22. Mai 2020 / 17:45 Uhr

Rückkehr in die Sporthalle naht: Warum einige Klubs so sehnlich darauf warten

Rückkehr in die Sporthalle naht: Warum einige Klubs so sehnlich darauf warten

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Ihr Sport funktioniert nur in der Halle: Viele Athleten warten sehnlich auf die Rückkehr unters Dach.
Ihr Sport funktioniert nur in der Halle: Viele Athleten warten sehnlich auf die Rückkehr unters Dach. © Photowerk
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Darauf haben alle Sportler gewartet, die Öffnung der Hallen rückt näher. Die Landesregierung hat sie für kommende Woche in Aussicht gestellt. Einige Klubs sind besonders dringend auf ihre Halle angewiesen. 

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Es dürfte klappen mit den Hallenöffnungen nächste Woche. Die Stadt Wolfsburg will die Klubs bereits nächste Woche über Details und Starttermine informieren, so teilte sie am Freitag mit. Auch die Gifhorner Sportler warten auf die Rückkehr unters Hallendach. Der Sportbuzzer hörte sich um in Bereichen, wo die Öffnung besonders herbeigesehnt wird.

Radball und Kunstrad

Im Zimmer von Mona Komnick ist das Kunstrad in einen Rollentrainer (so wie ihn die Rennradfahrer nutzen) eingespannt. "Man kann Übungen auf dem Rad trainieren", sagt Vater und RSV-Vorsitzender Andre Komnick. Aber um den Sport wirklich ausüben zu können, "muss das Rad auf dem Parkett rollen". Seine Kunstradfahrer und Radballer sind zwingend auf den Hallenboden angewiesen, hoffen auf die baldige Öffnung, "Das Go haben wir von der Stadt noch nicht." Aber es komme meist ein paar Tage, nachdem das Land Niedersachsen die nächsten Lockerungen bekanntgegeben hat. "Am Montagabend haben wir Vorstandssitzung. Dann sollten wir es wissen." Vom Bund Deutscher Radfahrer gibt es Richtlinien zur Rückkehr in die Hallen, der RSV wird vor diesem Hintergrund in der kommenden Woche sein Konzept erarbeiten. "Wir wollen nach Pfingsten wieder einsteigen", sagt der Löwen-Vorsitzende. Wichtig wird sein: Wann darf es beim Kunstradtraining die wichtigen Hilfestellungen - vor allem bei den Jüngsten geben? Wann dürfen die Radballer ins Spieltraining einsteigen? "Uns geht es da nicht anders als den Fußballern. Auch Radball ist ohne Kontakt nicht möglich", sagt Andre Komnick, der in seinen Sparten spürt, wie groß die Vorfreude ist: "Alle Kinder schreiben mich an: 'Wann geht es endlich wieder los?'"

Trampolin

Sehr auf die Halle angewiesen sind Trampolin-Aktive. Dort stehen ihre Wettkampfgeräte. Trainerin Bianca Baumgärtner von der Turntalentschule des MTV Vorsfelde ahnte schon vor einigen Wochen, dass es ein schweres Comeback werden wird. Mehr als zwei Wochen Pause gibt es sonst nie. Je eher es wieder los geht, desto besser. Was Baumgärtner weiß: "Unsere Top-Talente können auf jeden Fall nächste Woche wieder in die Landesstützpunkte zum üben." Für die Rückkehr in die Dreifeldhalle in Reisligen-Südwest wartet sie auf das Signal. Das Hygiene-Konzept steht längst. Einige turnerische Übungen wurden in den vergangenen Wochen im Freien absolviert, das Training in der Halle kann dadurch nicht ersetzt werden, die Aufbauphase wird dauern, zumal die Übungsgruppen im Rahmen des Corona-Konzepts keliner ausfallen müssen und dadurch die Übungszeiten für jede Einzelne kürzer werden. Allerdings sind die Wettkämpfe größtenteils abgesagt, für die deutsche Meisterschaft besteht noch Hoffnung.

