09. August 2019 / 14:50 Uhr

Rositzer Kegler verdreifachen Mitgliederzahl – Offene Türen für Menschen mit Behinderung

Rositzer Kegler verdreifachen Mitgliederzahl – Offene Türen für Menschen mit Behinderung

Jörg Wolf
Leipziger Volkszeitung
Jubel: Das Team der Lebenshilfe vom KSV Rositz gewann das diesjährige Kegelturnier für Menschen mit Behinderung.
Jubel: Das Team der Lebenshilfe vom KSV Rositz gewann das diesjährige Kegelturnier für Menschen mit Behinderung. © KSV Rositz
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Erst im September 2016 verließen die Kegler das Dach des SV Rositz und gingen als eigenständiger Kegelsportverein eigene Wege. Eine Erfolgsgeschichte, wie eine fast verdreifachte Mitgliederzahl verdeutlicht, was aber auch besondere Gründe hat.

Knapp drei Jahre ist es her, als die Rositzer Kegler sich vom örtlichen Sportverein loslösten und seitdem unter eigener Fahne als Kegelsportverein Rositz agieren. Wenn Vorsitzender Christian Simon auf diese vergleichsweise kurze Zeitspanne zurück blickt, dann tut er das fast schon ein wenig ungläubig. „Seitdem ist so viel passiert“, sagt der 39-Jährige. Das zeigt sich bei den aktuellen Mitgliederzahlen und reicht bis hin zu ehrgeizigen Bauprojekten. „Die Mitgliederzahl liegt derzeit bei 130 und hat sich damit fast verdreifacht. Denn als wir 2016 unseren KSV gegründet haben, waren es 44 Mitglieder“, berichtet der Vorsitzende nicht ohne Stolz. Bemerkenswert ist dabei nicht nur die beim Kegeln so typische breite Alterspalette, die vom Kind bis hinauf zum gestandenen Senioren reicht. „Konkret von 7 bis zu 79 Jahren“, so Simon. Unter den Neuzugängen sind sicher etliche Kegler, die schon in anderen Vereinen aktiv waren. Beispielsweise die 14 Sportler vom Meuselwitzer Kegelclub, die nach der Sperrung ihrer Bahn in Bünauroda in Rositz eine neue sportliche Heimat fanden.

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50 neue Mitglieder mit Handycap

Aber den größten Schub brachte beim KSV das große Engagement für Menschen mit Behinderungen. „Das ging bei unseren Feierlichkeiten zu 65 Jahre Kegeln in Rositz 2017 los. Da gab es erstmals ein Turnier für Menschen mit Behinderungen. Denn die von der Lebenshilfe Betreuten kamen ja schon vorher regelmäßig auf unsere Bahn zum Kegeln, organisiert durch den familienentlastenden Dienst der Lebenshilfe. Und das kam derart gut an, weil auch Starter der Lebenshilfe Borna sowie der Caritas aus Osterfeld dabei waren, dass wir dieses Turnier nun jedes Jahr ausrichten“, berichtet der Vereinschef. Die Anregung zu so einem Turnier kam übrigens von Lothar Albrecht, einem Rositzer Keglerurgestein und selber Vater einer behinderten Tochter. Und um diesen Menschen eine preiswertere und häufigere Nutzung der Bahn zu ermöglichen, wurden sie kurzerhand Vereinsmitglieder. Alles in allem zählt der KSV jetzt 50 Menschen mit Behinderung. „Für deren Betreuung zweimal pro Woche haben wir extra eine Stelle auf 450-Euro-Basis geschaffen.“

Ehrgeiziges Bauvorhaben

Der personelle Zuwachs und die speziellen Bedürfnisse der Mitglieder mit Handycap lassen aber auch die Baulichkeiten aus allen Nähten platzen. Weshalb Ende August ein vier mal acht Meter großer Anbau an die Bahn errichtet werden soll, der mehr Platz bietet. „Knapp 30 000 Euro sollen der Bau sowie die komplette Umrüstung der Kegelsportstätte auf sparsames LED kosten. Vieles erledigen wir dabei in Eigenleistungen. Aber es kommt auch ein Zuschuss vom Landessportbund aus der Sportstättenförderung über 11 000 Euro für das Mehrzweckfunktionsgebäude“ Alles wird selbstverständlich wie die gesamte Anlage barrierefrei errichtet.

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Landesmeisterschaften und Inklusionspreis

Das große Engagement des KSV hat sich mittlerweile herumgesprochen. Am 19. Oktober werden deshalb in Rositz die Landesmeisterschaften im Kegeln für Menschen mit Behinderung ausgetragen. Und dem 11. September fiebert man beim KSV Rositz mit besonderer Spannung entgegen. Denn dann wird in Mühlhausen der diesjährige Inklusionspreis des LSB vergeben. „Und wir sind unter den fünf qualifizierten Finalisten, worauf ich besonders stolz bin“, so Simon.