13. August 2020 / 10:33 Uhr

RSV Eintracht 1949: Aufbruch in eine neue Ära

RSV Eintracht 1949: Aufbruch in eine neue Ära

Stephan Henke
Märkische Allgemeine Zeitung
RSV Eintracht - TSV Rudow, Testspiel, Saison 2020/2021, 09.08.2020, Stahnsdorf, Foto: Benjamin Feller
Im letzten Testspiel holte der RSV Eintracht einen 0:3-Rückstand gegen den TSV Rudow auf. © Benjamin Feller
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NOFV-Oberliga Nord: Die Stahnsdorfer starten in ihre erste Fußball-Oberliga-Saison – Die Entwicklung soll weitergehen.

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Michael Grunwaldt sehnt bereits den Sonnabend herbei. „Wenn wir am Samstag das erste Oberligaspiel in der Vereinsgeschichte machen, dann ist das für uns ein historisches Ereignis“, sagt der Vereinsvorsitzende des RSV Eintracht 1949 mit Blick auf die Partie gegen Lok Stendal (14 Uhr). „Ohne zu pathetisch zu werden, aber das ist ein großer Schritt für die ganze Region. Sicherlich wurde zu DDR-Zeiten hier auch großer Fußball gespielt. Aber für die Nachwendezeit ist das einmalig.“ Die Fußballer aus Stahnsdorf sind dort angekommen, wo sie noch nie waren, „die Oberliga ist für uns ein großer und schöner Schritt, den wir uns vor zehn Jahren nicht vorgestellt hätten“, sagt Grunwaldt.

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Als Aufsteiger gelang direkt der Durchmarsch durch die Brandenburg- in die Oberliga. „Wir haben vor drei Jahren einen Plan gemacht, dass wir in vier Jahren in die Oberliga aufsteigen wollen. Das haben wir jetzt ein Jahr früher geschafft“, sagt Patrick Hinze. Der 34-Jährige übernahm vor drei Spielzeiten die Männermannschaft in der Landesliga Nord, seither nahmen die RSV-Fußballer noch mehr Fahrt auf, unter anderem wurden die Strukturen rund um die Mannschaft weiter professionalisiert.

Starke Jugendarbeit

Dabei speist sich die Mannschaft vor allem aus Spielern aus dem Nachwuchsbereich, kein Brandenburger Verein hat mehr Jugendteams im Spielbetrieb als der RSV. „Wir ernten jetzt, da bin ich auch super stolz drauf, die Früchte unserer Jugendarbeit“, sagt Grunwaldt. Nur der 30-jährige Dima Ronis hebt den Altersschnitt des Teams ein bisschen, sonst ist kein Spieler älter als 25 Jahre. Und dieses Credo soll auch nicht in der Oberliga über Bord geworfen werden, „wir haben bewusst gesagt, wir wollen den Jungs, die uns hierher gebracht haben, die Möglichkeit geben, sich in der Oberliga zu präsentieren“, ergänzt Hinze.

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Dass die Dominanz, die der RSV in den vergangenen Jahren auf Landesebene ausgestrahlt hat, in der Oberliga nicht so weitergehen wird, dessen ist sich der Trainer bewusst. „Das erste und wichtigste Ziel ist es, dass wir unsere Mannschaft in der Oberliga etablieren, genauso wie die Spieler“, sagt der A-Lizenz-Inhaber, der als B-Jugendlicher mit Hertha BSC deutscher Meister wurde. Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren, in denen die Gegner den RSV meist das Spiel machen ließen, rechnet Hinze nun damit, dass seine Mannschaft auch häufiger dem Ball hinterherlaufen müsse. „Die Jungs haben schon gemerkt, dass es ein anderes Tempo ist, wenn man gegen Babelsberg, Luckenwalde oder Tebe spielt. Das ist schon eine andere Welt und die Jungs müssen näher ans Limit gehen“, sagt der ehrgeizige Trainer mit Blick auf die Testspiele gegen die Regionalligisten.