Badminton

Große Vorfreude auch beim BV Gifhorn. Die Badminton-Spieler hoffen auf das OK für den Start zur Rückkehr. Outdoor-Spiele können nicht ernsthaft in Betracht gezogen werden, die nötige Windstille ist nur ein Punkt, der nur unterm Hallendach erfüllt werden kann. "Unser Konzept ist quasi fertig, wir können schnellstmöglich starten", sagt BVG-Coach Hans-Werner Niesner. Der Hygieneplan steht, gleiche Trainingsgruppen, immer derselbe Trainingspartner, keine Wechsel der Spielfeldseiten - der Verein hat sich schon länger Gedanken gemacht. Einverständniserklärungen müssen unterzeichnet werden, um eine mögliche Haftung des geschäftsführenden Vorstands auszuschließen. Der BVG-Coach hat die vorerst neue Heimat seiner Sportler bereits begutachtet. Da in der OHG-Halle ab dem 2. Juni Renovierungsarbeiten (Dach und Fußboden) starten, geht es zunächst in die Adam-Riese-Schule. "Jetzt muss sie nur noch freigegeben werden."

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Tischtennis

Die Saison wurde abgebrochen, gemeinsame Trainingseinheiten gab es lange nicht mehr - die Tischtennis-Szene der Region brauchte einen sehr langen Atem. Axel Bach, Aktiver und Spartenleiter beim MTV Hattorf, der mit zwölf Mannschaften eine der größten Abteilungen unterhält, weiß: "Die Aktiven brennen auf die Rückkehr." Ein Hygienekonzept, erarbeitet mit dem deutschen Tischtennis-Bund, steht. "Im Tischtennis gibt es viele ältere Aktive, für sie hätte die Rückkehr ins Training auch eine wichtige soziale Komponente", so Bach. Mal abgesehen davon, dass nicht alle eine Platte oder passende Spielpartner daheim haben. Was die soziale Komponente angehe, erläutert Bach: "Wir haben jüngst mal eine Spartenversammlung im Freien abgehalten. Mit Abstand, wie es sein soll, aber das ist schon besser als die Telefon- oder Videokonferenzen, zu denen zudem nicht jeder Zugang findet." Dank der fast drei Meter langen Platten wäre Abstand nie das Problem, Tischtennis könnte leicht in den Spielbetrieb zurückzukehren, die Saison soll ohne Doppel gespielt werden. Einen Haken aber gibt es: die nach aktuellem Stand geforderte Einzelanreise. Bach mit Blick auf Kosten und Logistik: "Wie soll das in den hohen Spielklassen gehen?"

Turnen

Die Turnerinnen des TSV Vordorf hatten sich nach der Öffnung der Sportplätze bereits wieder gemeinsam auf der Anlage des Vereins fit gehalten. Dies sei laut Trainerin Kim Ellmerich nicht ausreichend gewesen. "Das Outdoor-Training ist nur für die Basics, aber in der Turnhalle haben wir die Geräte, das kann man so draußen nicht trainieren. Dort haben wir die Matten zur Verfügung, das ist auch ein Sicherheits-Aspekt." Ob die kleine Turnhalle der Grundschule Vordorf, in der der TSV trainiert, am Montag bereits wieder geöffnet wird, weiß Ellmerich nicht: "Das wird aktuell geklärt, es muss noch ein Konzept geschrieben werden, damit die zwei Meter Abstand eingehalten werden können." Ellmerich geht von einer Zwischenlösung von Außen- und Hallentraining aus. Erwärmung und Ausdauer im Freien, Gerätetraining in der Halle. Die Turnerinnen würden in Gruppen eingeteilt und in zeitlichen Abständen an unterschiedlichen Stationen trainieren. Von ihren Sportlerinnen bekam Ellmerich nach Bekanntgabe der baldigen Öffnungen der Hallen prompt Nachrichten zugeschickt. "Die freuen sich riesig darüber", gleichzeitig bremste Ellmerich die Euphorie. "Ich muss auf das Go vom Vorstand warten, hoffe aber sehr auf einen Start am Montag in der Turnhalle."