30. Januar 2021 / 11:32 Uhr

Zurück ist die Zukunft: Warum Rückkehrer wie Jovic bei Eintracht Frankfurt sofort funktionieren

Zurück ist die Zukunft: Warum Rückkehrer wie Jovic bei Eintracht Frankfurt sofort funktionieren

Roman Gerth
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Luka Jovic gilt als jüngstes Musterbeispiel für das Frankfurter Händchen bei Rückkehrern. Auch Kevin Trapp und Sebastian Rode glänzten nach ihrem Comeback an den Main. 
Luka Jovic gilt als jüngstes Musterbeispiel für das Frankfurter Händchen bei Rückkehrern. Auch Kevin Trapp und Sebastian Rode glänzten nach ihrem Comeback an den Main.  © Getty Images/Montage Weinert
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Bei Eintracht Frankfurt haben Rückholaktionen fast schon Tradition: Der von Real Madrid ausgeliehene Luka Jovic gilt am Main als jüngstes Paradebeispiel, dass sich die SGE vor allem nach ehemaligen Spielern umschaut. Deren Erfolge sind schon längst keine Überraschung mehr.

Es wirkt so, als hätte Fredi Bobic eine Zeitmaschine. Und zwar eine mit Erfolgsgarantie. Der Sportvorstand von Eintracht Frankfurt und sein Händchen für gelungene Rückholaktionen gipfeln derzeit in der leihweisen Verpflichtung von Luka Jovic. Der 23-Jährige verließ die SGE vor anderthalb Jahren in Richtung Real Madrid. Geholt wurde der Angreifer vom spanischen Topklub mit einem Versprechen von 36 Toren in 75 Pflichtspielen für Frankfurt. Bei den Königlichen war er nur Reservist. Im Team von Trainer Adi Hütter, das am Samstag (15.30 Uhr/Sky) auf Hertha BSC trifft, blüht Jovic nun wieder auf. Seine Bilanz bisher: drei Joker-Einsätze, drei Tore.

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Doch der Serbe ist nicht der erste Spieler der Adlerträger, der erst ausflog, um dann bei der Eintracht wieder sein Glück zu finden. DFB-Torwart Kevin Trapp verließ den Verein nach drei erfolgreichen Spielzeiten im Sommer 2015 in Richtung Paris Saint-Germain. Für Sebastian Rode ging es zunächst 2014 zum FC Bayern und zwei Jahre später dann zu Borussia Dortmund. Immer nur kurzzeitig blühte die Klasse der beiden bei ihren neuen Klubs auf. Kaum zurück in der Mainmetropole, lieferten die beiden wieder ab.

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Die Liste ließe sich noch verlängern, wenn man auf die Ära vor Bobic blickt. Anfang des Jahrtausends sind da Albert Streit oder Jermaine Jones zu nennen. Später lief Eintracht-Ikone Marco Russ, der seine Karriere vor dieser Saison beendet hat, nach einer Station beim VfL Wolfsburg (2011 bis 2013) bei seinem Ex-Verein wieder zur Hochform auf.

Leistungsexplosion von Kostic Folge der Jovic-Rückkehr

Eines haben vor allem die jüngsten Rückkehrer gemeinsam. Sie sorgen für ein Stimmungshoch: im Team, im Klub, bei den Fans. Bestes Beispiel ist die Leistungsexplosion von Filip Kostic. Der 28-Jährige erlebte eine Leistungsdelle, nachdem er in den vorangegangenen beiden Spielzeiten stets Dreh- und Angelpunkt der Frankfurter Offensive war. Die Ankunft seines serbischen Landsmanns Jovic trieb auch den pfeilschnellen Flügelspieler wieder zu Höchstleistungen an.

Beim ersten Jovic-Spiel gegen Schalke (3:1) bereitete Kostic beide Treffer seines Nationalelf-Kollegen vor, eine Woche später beim 5:1 bei Arminia Bielefeld traf er einmal selbst und war an allen anderen vier Toren direkt oder indirekt beteiligt. Jovic scherzte am Dienstag bei einer Pressekonferenz, dass sein Kumpel wieder lächeln könne – „vielleicht hat das auch mit meiner Rückkehr zu tun.“

Rücklagen nahzu aufgebraucht - feste Jovic-Verpflichtung in Gefahr?

Nicht ausgeschlossen, dass die Euphorie bei der Eintracht über den Sommer hinaus anhält. Trapp und Rode kamen im Sommer 2018 als Reservisten von Topklubs ebenfalls erst per Leihe und blieben dann in ihrer alten Heimat. Klar ist aber: Das (wenn auch reduzierte) Gehalt von Jovic für eine weitere Saison – oder gar eine Ablösesumme in zweistelliger Millionenhöhe für eine Verpflichtung – würde die Frankfurter vor finanzielle Probleme stellen. Bobic hatte zuletzt erklärt, dass die mühsam aufgebauten Rücklagen der vergangenen Jahre aufgrund von Corona (fehlende Zuschauereinnahmen, Erlösrückgänge in der Stadionvermarktung) nahezu aufgebraucht seien.


Ein entscheidender Schritt, um ambitionierter planen zu können, wäre die Qualifikation für das internationale Geschäft. In diesem Jahr ist Frankfurt gar ein ernsthafter Champions-League-Kandidat. Borussia Dortmund schwächelt, weitere Spitzenteams sind durchaus für Patzer gut. Die Königsklasse hatte André Silva, mit 14 Toren neben Erling Haaland zweitbester Liga-Torschütze hinter Weltfußballer Robert Lewandowski, schon im Herbst als erreichbares Ziel formuliert. Sturmkollege Jovic schlug jüngst in die gleiche Kerbe. Vor der Partie gegen Hertha BSC steht Frankfurt auf Rang sechs (30 Punkte), in Schlagdistanz zum Vierten VfL Wolfsburg (32).

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Alle Frankfurter Heimkehrer tun auf dem Platz aktuell jedenfalls viel dafür, dass der große Traum wahr werden könnte: Trapp hält oftmals überragend, Rode geht stets voran – und Jovic trifft zuverlässig ins Schwarze. Genau wie Eintracht-Boss Bobic mit seinem Gefühl für Rückholaktionen.