22. August 2017 / 14:46 Uhr

Ronny Huppert: „Francis Kioyo war ein unglaublicher Schrank“

Ronny Huppert: „Francis Kioyo war ein unglaublicher Schrank“

Lars Sittig
Märkische Allgemeine Zeitung
Ronny Huppert, Frankonia Wernsdorf
Frankonia-Trainer Ronny Huppert traf am 22. August 2004 gegen den TSV 1860 im DFB-Pokal. © Oliver Schwandt
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Landesliga Süd: Wernsdorfs Coach über einen verwandelten Elfmeter vor genau 13 Jahren im DFB-Pokal gegen 1860 München und den zweiten Saisonstart seiner Elf.

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Das Erlebnis nimmt immer noch einen ganz besonderen Platz in den Erinnerungen ein: Am heutigen Dienstag vor genau 13 Jahren verwandelte Wernsdorfs Coach Ronny Huppert für Germania Schöneiche im DFB-Pokalspiel gegen 1860 München einen Strafstoß. Trotz der 1:2-Niederlage gegen den Zweitligisten erlebte Huppert einen ganz besonderen Tag. Im Interview spricht der 43-jährige Coach des SV Frankonia über Bilder, die sich einbrennen, und den langen Weg zum Elfmeterpunkt im Stadion an der Alten Försterei.

Herr Huppert, können Sie sich denken, warum wir anrufen?
Ronny Huppert: Vermutlich wegen des Saisonstarts mit Frankonia in die Landesliga Süd.

Das auch, aber es geht vor allem um ein besonderes Ereignis, dass nun genau 13 Jahre zurückliegt und bei dem Sie eine ganz besondere Rolle gespielt haben.
Achso, Sie meinen das Pokalspiel damals gegen 1860 München, stimmt, das war im August 2004 und ich habe damals einen Elfmeter verwandelt.

1:0-Führung für Germania Schöneiche im DFB-Pokal in der Alten Försterei

Was war das für ein Gefühl, in der Alten Försterei, in der die Partie ausgetragen wurde, einen Treffer zu erzielen.
Es war natürlich ein unbeschreiblicher Moment, als der Ball im Netz lag. Ich wollte als Kapitän Verantwortung für die Mannschaft übernehmen und war auch erleichtert, dass es geklappt hat, klar. Wir hatten zwar keinen Druck – wir konnten als Außenseiter ja nur gewinnen, aber ich hatte schon ein mulmiges Gefühl, bevor ich schoss, denn ich hatte als Abwehrspieler einen weiten Weg bis zum Strafstoßpunkt, auf dem man viel nachdenken konnte. Ich habe dann aber den wohl besten Elfmeter meiner Laufbahn geschossen. Die Momente danach gehören zu den Bildern von diesem Tag, die sich einbrennen und die man nicht vergisst.

1860 München mit Francis Kioyo bei Germania Schöneiche

Was ist noch in bleibender Erinnerung geblieben?
Beispielsweise eine Situation beim Warmmachen, als mir Francis Kioyo entgegenkam. Etwa zwei Meter groß, ein unglaublicher Schrank. Er war nicht der einzige große Name. 1860 München hatte damals eine richtig gute Truppe, die wollten nach dem Abstieg aus der ersten Bundesliga sofort wieder nach oben. Aber auch wir hatten eine gute Mannschaft, unter anderem spielten Jens Härtel, inzwischen Coach beim 1. FC Magdeburg, und der frühere DDR-Oberliga-Torhüter Jörn Dahms bei uns. Das Besondere war noch, dass viele selbst mal bei Union gespielt haben ob nun im Nachwuchs oder im Männerbereich.

War die Partie der Höhepunkt Ihrer Laufbahn?
Das ist schwer zu sagen. Sportlich gesehen ist der Meistertitel in der Brandenburgliga und der damit verbundene Aufstieg in die damals noch viertklassige Oberliga höher zu bewerten, denn dafür muss man eine ganze Saison konstant gut spielen. Wir haben auf jeden Fall einen sehr, sehr schönen Tag mit vielen tollen Leuten erlebt. Auch sportlich konnten wir mit der Partie, die nur 1:2 verloren ging, zufrieden sein.

Das Ergebnis war knapp: Wie dicht waren Sie an der Sensation?
Man muss fairerweise sagen: In der Schluss-Viertelstunde waren wir mit den Kräften am Ende, da wurde der Klassen-Unterschied deutlich. Selbst wenn wir uns in die Verlängerung gerettet hätten, wären wir eingebrochen. Es gab nach der 1:0-Führung die Chance zum 2:0 und es hätte noch einen Elfmeter für uns geben können. Es hätte uns also durchaus eine Überraschung gelingen können.

Eine Pokal-Überraschung haben Sie mit Wernsdorf, das Sie trainieren, gegen den Oberligisten Frankfurt verpasst, aber eine bemerkenswerte Leistung abgeliefert. Das erste Ligaspiel gegen Blankenfelde-Mahlow haben Sie verloren. Wie würden Sie den Saisonstart einschätzen.

Es war sicher mehr drin für uns, aber dass wir diese Spiele verloren haben, ist auch kein Beinbruch. Wir müssen nur die richtigen Schlüsse ziehen, die Spieler müssen verinnerlichen, dass in der Landesliga die Qualität der Gegner deutlich höher ist. Wir haben jetzt zwei Wochen Zeit, um uns auf die nächste Partie zu Hause gegen Blau-Weiß Briesen vorzubereiten. Die doch angespannte Personalsituation wird sicher bessern, wird werden dann zum zweiten mal in die Saison starten.