19. April 2017 / 19:41 Uhr

RSL:  Immer noch keine Gerichtsverfahren zu den Angriffen im Januar 2016

RSL:  Immer noch keine Gerichtsverfahren zu den Angriffen im Januar 2016

Pressemitteilung Verein
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Der Rote Stern Leipzig ist in der Vergangenheit Opfer politisch motivierter Anschläge geworden. Nun treten sie gegen Teams an, in deren Reihen sich möglicherweise Tatbeteiligte befinden.
Die Spieler und Mitglieder des Connewitzer Vereins positionieren sich regelmäßig gegen Faschisten und Diskriminierung im Sport. © Hans-Christian Karger
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Der Rote Stern Leipzig will eine Diskussion um eine klare und belastbare Linie gegenüber neofaschistischen und diskriminierenden Tendenzen im Sport anstoßen.

Connewitz (Pressemitteilung Roter Stern Leipzig). Am 22. April 2017 spielen die ersten Herren von Roter Stern Leipzig auswärts beim Bornaer SV. Zeitgleich tritt die dritte Vertretung des Vereins beim TSV Seegeritz an. Die zweite Männermannschaft spielt einen Tag später beim Leipziger FC 07. Bei allen drei gegnerischen Teams sind Fußballer aktiv, die am 11. Januar 2016 von der Polizei im Nachgang des Angriffs auf Connewitz festgesetzt wurden. Im Januar 2016 hatten 250 Neonazis und Hooligans auf der Wolfgang-Heinze-Straße randaliert – der Fischladen, Vereinsheim von Roter Stern, war ebenfalls ein Ziel. Noch immer gibt es keine Gerichtsverfahren.

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Der SFV will Vereine sensibilisieren

Vor diesem Hintergrund hat der Rote Stern Leipzig in den vergangen Wochen verschiedene Gespräche mit den Verbänden und gastgebenden Vereinen gesucht. Beim turnusmäßigen städtischen Kooperationsgespräch waren auch Vertreter der Polizei anwesend. Grundsätzlich stieß der RSL auf Offenheit gegenüber der Problemlage: Der Sächsische Fußballverband und der Landessportbund Sachsen sind aktiv geworden. Der LSB unterstützt mit verschiedenen Programmen auch Breitensportvereine auf Anfrage bezüglich Demokratieförderung und Gewaltprävention. Darüber hinaus hat der SFV den Connewitzern zugesichert, die betreffenden Vereine zu sensibilisieren. Allerdings sieht der SFV seine Zuständigkeit nur im Bereich der sportlichen Aktivitäten.

Der Bornaer SV geht offen mit der Problematik um. Er hat neben internen Ansprachen eine Presseerklärung veröffentlicht sowie die Unterstützung des LSB angenommen. Außerdem beteiligt er sich an der vom Flexiblen Jugendmanagement und dem Kreissportbund Leipziger Land organisierten Rundreise der Ausstellung „Strafraum Sachsen 2.0“ zu diskriminierendem Verhalten im Fußball. Gegenüber dem RSL hat der Bornaer SV zugesichert, für den Spieltag auf die Tatverdächtigen zu verzichten. Beim Spiel des Frauenteams des RSL am 2. April 2017 wurde gemeinsam mit dem gastgebenden Bornaer Team ein antifaschistisches Transparent zu Spielbeginn präsentiert. Der TSV hatte ebenfalls eine öffentliche Erklärung abgegeben, diese aber zwischenzeitlich wieder entfernt. Des Weiteren hat er ebenfalls den Verzicht auf die entsprechenden Spieler am Spieltag gegenüber dem RSL bestätigt. Mit dem LFC steht der RSL ebenfalls in Kontakt.

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Gespräche auf Augenhöhe

Für den Roten Stern Leipzig, der seit Bestehen gegen Faschisten und Diskriminierung im Sport eintritt, ist die Lage unbefriedigend. Zwar konnten Gespräche auf Augenhöhe geführt, aber lediglich kurzfristige Ergebnisse erzielt werden. „Wenn anderthalb Jahre nach dem Angriff noch keine Gerichtstermine absehbar sind, muss dies vom Freistaat eingefordert werden. Wir wollen außerdem eine Diskussion um eine klare und belastbare Linie zum Thema mit den Verbänden anstoßen“, sagt Conrad Lippert, Pressesprecher des RSL. Die Verbände positionieren sich in Satzung und Verlautbarungen gegen Diskriminierung und Gewalt. Nun muss diskutiert werden, was dies im konkreten Fall in der Realität bedeutet. Der RSL ist weiterhin gesprächsbereit und an einem breiten Austausch interessiert.

PM Roter Stern Leipzig