09. Januar 2021 / 18:51 Uhr

Rot für Wolfsburgs Arnold: Weghorst lacht, für Glasner war's "sehr hart"

Rot für Wolfsburgs Arnold: Weghorst lacht, für Glasner war's "sehr hart"

Andreas Pahlmann und Marcel Westermann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
 Platzverweis gegen Wolfsburgs Maximilian Arnold: VfL-Trainer Oliver Glasner (r.) fand die Entscheidung sehr hart.
Platzverweis gegen Wolfsburgs Maximilian Arnold: VfL-Trainer Oliver Glasner (r.) fand die Entscheidung "sehr hart". © imago images/Matthias Koch
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2:2 gegen bei Union Berlin - der VfL Wolfsburg kann mit einem Punkt in Unterzahl leben, ganz zufrieden ist er nicht. Vor allem weil der Platzverweis für Maximilian Arnold umstritten war.

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Das Spiel war umkämpft, die Punkteteilung gerecht - und doch wurde beim VfL Wolfsburg niemand das Gefühl los, dass irgendwie mehr drin gewesen ist, als dieses 2:2 am Samstag bei Union Berlin. "Wenn man das Spiel anschaut, mit einem Mann weniger, ist das 2:2 okay, aber wir wollten natürlich die drei Punkte mitnehmen", sagte VfL-Torschütze Renato Steffen nach dem Abpfiff. Aber wer in Unterzahl noch einen Punkt holt, ist eben nicht komplett unzufrieden. Für die Leistung zu zehnt verdiene die Mannschaft "ein Riesenkompliment", so Trainer Oliver Glasner und Wout Weghorst, der per Elfer für den Ausgleich (sein zehntes Saisontor) gesorgt hatte. "Der Punkt war am Ende verdient."

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Und es wäre gewiss mehr drin gewesen, hätte es nicht diese Szene in der 50. Minute gegeben. Zur Pause baute Glasner die VfL-Abwehr um (Josuha Guilavogui kam für den schwachen Marin Pongracic). "Marin hatte große Probleme mit der Luft, er ist noch nicht bei 100 Prozent. Nach 15 Minuten hatte er schon das erste Mal die Hände in den Knien", erklärte der Österreicher. Die neu formierte Abwehrkette war nicht auf Anhieb sortiert, nach einem Steilpass war Taiwo Awoniyi frei durch. Maximilian Arnold legt seine Hand etwas zu deutlich sichtbar auf die Schulter des Unioners, Schiri Robert Ittrich pfeift und zeigt zunächst auf den Elfmeterpunkt. Nach Hinweis des Videoschiris Tobias Welz ändert der Unparteiische seine Entscheidung, das Foul war vor dem Sechzehner. Am Notbremsen-Rot für Arnold (dritter Platzverweis seiner Karriere) änderte das freilich nichts. Und Robert Andrich löffelte den Ball zum 2:1 ins Tor.

<b>Koen Casteels</b>: Hat Glück bei seinem überflüssigen Ausflug in der 2. Minute, als Becker das leere Tore nicht trifft, löste ansonsten zunächst alle Probleme - auch die, für die seine Mitspieler per Rückpass sorgten - souverän. Allerdings: Bei Flanken ein paar leichte, ungewohnte Unsicherheiten. - Note 3. Zur Galerie
Koen Casteels: Hat Glück bei seinem überflüssigen Ausflug in der 2. Minute, als Becker das leere Tore nicht trifft, löste ansonsten zunächst alle Probleme - auch die, für die seine Mitspieler per Rückpass sorgten - souverän. Allerdings: Bei Flanken ein paar leichte, ungewohnte Unsicherheiten. - Note 3. ©

Aber war es überhaupt ein Foul? Arnold Mitspieler Weghorst musste lachen, als Sky ihm die Szene auf dem TV-Monitor zeigt. "Elfmeter? Fragen Sie das wirklich? Was sagen Sie?", entgegnete er dem Reporter. "Klar hat er kurz die Hand auf der Schulter, aber bei so einem Spiel, mit so vielen Zweikämpfen und mit überall Streit auf dem Platz, kann die Szene jeder für sich beantworten..." Auch Glasner beurteile den Platzverweis als "sehr hart. Live war es für mich klarer als bei den Fernsehbildern. Für uns war entscheidend, dass die Spieler die Entscheidung akzeptiert haben."



