaft in Heidelberg könnte sie nun sogar auf Deutschland treffen. Ihre Sportart: Ultimate Frisbee.

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Etwas genervt ist Ronja Putzer schon, wenn sie immer wieder erklären muss, was für eine Sportart sie in ihrer Freizeit betreibt. Wenn sie davon berichtet, dass sie Ultimate Frisbee spielt, blickt sie meist in ratlose Gesichter. „Einige denken, ich stehe am Strand und werfe einfach die Scheibe umher. Das ist schon etwas schade“, sagt sie. Denn Ultimate Frisbee ist schon deutlich anspruchsvoller. Immerhin beginnt in der Altersklasse U24 am Samstag die Weltmeisterschaft in Heidelberg. Putzer ist dabei und startet im Mixed-Team – für Südafrika.

Die 19-jährige Kleinburgwedelerin absolviert ihren Freiwilligendienst seit September 2018 im kleinen südafrikanischen Dorf Berlin nahe East London. Sie gibt Kindern aus ärmeren Verhältnissen dort Sportunterricht – unter anderem auch in ihrer Spezialdisziplin Ultimate Frisbee. Durch ihren Aufenthalt in Südafrika ist sie qualifiziert, für die Nationalmannschaft an den Start zu gehen. „Derzeit gibt es noch die Regel, dass ein internationaler Spieler im Team dabei sein darf. Aber das soll bald geändert werden“, sagt Putzer.

Nichts von Ausnahme gewusst

Von dieser Regel wusste sie allerdings zunächst gar nichts. „Ich war deshalb beim ersten Tryout gar nicht dabei“, berichtet sie. Durch Zufall wurde sie darauf aufmerksam, nahm an der zweiten Qualifikationsrunde teil, überzeugte die Trainer – und wurde südafrikanische Nationalspielerin. „Ich konnte es gar nicht glauben, ich war mega glücklich“, sagt sie. Diese frohe Kunde kam scheinbar zur rechten Zeit: „Das Jahr hier ist ziemlich lang. Da ist es schön, so eine zusätzliche Motivation zu erhalten.“

Am Mittwoch machte sie sich auf den Weg nach Frankfurt, von da ging es mit der Regionalbahn zum Spielort Heidelberg. Dort sind sie und ihre Kollegen während der WM in einer Jugendherberge untergebracht. Jeder Spieler reist individuell an und muss die Kosten für den Trip selbst tragen. „Einige Mitspieler sind schon vorher geflogen und schauen sich Europa an, wenn sie schon einmal da sind“, so Putzer.

Körperkontakt ist nicht erlaubt. Das erklärt den Sicherheitsabstand, den die Gegenspielerin zu Ronja Putzer (links) hält.
Körperkontakt ist nicht erlaubt. Das erklärt den Sicherheitsabstand, den die Gegenspielerin zu Ronja Putzer (links) hält. © privat
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Am Sonntag erster WM-Einsatz

Treffpunkt in Heidelberg war am Donnerstag, ein Freundschaftsspiel gegen Singapur findet am Freitag statt. Dann wird es ernst. Südafrika startet am Sonntag gegen Irland, danach folgen Duelle mit Australien, Polen und Singapur.

Die Rückreise ist für Sonntag, 21. Juli, geplant – nach dem Finale. Doch große Chancen auf den Titel rechnet sich die Deutsche nicht aus. Die Topfavoriten kommen für sie aus den USA, Kanada und Japan. Allerdings ist sie – unabhängig vom Ausgang – stolz, überhaupt dabei zu sein. „Wir sind der einzige Teilnehmer aus Afrika und vertreten somit den ganzen Kontinent.“

Die junge Frau hat sich schon viele Gedanken gemacht, wie es wohl wäre, wenn sie mit Südafrika in der nächsten Runde auf Deutschland treffen sollte. „Das wäre schon ziemlich witzig – zumal mein guter Freund Cedric im deutschen Mixed-Team dabei ist“, sagt Putzer.

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Vom Discgolf zum Ultimate Frisbee - und angekommen

Zum Ultimate Frisbee ist sie im Jahr 2017 gekommen. Zuvor spielte sie in Hannover Discgolf. Nun scheint die Burgwedelerin ihre ideale Sportart gefunden zu haben. „Ultimate-Menschen sind schon ganz besonders“, sagt sie. „Das Großartigste am Sport ist der sogenannte Spirit of the game.“ Damit meint sie den besonderen Fairplaygedanken. Denn es gibt keine Schiedsrichter, Entscheidungen werden von Vertretern der beiden Mannschaften getroffen. „So etwas findet man beim Fußball nicht“, sagt sie lachend.

Auch wenn Putzer froh ist, bei der WM dabei zu sein, so findet sie eines doch etwas schade: „Zuvor fanden die Turniere in Perth in Australien und in London statt.“ Ausgerechnet jetzt, bei ihrer Teilnahme, geht die WM in ihrer Heimat über die Bühne. „Ich wäre schon lieber in ein anderes Land gereist“, gibt sie zu. Allerdings hat sie die leise Hoffnung, dass durch dieses Turnier in Deutschland die Bekanntheit gesteigert wird. Und sie nicht mehr fragend angestarrt wird, wenn sie vom Ultimate Frisbee erzählt.

Die U24-Auswahl Südafrikas. Ronja Putzer ist in der vorderen Reihe die Dritte von rechts. 
Die U24-Auswahl Südafrikas. Ronja Putzer ist in der vorderen Reihe die Dritte von rechts.  © privat

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