24. April 2020 / 17:50 Uhr

Kein Platz, keine Umkleiden: So kämpft Roter Stern Flensburg ums Überleben

Kein Platz, keine Umkleiden: So kämpft Roter Stern Flensburg ums Überleben

Annika Langhorst
Einige engagierte Mitglieder vom Roten Stern Flensburg. Das Foto entstand natürlich noch vor der Corona-Krise.
Einige engagierte Mitglieder vom Roten Stern Flensburg. Das Foto entstand natürlich noch vor der Corona-Krise.
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Der Rote Stern Flensburg hat die Probleme, mit denen viele Amateurvereine in Deutschland tagtäglich zu kämpfen haben: keine eigenen Sportplätze, keine Flutlichtanlage, kein Vereinsheim sowie keine Umkleiden mit Duschen. Vielleicht oder gerade wegen seiner sozialen Ausrichtung erfreut sich der alternative Verein aber großer Beliebtheit. Die Zahl der Mitglieder nimmt rasant zu. 

Dieser Artikel ist Teil der Amateurfußball-Initiative #GABFAF. Mehr Infos dazu auf gabfaf.de.

"Platzangst" - Die Situation beim Sportverein Roter Stern Flensburg lässt sich mit dem Namen dieser eigens gestarteten Initiative vermutlich am besten beschreiben. Viele Vereine kämpfen mit sinkenden Mitgliederzahlen und müssen Mannschaften aufgrund von Spielermangel abmelden. Nicht so bei Roter Stern. Die haben sich in den vergangenen neun Jahren sogar versiebenfacht. Einer der Gründe ist die soziale Ausrichtung des Vereins. Der alternative Klub ist stolz auf seine soziale und gesellschaftskritische Ausrichtung: Soziale Integration und nachhaltiger Umgang mit der Umwelt sind zwei der Ziele, die sich der Rote Stern gesetzt hat. Eine Mitgliedschaft ist für jeden möglich, unabhängig von Herkunft und Einkommen. "Sämtliche Sportarten sollen unabhängig von Leistungszwängen und Diskriminierungen ausgeübt werden, wir legen Wert auf Fairness und Gruppenzusammenhalt. Bei uns ist jeder willkommen", sagt Steffen Hinrichsen, zweiter Vorsitzender des Vereins und Trainer der ersten Herrenmannschaft. Der Verein mit seinen vielen Sportarten ist so bunt wie seine Mitglieder. Hier kommen Menschen mit ein und derselben Leidenschaft zusammen: dem Sport. Damit dies auch so bleibt, ist der Verein auf ständiger Suche nach weiteren Sportplätzen und Trainingszeiten.

Hilfsaktion für Amateure

Trotz der chaotischen Zustände ist der Gruppenzusammenhalt laut dem Trainer enorm: "Die Mitglieder unterstützen sich gegenseitig, indem sie Fahrgemeinschaften bilden und neue Ideen für den Verein anbringen. Wir alle kämpfen seit der Vereinsgründung 2009 für bessere Bedingungen". Doch auch eine eigens gestartete Petition unter dem Namen „(Ein) Platz für den Roten Stern“ mit über 2000 Unterschriften konnte nicht die gewünschte Wirkung erzielen.

Fairness und Zusammenhalt sind besonders wichtig

Die Besonderheit des alternativen Vereins ist seine soziale und gesellschaftskritische Ausrichtung: Soziale Integration und nachhaltiger Umgang mit der Umwelt sind zwei der Ziele, die sich der Rote Stern gesetzt hat. Eine Mitgliedschaft ist für jeden möglich, unabhängig von Herkunft und Einkommen. "Sämtliche Sportarten sollen unabhängig von Leistungszwängen und Diskriminierungen ausgeübt werden, wir legen Wert auf Fairness und Gruppenzusammenhalt. Bei uns ist jeder willkommen", sagt Steffen Hinrichsen, zweiter Vorsitzender des Vereins und Trainer der ersten Herrenmannschaft. Der Verein mit seinen vielen Sportarten ist so bunt wie seine Mitglieder. Hier kommen Menschen mit ein und derselben Leidenschaft zusammen: dem Sport. Damit dies auch so bleibt, ist der Verein auf ständiger Suche nach weiteren Sportplätzen und Trainingszeiten.