Zuvor hatte es lange gut ausgesehen für den VfL. "In der Anfangsphase waren wir richtig gut drin", fand Glasner. Auch dank Steffen, der mal wieder zeigte, dass er das kleinste Kopfball-Ungeheuer der Liga ist. Der 1.70-Meter-Mann köpfte den Ball nach Arnold-Ecke technisch äußerst sauber zum 1:0 für Wolfsburg ein. "Ich mache gerne Kopfbälle, ich habe auch keine Angst, in den Ball zu gehen", sagte er. "Das Timing ist entscheidend – und dann voll rein in den Ball. Ich werde den Jungs fürs nächste Mal ein paar Tipps geben..." Sechs seiner 13 Bundesliga-Tore hat der Schweizer nun per Kopf erzielt, aber: "Ich würde auch gern mehr mit dem Fuß treffen, das ist dann die nächste Aufgabe.."

Dass es ein Kampfspiel war, kam dem Flügelspieler entgegen. "Wir wussten, was uns erwartet. Natürlich ist die Spielweise von Union nicht so angenehm, aber ich habe damit kein Problem, ich kann dagegenhalten", so Steffen. "Gerade bei so einem Wetter war es auf dem Platz schwer. Aber als Fußballer kannst du nicht immer nur bei Sonnenschein spielen..." Weghorst sah es ein wenig anders: "Man muss das Spiel so angehen, aber ich spiele lieber schönen Fußball und bekomme den Ball schon gern in die Box geflankt. Aber solche Spiele gibt es nicht immer." Und: "Die erste Halbzeit hat mir nicht gefallen, da waren wir zu passiv, haben uns zu oft überraschen lassen. In der zweiten Halbzeit haben uns die Wechsel gutgetan."

Der VfL bei Union Berlin - Die Bilder

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Das Team des VfL Wolfsburg vorm Spiel ©

Nach dem Abpfiff führte der Weg von Steffen, Weghorst und Co. natürlich zu Robin Knoche, der nach 15 VfL-Jahren zum ersten Mal gegen Wolfsburg spielte. "Ich konnte die Farben ganz gut unterscheiden", so der Union-Innenverteidiger grinsend. Dass es gegen seinen Ex-Klub ging, konnte er "im Spiel ganz gut ausblenden", dass dann "hinterher das eine oder andere Wort ausgetauscht wird, ist auch normal". Auch er war mit der Punkteteilung nicht ganz zufrieden. "Mit einem Mann mehr haben wir versucht, die Lücken zu suchen. Da hätten wir das eine oder andere besser ausspielen können."

Im Gegensatz zum Arnold-Rot war der Elfmeter zum Wolfsburger Ausgleich in Unterzahl weit weniger umstritten. Josip Brekalo hatte abgezogen und traf die Hand von Marcus Ingvartsen, der dabei den Arm zu weit vom Körper weggestreckt hatte. Knoche: "Die Regelauslegung ist nun mal so. Marcus guckt aber nicht mal zum Ball, dreht sich weg und dreht die Hand auch mit weg. Aber den kann man schon geben."

Zuvor hatte es noch ein weitere Aufreger-Szene geben, als Christopher Trimmel beim Stand von 2:1 eine Ecke direkt verwandelte. Das Tor zählte aber nicht, weil Awoniyi nach Meinung des Schiris VfL-Torwart Koen Casteels auf der Torlinie weggeblockt hatte. Das allerdings sah Union-Trainer Urs Fischer ganz anders: "Unser Spieler kann sich nicht in Luft auflösen. Das ist für mich ein korrektes Tor!" Und so blieb es letztlich beim 2:2, mit dem Glasner leben konnte: "Dass wir in Unterzahl noch mal zurückgekommen sind, zeigt, dass wir gefestigt sind und einen guten Spirit in der Mannschaft haben."

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