Problem bei der Infrastruktur

Gegen den Potsdamer Nachbarn aus Babelsberg gelang dabei sogar ein 2:1-Erfolg. „Wir orientieren uns an solchen Mannschaften, die wir früher von unten angeschaut haben. Aber im Testspiel hat man gesehen, dass wir sportlich von Babelsberg gar nicht so weit weg sind“, sagt Hinze und fügt an: „So viel trennt uns auch finanziell nicht mehr von Babelsberg. Wir wissen aber, dass wir das größte Problem mit der Infrastruktur haben. Deshalb müssen wir uns erst einmal sportlich etablieren.“

In Bildern: Der RSV Eintracht gewinnt mit 2:1 gegen den SV Babelsberg 03.

Der RSV Eintracht (weiße Trikots) gewinnt durch zwei Tore von Julian Rauch mit 2:1 gegen den SV Babelsberg 03. Daniel Frahn bleibt nur der Anschlusstreffer. Zur Galerie
Der RSV Eintracht (weiße Trikots) gewinnt durch zwei Tore von Julian Rauch mit 2:1 gegen den SV Babelsberg 03. Daniel Frahn bleibt nur der Anschlusstreffer. © Benjamin Feller

Mit einem Etat um die 130 000 Euro sieht er den Verein im hinteren Feld der Oberliga, andere Teams hätten teilweise mehr als das Doppelte zur Verfügung, sagt Hinze. Doch nicht fehlendes Geld sei ein mögliches Hindernis für einen anhaltenden Aufschwung der Fußballabteilung des Großvereins. Hinze gibt sich optimistisch, dass der Verein noch weitere Sponsoren finden könne. Die Region hat Potenzial, viele junge Familien siedeln sich im prosperierenden südlichen Umland von Berlin an.

Vielmehr sei die Infrastruktur, die für die Oberliga noch ausreichend ist, für einen möglichen Gang in die Regionalliga – wo Hinze sein Team mittel- bis langfristig sieht – nicht geeignet. „Rein sportlich muss man das Ziel ausgeben, rein infrastrukturell ist es auf der Sportanlage nicht möglich“, sagt Grunwaldt. Eine mobile Tribüne mit gut 100 Sitzplätzen wird wohl frühestens zur Saison 2021/22 stehen. Der Sportplatz an der Zillestraße hat beispielsweise keinen separaten Eingang für die Gästefans, auch ein Flutlicht fehlt. „Es würde schon alleine daran scheitern, dass wir aufgrund der Wohnbebauung kein Flutlicht aufstellen dürfen“, erklärt Grunwaldt das Problem. „Ich würde es mir auch anders wünsche, aber dann müsste man über einen völlig anderen Standort nachdenken.“

RSV will Fans anziehen

Doch das ist noch Zukunftsmusik, „jetzt geht es darum, dass wir Interesse wecken. Die Leute sollen gerne zu uns kommen. Dienstags beim Bäcker sollen sie sagen, wir sehen uns Samstag beim RSV“, sagt Patrick Hinze. Für die Partie am Sonnabend wurden 100 Karten von Stendal-Fans geordert, mit weiteren 200 bis 300 Heim-Zuschauern rechnet der Trainer, obwohl er nicht unbedingt einen fußballerischen Leckerbissen erwartet. „Sie sind sehr unbequem, ich glaube nicht, dass sie fußballerisch überzeugen, da geht viel über den Willen. Ich schätze, dass sie tief stehen und auf Konter spielen, da müssen wir zweikampftechnisch dagegenhalten“, meint der Trainer. Es ist der erste Prüfstein für die RSV-Elf, das erste Spiel sei ein „Meilenstein“, sagt Michael Grunwaldt, „und ich hoffe, dass wir unsere Oberligatauglichkeit unter Beweis stellen können“.