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Das Amateurfußball-Bündnis #GABFAF wurde am 15. März 2019 ins Leben gerufen. Hier zehn besondere Momente aus dem ersten Jahr:

Überraschung, Freude, Jubel, Rührung: Das #GABFAF-Team hat in der Galerie seine Lieblingsmomente zusammengestellt. Zur Galerie
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Begrenzte Nutzungszeiten

Seit seiner Gründung im Jahr 2009 trainieren die Mitglieder auf einem Sportgelände in Glücksburg oder auf einer Schul-Sportanlage in Flensburg. Die Sanitäranlagen und Umkleiden der Schule können jedoch nicht während der Trainingszeiten, sondern nur zu den Heimspielen in Anspruch genommen werden. So kann die Fußballsparte den Platz lediglich viermal wöchentlich zu jeweils 90 Minuten nutzen.

In den Ferien, sowie im Herbst, Frühjahr und bei Regen sogar noch seltener. Für die Damen- und Seniorenmannschaften sind keine Spielzeiten im Winter möglich. "Der Rote Stern Flensburg ist der einzige Verein ohne festen Sportplatz in der Stadt. Und das seit seiner Gründung vor elf Jahren", sagt Hinrichsen. Der Sportplatz in Glücksburg wurde auch damals schon genutzt, sollte aber nur eine Übergangslösung sein. Später kam der Platz der nahe gelegenen Schule, wo jedoch die Nutzungszeiten von Beginn an stark eingeschränkt und an die späten Abendstunden gebunden waren.

Mehr von #GABFAF

Trotzdem ist der Verein gut aufgestellt: Fast jede Mannschaft hat einen eigenen Trainer und ständig kommen neue Mitglieder dazu. Doch die Trainingsbedingungen für die knapp 150 Sportler sind problematisch. Besonders für die Damenmannschaften gestaltet sich das wöchentliche Training schwierig. Sie müssen Fahrgemeinschaften bilden, um auf dem Platz in Glücksburg zu spielen. "Auch wenn die Mitglieder das Training seit Jahren in dieser Form praktizieren, kann dies nicht die Ideallösung sein", meint Hinrichsen. Er und seine Kollegen müssen Material und Ausrüstung lagern und transportieren, da Lager Räume und Spinde fehlen.


"Spende Deine Trikotnummer": Diese Promis unterstützen die Corona-Hilfsaktion. Mehr Infos auf gabfaf.de/trikotnummer

Promis wie beispielsweise Kommentator Wolff Fuss (von links), Politiker Cem Özdemir oder auch Nationalspieler Jonas Hector sind bei der Hilfsaktion #Spendedeinetrikotnummer mit dabei. Zur Galerie
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Wie ist Vereinsleben so möglich? In den vergangenen Jahren hätten lediglich zwei Fußballer den Verein aufgrund der Probleme verlassen, sagt Hinrichsen. Ansonsten haben sich die Mitgliederzahlen in den neun Jahren sogar versiebenfacht. Grund dafür dürfte auch die soziale Ausrichtung des Vereins sein. Trotz der chaotischen Zustände ist der Gruppenzusammenhalt laut dem Trainer enorm: "Die Mitglieder unterstützen sich gegenseitig, indem sie Fahrgemeinschaften bilden und neue Ideen für den Verein anbringen. Wir alle kämpfen seit der Vereinsgründung 2009 für bessere Bedingungen". Doch auch eine eigens gestartete Petition unter dem Namen „(Ein) Platz für den Roten Stern“ mit über 2000 Unterschriften konnte nicht die gewünschte Wirkung erzielen.

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„Wir bleiben trotz der Widerstände leistungsorientiert und wollen unseren Spielern hochwertiges Fußballtraining bieten“, sagt Hinrichsen zuversichtlich. Die Flensburger bleiben weiter auf der Suche nach geeigneten Trainingsorten und hoffen auf eine baldige Verbesserung der Umstände, damit der Sport neben all den finanziellen Sorgen und organisatorischen Schwierigkeiten nicht zur Nebensache wird.