27. Juni 2021 / 19:54 Uhr

Tschechien-Sensation nach Rot für de Ligt: Holland scheitert im EM-Achtelfinale in Unterzahl

Tschechien-Sensation nach Rot für de Ligt: Holland scheitert im EM-Achtelfinale in Unterzahl

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Tschechien hat sensationell das Viertelfinale der EM erreicht. Die Niederländer um Rot-Sünder Matthijs de Ligt sind ausgeschieden.
Tschechien hat sensationell das Viertelfinale der EM erreicht. Die Niederländer um Rot-Sünder Matthijs de Ligt sind ausgeschieden. © Getty Images
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Die Niederlande ist im Achtelfinale der Europameisterschaft ausgeschieden. Die Mannschaft von Bondscoach Frank de Boer verlor am Sonntag überraschend gegen Außenseiter Tschechien. Der Underdog profitierte dabei von einer Roten Karte für den niederländischen Verteidiger Matthijs de Ligt.

Die erste große Überraschung in der K.o.-Runde der laufenden Europameisterschaft ist perfekt. Die Niederlande muss bereits im Achtelfinale des Turniers die Segel streichen. Die Auswahl von Bondscoach Frank de Boer verlor ihre Partie in der Runde der letzten 16 am Sonntag gegen Tschechien mit 0:2 (0:0). Der Außenseiter profitierte dabei von einer Roten Karte für den niederländischen Verteidiger Matthijs de Ligt, der nach einem Handspiel als letzter Mann frühzeitig vom Platz musste (55.). Tomas Holes gelang in Überzahl und per Kopf kurz darauf der erste Treffer der Partie (68.). Patrik Schick sorgte mit seinem vierten Turniertreffer für die Vorentscheidung (80.), auf welche die Niederländer keine Antwort mehr fanden. Die Tschechen treffen im Viertelfinale am kommenden Samstag (18 Uhr) in Baku nun auf Dänemark, das sich am Vortag gegen Wales mit 4:0 durchgesetzt hatte.

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Nach einer überzeugenden EM-Vorrunde mit drei Siegen aus drei Partien ging die Niederlande als klarer Favorit ins Duell mit den Tschechen, die sich als einer der vier besten Gruppendritten für die K.o.-Phase qualifizierten. Vor 55.000 Zuschauern in der Puskas Arena in Budapest nahm die Elftal das Heft des Handelns von Beginn an in die Hand. Die logische Folge waren erste Annäherungsversuche der Niederländer an das Tor des Außenseiters, der ohne den verletzten Kapitän Vladmir Darida ins Spiel ging. Eine Direktabnahme von Memphis Depay (8.) fand jedoch genauso wenig das gewünschte Ziel, wie Denzel Dumfries, der den Ball nach einem weiten Schlag aus der eigenen Hälfte zunächst an Tschechien-Keeper Tomas Vaclik vorbeilegte, dann aber vom mitgeeilten Tomas Kalas geblockt wurde (13.).

Die Niederländer blieben auch in der Folge spielbestimmend, die nötige Durchschlagskraft im Angriffsdrittel ließ die Auswahl von Frank de Boer aber vermissen. Die beste Gelegenheit der ersten Hälfte hatte stattdessen der Underdog: Antonin Barak eilte der niederländischen Defensive nach Vorarbeit von Lukas Masopust vermeintlich auf und davon, de Ligt grätschte im letzten Moment jedoch aufopferungsvoll dazwischen und klärte zur Ecke (38.). Auf der anderen Seite spielte Depay kurz vor dem Pausenpfiff Patrick van Aanholt frei, dieser verstolperte jedoch aus Abseitsposition (45.+2). Die Tschechen verdienten sich letztlich mit einer ordentlichen Vorstellung das Remis zur Pause.

Den besseren Start in Durchgang zwei erwischte die Niederlande, kam durch Eindhoven-Angreifer Donyell Malen, der im Sturmzentrum den Vorzug vor Wout Weghorst vom VfL Wolfsburg erhielt, zur ersten Großchance. Nach einer starken Einzelleistung verzettelte dieser sich beim Versuch, Keeper Vaclik zu umspielen (52.). Im direkten Gegenzug dann der Schock für die Niederlande: De Ligt stoppte den Ball als letzter Mann im Fallen mit der Hand, Schiedsrichter Sergei Karasev aus Russland entschied nach Hinweis des Videoschiedsrichters und Studium der Videobilder auf Platzverweis (55.). Tschechien kam in Überzahl zu Möglichkeiten. Pavel Kaderabek wurde in aussichtsreicher Position zunächst noch von Dumfries geblockt (64.). Den Erfolg brachte dann eine Standardsituation: Eine Freistoßflanke von Barak beförderte Kalas an den zweiten Pfosten, wo Holes, der defensive Mittelfeldspieler von Slavia Prag, am höchsten stieg und zur Führung einnickte (68.).

Die Niederlande rannte nun an, blieb jedoch auch weiter zu unkreativ, um die solide stehende Defensive der Tschechen ernsthaft in Bedrängnis zu bringen. Auch offensiv versteckte sich die Mannschaft von Trainer Jaroslav Silhavy keineswegs, sondern sorgte immer wieder mit längeren Ballbesitzphasen für Verzweiflung beim Favoriten. Die Moral der Niederländer wurde endgültig gebrochen, als Schick zehn Minuten vor Schluss mit seinem vierten Treffer bei der laufenden EM nach Vorarbeit von Holes zum 2:0 einschoss (80.). Die Tschechen brachten den Sieg letztlich über die Zeit und sorgten damit für die erste Sensation im Achtelfinale.