04. September 2019 / 13:07 Uhr

Rückkehr nach 29 Jahren: Mit Aue kann Schuster endlich im Osten glänzen

Rückkehr nach 29 Jahren: Mit Aue kann Schuster endlich im Osten glänzen

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Dirk Schuster coacht sein Team an der Seitenlinie gegen Kiel
Dirk Schuster coacht sein Team an der Seitenlinie gegen Kiel © Archiv
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Für Aues neuen Cheftrainer Dirk Schuster schließt sich nach 29 Jahren der Kreis. Der ehemalige Fußball-Nationalspieler arbeitet wieder im Osten. Schuster kehrt mit vielen Erfolgen, Erfahrungen und Tatendrang zurück.

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Aue (dpa) – Es war im Sommer 1990. Dirk Schuster, damals 22 Jahre jung, verlässt den 1. FC Magdeburg, um sich dem damaligen Zweitligisten Eintracht Braunschweig anzuschließen. 29 Jahre später wurde er vor wenigen Tagen als neuer Trainer bei Erzgebirge Aue vorgestellt. «Es ist ein tolles Gefühl, wieder zu Hause zu sein und den familiären Anschluss zu haben», erzählt Schuster nach seiner Rückkehr in den Fußball-Osten. Er macht nicht nur aus beruflichen Gründen einen zufriedenen Eindruck: «Ich habe wieder die direkte Nähe zu meinen Eltern, die in Chemnitz leben und meine Entscheidung sehr positiv aufgenommen haben. Diese Nähe war in den letzten Jahrzehnten ein bisschen verloren gegangen. Wir konnten uns nur sporadisch besuchen, jetzt sehen wir uns regelmäßig.»

Die Eltern, Vater Eberhard wurde unter anderem 1967 mit dem FC Karl-Marx-Stadt DDR-Meister, spielen schon vor der politischen Wende eine wichtige Rolle in Schusters Karriere. Als der ehemalige Innenverteidiger 1988 von Sachsenring Zwickau nach Magdeburg gehen sollte, erhält Schuster die volle Unterstützung aus dem Elternhaus. «Damals gingen Wechsel von einem in den anderen DDR-Bezirk nicht ohne knirschende Geräusche vonstatten. Meine Eltern waren aber sehr standhaft, auch wenn es vielleicht mit Nachteilen für die Familie verbunden war», erklärt Schuster rückblickend. Vor allem der damalige FCM-Trainer Joachim Streich hatte sich sehr um Schuster bemüht: «Er war damals mein großer Förderer, fast ein bisschen wie ein Papa für mich. Unter Achim Streich konnte ich in der DDR-Oberliga Fuß fassen.»

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Zwischen seinem Weggang aus Magdeburg und der Unterschrift in Aue ist in Schusters sportlicher Laufbahn viel passiert. 200 Bundesligaeinsätze als Spieler für den Karlsruher SC und den 1. FC Köln absolviert, das «Wunder vom Wildpark» beim 7:0-Sieg des KSC gegen den FC Valencia miterlebt, dazu drei Mal das Trikot der DFB-Nationalmannschaft getragen. Im Ausland war er außerdem für Antalyaspor und Wacker Mödling aktiv. Als Trainer machte sich der gebürtige Karl-Marx-Städter einen Namen, als er mit dem SV Darmstadt 98 zwischen 2013 und 2015 den Durchmarsch von der 3. Liga in die Bundesliga schaffte.

Klares Ziel: langfristig in Liga zwei etablieren

Seit dem 26. August arbeitet Schuster wieder in Sachsen. Auf die Frage, wie er 30 Jahre nach dem Mauerfall zu immer noch bestehenden Vorurteilen zwischen Menschen in Ost- und Westdeutschland steht, findet Schuster eine klare Antwort: «Das sind Diskussionen, die nach so einer langen Zeit heute keiner mehr braucht. Man hat sich schon sehr weit angenähert, wobei es Begriffe wie "hüben" oder "drüben" für mich gar nicht mehr gibt. Ich bin hier groß geworden, habe den Großteil meines Lebens woanders verbracht und kenne beide Seiten zur Genüge», sagt der Rückkehrer und wirbt für mehr gegenseitiges Verständnis: «Seien es andere Dialekte oder andere Mentalitäten - es tut uns allen gut, mit einer gesunden Toleranz und Akzeptanz an viele Dinge heranzugehen. Dann werden wir imdeutschen Fußball und auch im Zwischenmenschlichen noch viel Spaß miteinander haben.»

Von seiner neuen Aufgabe im Erzgebirge, wo er in der Ära von Vereinspräsident Helge Leonhardt der siebte Cheftrainer seit September 2014 ist, war der 51 Jahre alte Fußball-Lehrer von Anfang an überzeugt. «Ich hatte ein sehr gutes Gespräch mit Herrn Leonhardt und dem Vorstand. Dabei wurde uns die Zielstellung erläutert, nämlich den Verein in der 2. Liga zu etablieren. Und das ist realistisch, dafür muss man keinen David Copperfield holen», sagte Schuster, der vor allem auf den Faktor Zusammenhalt setzt: «Aue ist eine Stadt mit 16 000 Einwohnern, alle sind fußballbegeistert und wir haben gute Kicker in unseren Reihen. Letztendlich sind wir alle nur Zulieferer für die Mannschaft. Das geht bei der Putzfrau los und hört beim Präsidenten auf.»

Schon nach kurzer Zeit hinterlässt Schuster deutliche Spuren

Beim 1:1 zum Einstand in Kiel wurde Schusters Handschrift schon sichtbar. Die Auer verteidigten sehr leidenschaftlich, spielten mutig nach vorn und zeigten eine hohe Laufbereitschaft. Eine Eigenschaft, die der Disziplin-Verfechter Schuster als Trainer selbst vorlebt. «Ich habe sechs Marathonläufe absolviert, unter anderem in New York, Istanbul oder Rom. Zum einen für das eigene Ego, zum anderen für den Kampf gegen den inneren Schweinehund. In den knapp vier Stunden konnte ich viel Selbstüberwindung praktizieren», so Schuster.

Seine offene und ehrliche Art kommt bei den Auer Spielern gut an. «Er ist sehr akribisch und kann uns brutal motivieren. Außerdem spürt er, wie wir Fußballer denken und fühlen. Dirk Schuster ist fachlich und menschlich eine Bereicherung für uns», sagte Kapitän und Torhüter Martin Männel. «Er ist ein sehr emotionaler Mentalitäts-Trainer mit klaren Strukturen, der trotzdem immer einen guten Plan mitbringt. Mit ihm haben wir einen guten Mann gefunden, der uns nochmal ein Stück voranbringt», sagte Verteidiger Dennis Kempe.

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