25. Oktober 2021 / 19:30 Uhr

Roter Stern II verlässt den Platz, Stötteritz fühlt sich erpresst: Spielabbruch sorgt für Zwiespalt

Roter Stern II verlässt den Platz, Stötteritz fühlt sich erpresst: Spielabbruch sorgt für Zwiespalt

Frank Müller
Leipziger Volkszeitung
Symbolbild
Kurz nach dem Anpfiff waren die Spieler von Roter Stern demonstrativ vom Platz gegangen, wodurch sie vermutlich aus dem Pokal ausscheiden. © Christian Modla
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Kaum war die Stadtpokalpartie bei der Zweiten des SSV Stötteritz angepfiffen, verließen die Spieler der Reserve von Roter Stern Leipzig den Platz. Grund dafür ist die Teilnahme eines Kickers der Gastgeber beim Neonazi-Angriff auf den Stadtteil Connewitz vor sechs Jahren. Den Sternen droht nun der Pokalausschluss.

Leipzig. In der 2. Runde um den Fußball-Stadtpokal gab es keine Überraschungen, zumindest keine sportlichen. Dafür eine eher politische, die Reserve von Roter Stern kam bei der des SSV Stötteritz zunächst mit aufs Spielfeld – um es dann demonstrativ gleich nach Anpfiff wieder zu verlassen. Formal ein „Spielabbruch“.

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Was war der Grund für die Aktion der Sterne? „Vor Spielbeginn wurde bekannt, dass auf Seiten des SSV mit Florian H. ein Täter des Neonazi-Angriffs auf den Stadtteil Connewitz am Spiel teilnehmen sollte. Für das zweite Herrenteam des RSL kommt es nicht in Frage, das Spielfeld mit verurteilten Connewitz-Angreifern zu teilen und gemeinsam dem geliebten Hobby nachzugehen“, schreiben die Gäste in einer Pressemeldung. Sie stellten damit klar, „dass antifaschistische Überzeugungen auch auf dem grünen Rasen gelten“, heißt es weiter. Man habe zuvor versucht, die Gastgeber dazu zu bewegen, auf den Einsatz des Spielers zu verzichten. „Das hat sich eher wie eine Erpressung angefühlt“, befindet SSV-Trainer Lars Manicke. „Der betroffene Junge ist bei uns überhaupt nie politisch auffällig geworden und hat seine Strafe bekommen. Das Ganze ist sechs Jahre her.“

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Das frühzeitige Ausscheiden nahmen die Sterne in Kauf, denn anders wird das fällige Sportgerichts-Urteil kaum lauten. RSL-Spieler Martin Siegel erklärte: „Es gibt bestimmte Grundsätze, die sind wichtiger als ein Pokal! Gemeinsam mit jemandem zu kicken, der mit gewalttätigen Neonazis ein alternatives Stadtviertel überfällt, ist nicht drin!“

Zur Klarstellung: In Connewitz wohnen auch Leute, die sich nicht als „alternativ“ verstehen. Und inwieweit man seine politischen Überzeugungen auf dem Sportplatz (er-)klären muss, sei dahingestellt.

Auf den restlichen 31 Plätzen wurde nicht demonstriert, sondern gespielt. Auffällig an den Paarungen waren die zahlreichen, sehr praktischen Nachbarschaftsduelle. Da könnte man glatt an gewisses „Wohlwollen“ bei der Auslosung denken. Egal, in dieser Runde der kurzen Wege setzten sich stets die Favoriten durch, allen voran Pokalverteidiger SV Panitzsch/Borsdorf, der bei Tapfer II ein ganzes Dutzend einnetzte – 12:0.