04. Dezember 2020 / 15:41 Uhr

Roscheck und sein Abschied vom SC DHfK: „Kann mir Trainerposition nicht wirklich vorstellen"

Roscheck und sein Abschied vom SC DHfK: „Kann mir Trainerposition nicht wirklich vorstellen"

Tilman Kortenhaus
Leipziger Volkszeitung
Bastian Roscheck (DHfK #19) nach dem Spiel
Bastian Roscheck spielt seine letzte Saison beim SC DHfK Leipzig. © Christian Modla
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Im Sommer endet für Abwehrspezialist Bastian Roschek nach acht Jahren die Zeit beim SC DHfK Leipzig. Im Interview spricht der 29-Jährige darüber, warum er seinen Vertrag bei den Messestädtern nicht verlängert, was er vom Spiel am Samstag beim HC Erlangen erwartet und wie er sich seine Handball-Zukunft vorstellt.

Leipzig. Die Handball-Karriere von Bastian Roscheck ist mit Leipzig verbunden wie kaum eine andere. Ex-Coach Christian Prokopp hatte den Youngster 2013 vom damaligen OSC Rheinhausen geholt – einen 21-jährigen Drittligaspieler mit zwei Ermüdungsbrüchen im Fuß, einer Schulterverletzung und einem Meniskusriss. Nicht alle hatten Roscheck beim ambitionierten SC DHfK eine Zukunft zugetraut. Heute kann der 29-Jährige auf eine mehr als erfolgreiche Karriere als Abwehrspezialist der Grün-Weißen zurückblicken, doch im Sommer verlässt der Routinier die Leipziger. Mit dem SPORTBUZZER sprach der Handballer über seine Zukunftspläne, seine Arbeit neben dem Bundesliga-Alltag, über neuroathletisches Training und den Sieg im Ostderby gegen Magdeburg.

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SPORTBUZZER: Sie sind in Ihrer achten Saison beim SC DHfK und ein fester Bestandteil des Vereins. Warum haben Sie sich dazu entschieden, den Verein im Sommer zu verlassen?

Bastian Roscheck: „Mir war schon länger klar, dass ich mich nochmal verändern möchte. Ich habe schon immer Herausforderungen gesucht, jetzt hat mir mein Bauchgefühl gesagt, dass der richtige Zeitpunkt gekommen ist.“

Von was für Veränderungen sprechen wir? Bleiben Sie dem Sport treu?

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„Ich habe auch weiterhin riesige Lust auf Handball und kann mir gut vorstellen, als Vollprofi aktiv zu bleiben – so muss es aber nicht kommen. Irgendwann in meinem Leben wird Handball einen anderen Stellenwert bekommen und beruflich nicht mehr die oberste Priorität haben. Wann dieser Zeitpunkt eintritt, weiß ich jetzt noch nicht.“

Zurück in die Heimat nach Nordrhein-Westfalen oder ins Ausland – für Sie alles vorstellbar?

„Wo es für mich als nächstes hingeht, entscheide ich gemeinsam mit meiner Frau und meinen beiden Kindern. Wir werden das machen, worauf wir als Familie am meisten Lust haben. Ich möchte da weder das Ausland noch andere Städte in Deutschland ausschließen. Vielleicht bleiben wir aber auch einfach hier wohnen.“

Viel Zeit für die Familie

Sie hatten schon immer ein Standbein außerhalb des Profisport. Wie schaffen Sie es einen Nebenjob und Bundesliga zu vereinen?

„Ich arbeite mehrere Stunden pro Woche in der Personalentwicklung bei DHL. So kann ich weiterhin meinen ganzen Fokus auf den Sport legen. Das Modell hat für alle Seiten immer gut funktioniert und ist für mich der perfekte Ausgleich.“

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Also streben Sie nach der Zeit als Profi eine Karriere in diesem Bereich an oder vielleicht doch als Handball-Coach?

„Eine Trainerposition kann ich mir in Zukunft noch nicht wirklich vorstellen. Ich möchte nach meiner Handballkarriere unbedingt ein richtiges Wochenende und viel Zeit für meine Familie haben. Es ist aber gut möglich, dass ich in ein paar Jahren anders darüber denke und meine Erfahrungen im Handball mit anderen teilen möchte.“

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Ihr letztes Jahr beim SC DHfK ist ganz schön verrückt. Sie haben sich sogar mit dem Coronavirus angesteckt. Wie haben Sie diese Wochen erlebt?

„In der gesamten Corona-Zeit hat unser Verein überragendes Krisenmanagement bewiesen. Wir wussten aber alle, dass es irgendwann jemanden treffen könnte. Dass wir so viele Fälle hatten, war sehr schmerzhaft für das ganze Team. Jetzt bin ich wirklich froh, dass die Krankheit bei mir einen milden Verlauf hatte und die kardiologische Untersuchung keine weiteren Folgen aufgezeigt hat.“

Mit zwei Punkten in den Dezember starten

Sie haben beim DHfK mit neuroathletischem Training angefangen. Wie kann ich mir das vorstellen?


„Ich war in Leipzig – fast direkt zu Beginn – verletzt und musste länger pausieren. Das neuroathletische Training hat mir sehr geholfen. Seitdem habe ich in den ganzen letzten Jahren zusammen vielleicht noch zehn Spiele verpasst. Wir haben nicht meine Hardware sondern die Software trainiert und an der Steuerung meiner Bewegungsabläufe gearbeitet. Inzwischen ist es fester Bestandteil meines wöchentlichen Trainings.“

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Wagen wir noch einen Blick voraus. Am Samstag geht es für Sie nach Erlangen. Glauben Sie an einen Sieg?

„Ich will auf jeden Fall mit zwei Punkten in den Dezember starten. Erlangen hat einen starken Kader, hat in dieser Saison aber zwei Gesichter gezeigt. Ich bin sehr gespannt, wie sie gegen uns auftreten werden. Fest steht, dass wir uns in Erlangen in den vergangenen Jahren immer schwer getan haben.“

Nach dem vergangenen Wochenende dürfte die Motivation zumindest stimmen. Wie haben Sie den Derby-Sieg wahrgenommen?

„Der Sieg gegen Magdeburg hat das ganze Team euphorisiert. Es war etwas ganz besonderes für uns und für unser Projekt hier in Leipzig. Karsten hat nach dem Sieg ein Tränchen verdrückt, das sagt eigentlich schon alles. Trotzdem hätte ich den Sieg natürlich gerne mit unseren Fans gefeiert.“

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