11. Juni 2021 / 17:12 Uhr

Ronny Gabel will gegen Yaser Yueksel den WM-Titel 

Ronny Gabel will gegen Yaser Yueksel den WM-Titel 

Oliver Schwandt
Märkische Allgemeine Zeitung
Ronny Gabel
Ronny Gabel vor seiner Zeuthener Bäckerei "Backstübchen". © Oliver Schwandt
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Boxen: 36-jähriger Zeuthener Bäckereibesitzer ist bereit für den Höhepunkt seiner Laufbahn am 26. Juni im Dessauer Paul-Greifzu-Stadion.

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Seit einigen Wochen schon weist ein Werbebanner vor der Zeuthener Bäckerei „Backstübchen“ in der Seestraße auf ein großes Sportevent hin, bei dem der Inhaber der in der Region sehr beliebten Bäckerei eine der Hauptfiguren ist. Heute in zwei Wochen, am 26. Juni, boxt Ronny Gabel im Dessauer Paul-Greifzu-Stadion um den WM-Titel des Verbandes WBU in der Gewichtsklasse Superweltergewicht (bis 69,853 Kilogramm). Gegner über die angesetzten zwölf Runden ist der Kölner Yaser Yueksel, der von seinen bisherigen 13 Profikämpfen elf gewann – vier davon durch Knockout. Des Weiteren verlor der 28-Jährige aus Nordrhein-Westfalen zwei Duelle und beendete einen Kampf remis. Der in Gosen lebende Gabel ist mit 34 Profibegegnungen (27 Siege/6 Niederlagen/1Remis) der deutlich erfahrene Kämpfer in diesem Duell im den WM-Gürtel.
Gabel unterschätzt trotzdem seinen Konkurrenten auf keinen Fall.

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„Yaser ist ein sehr quirliger Gegner, der immer in Bewegung ist. Er ist schnell da, aber auch schnell wieder weg. Mit meiner Routine und Erfahrung sollte ich aber Yaser eigentlich schaffen“, glaubt der 36-Jährige, der sich in den vergangenen drei Monaten sehr intensiv auf sein Karriere-Highlight vorbereitet hat. „Ich habe zweimal am Tag trainiert. Morgens ging es nur ums Boxen, am Abend lag der Fokus auf dem Ausdauerbereich, denn ich war sehr viel schwimmen, radfahren und laufen. Ich fühle mich top fit und bin bereit, gegen Yaser einen tollen Boxkampf abzuliefern“, kündigt er an.

Ronny Gabel/Robert Huth
Ronny Gabel nach einem Restaurantbesuch mit seinem langjährigen Jugendfreund Robert Huth. © Privat

Eigentlich schlug der am 7. Oktober 1984 in Berlin geborene Gabel eine Laufbahn als Fußballer ein. „Ich fing mit sechs Jahren beim VfB Britz mit dem Kicken an. Nach einer Zwischenstation bei Schwarz-Weiß Neukölln wechselte ich ab den C-Junioren zum 1. FC Union Berlin“, erinnert er sich an seine Jugendzeit. Bei den Eisernen war er in der Nachwuchs-Bundesliga als rechter Mittelfeldspieler eine Größe und kaum aus der Mannschaft wegzudenken.



Nach einem Testspiel gegen Schwarz-Weiß Neukölln sollte das Sportleben von Gabel jedoch eine ganz andere Richtung einnehmen. „In der Partie gegen meinen alten Verein brach nach einem Zweikampf die Kniescheibe und alle Bänder waren zudem durchgerissen. Nach einem halben Jahr Verletzungspause habe ich einfach nicht mehr den Anschluss an den restlichen Kader geschafft“, berichtet Gabel über das frühe Aus seiner Laufbahn als Fußballer. Bei Union kickte er unter anderem mit Ex-Nationalspieler Robert Huth zusammen, mit dem er seit dieser Zeit eng befreundet ist. „Ich habe Robert schon oft in seiner englischen Heimat in Manchester besucht. Umso mehr freue ich mich, dass er in zwei Wochen nach Berlin zurückzieht und mich bei meinem Kampf in Dessau von der ersten Reihe aus unterstützt“, freut sich der Bäckereiinhaber auf das Wiedersehen mit seinem prominenten Jugendfreund.

„Da in meiner Familie neben meinem Vater Hendrik auch mein Bruder Dennis sowie mein Onkel Polo alle schon im Boxsport aktiv waren, machte ich einfach mit. Von Anfang an hatte ich echt viel Spaß, sodass ich täglich hart trainierte. Die ersten zwei Jahre waren echt hart, denn ich habe nur auf die Fresse bekommen. Ich hatte aber den Biss und den Ehrgeiz, trotzdem weiterzumachen“, berichtet der Superweltergewichtler.

Ronny Gabel
Ronny Gabel (r.) bei einem früheren Kampf in Aktion. © Privat

Gegen Saunders in Belfast vor 20000 Fans geboxt

Am 18. August 2007 bestritt er seinen ersten Profikampf im Alten Funkwerk Köpenick über vier Runden gegen den damals sehr erfahrenen Enrico Kniesch. „In den ersten beiden Runden habe ich relativ gut geboxt. Nach hinten heraus hat mir deutlich die Kondition gefehlt, sodass ich richtig den Arsch voll bekommen habe“, so Gabel, der sich auch noch sehr gerne an ein ganz besonderes Duell am 15. Mai 2009 gegen Billy Joe Saunders erinnert. In der Belfaster Odyssey Arena unterlag er vor 20 000 einheimischen Fans nach einem tollen Fight knapp nach Punkten. „Dieses Duell gegen Saunders war maßgeblich an meiner Karriere beteiligt, die ich anschließend eingeschlagen habe. Mit dem WM-Titel möchte ich jetzt meine lange und erfolgreiche Laufbahn krönen“, wünscht sich der sympathische Boxer, der unter anderem schon Europa- und Deutscher Meister sowie IBF-Champion war. „Sollte ich das Duell gegen Yueksel gewinnen, werde ich definitiv weitermachen. Was ich bei einer Niederlage machen werde, kann ich aktuell wirklich noch nicht sagen.“

Aktuell ist geplant, dass der MDR den Fight live ab 22 Uhr im Fernsehen überträgt. Karten können Boxfans derzeit bei Eventim kaufen. „Wir dürfen in Dessau aktuell vor 1500 Zuschauern boxen. Bisher musste ich persönlich schon über 1000 Kartenwünsche erfüllen“, berichtet der Boxprofi vom regen Interesse an seinem WM-Kampf.