05. Dezember 2020 / 18:10 Uhr

Rückkehrer Marcello Meyer hofft auf eine Zukunft beim SV Eichede

Rückkehrer Marcello Meyer hofft auf eine Zukunft beim SV Eichede

Volker A. Giering
Lübecker Nachrichten
Sportbuzzer-Reporter Volker Giering gemeinsam mit SVE-Routinier Marcello Meyer. 
Sportbuzzer-Reporter Volker Giering gemeinsam mit SVE-Routinier Marcello Meyer.  © hfr/privat
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Eigentlich hatte sich Marcello Meyer einiges mit dem SV Eichede vorgenommen. Doch nur drei Monate nach seiner Rückkehr steht die Zukunft des Dorfklubs in den Sternen. SHFV-Ehrenpräsident Hans-Ludwig Meyer will nun vermitteln.

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Weil die Gespräche mit der Gemeinde über einen neuen Nutzungsvertrag der Sportanlage gescheitert sind, steht diese ab dem 1. Januar 2021 nicht mehr zur Verfügung (wir berichteten). Daraufhin hat der Verein eine groß angelegte Kampagne gestartet. Hans-Ludwig Meyer will im Streit nun vermitteln. Der Ehrenpräsident des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes geht unvoreingenommen an die Arbeit, sieht aber ein „schwieriges Thema“. Mehr dazu hier.

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Meyer bricht Lanze für die 'Bravehearts'

Die drohende Auflösung des Vereins ist auch in der Oberliga-Mannschaft zurzeit das zentrale Thema. „Ich kann nur hoffen, dass sich alles zum Guten wendet und beide Seiten eine Einigung finden“, sagt „Cello“ Meyer. Denn der 30-Jährige hat ehrgeizige sportliche Ziele mit den Rot-Weißen. „Wir wollen oben mitspielen“, betont er und fügt an: „Es gibt nur wenige Amateurvereine in Schleswig-Holstein, die mit dem SVE auf einer Stufe stehen, was das ganze Drumherum betrifft.“ Der Routinier muss es wissen, schließlich ist in seiner Karriere viel herumgekommen. Zuvor spielte er beim VfB Lübeck, SC Weiche Flensburg 08, NTSV Strand 08 und 1. FC Phönix Lübeck. Dort wo „Cello“ spielt, ist in der Regel auch der sportliche Erfolg. Das war zumindest zumeist der Fall bei seinen bisherigen Stationen.

In Eichede schnell integriert

In Eichede wurde Meyer mit offenen Armen empfangen. Ein Leitwolf wie er fehlte noch im Kader. Der erfahrene Mittelfeldspieler geht voran, ist ein Lautsprecher auf dem Platz und zudem ein Menschenfänger. Kein Wunder, dass er schnell in der Mannschaft integriert war. „Das war von Anfang an nie ein Thema. Der Leistungsgedanke verbindet“, erzählt er. „Ich wurde von der Truppe super aufgenommen und komme mit den Jungs gut klar.“ Nicht unbedingt von Nachteil war, dass er mit Kapitän Sascha Steinfeldt früher beim VfB Lübeck und mit Verteidiger Hendrik Ostermann in Flensburg zusammengespielt hat. „Ansonsten kannte man sich ja von den gegenseitigen Spielen“, meint er. Mit auschlaggebend für den Wechsel vom 1. FC Phönix Lübeck war SVE-Trainer Denny Skwierczynski, mit dem er schon beim VfB Lübeck II erfolgreich zusammengearbeitet hat.

Skwierczynski und 'Hosch': Alte Bekannte auf der Trainerbank

„Denny erwartet viel, gibt aber auch viel wieder. Er lebt Fußball und zeigt Emotionen. So bin ich auch“, sagt Meyer. „Da ist es einfach, seinen Fußball anzunehmen. Denny hat mich damals aus der A-Jugend beim VfB hochgezogen und spielen lassen. Ich habe ihm viel zu verdanken.“ Mit Co-Trainer Stefan Richter hat er bei den VfB-Profis zusammengespielt. „Ich kenne Hosch aus der Kabine. Er ist authentisch. Was er erzählt, nimmt man ihm auch ab. Er fordert Kampf, Einstellung und Wille. Alles Tugenden, die ihn in seiner aktiven Laufbahn auch ausgezeichnet haben.“ Meyer ist sich seiner Rolle beim SVE bewusst, auch wenn er einräumt: „Auch ohne mich hätte das Team oben gespielt.“ Sei es drum. Der Ex-Lübecker ist ein Unterschiedsspieler. „Auch wenn Cello schlechter spielt, spielt er Note drei. Das ist eine Qualität, die nicht viele Spieler haben“, erklärte Skwierczynski erst unlängst.

Der 3:1-Erfolg des SV Eichede bei SV Todesfelde in Bildern

Tom Niklas Wittig gegen Yannick Günther Chaumont. Es war nicht das einzige hitzige Duell auf dem Feld. Zur Galerie
Tom Niklas Wittig gegen Yannick Günther Chaumont. Es war nicht das einzige hitzige Duell auf dem Feld. ©

Meyer verrät derweil sein Erfolgsrezept. „Ich bin noch nie der schnellste Spieler gewesen. Ich spiele, das was ich kann. Viele Mannschaften in der Oberliga kann man schon schlagen, indem man einfach und seriös spielt. Man muss die Ruhe behalten und sich die Gegner zurechtlegen. Das musste ich über die Jahre auch erst lernen. Es geht nicht immer um Hurra-Fußball, sondern um Ergebnisse.“ Sein bislang bestes Spiel hat der Rückkehrer bezeichnenderweise im Topspiel bei Vorjahresstaffelsieger SV Todesfelde gezeigt – die Eicheder gewannen verdient 3:1 (Bilder oben) und Meyer traf zur wichtigen 1:0-Führung. Nur ein Spiel von den fünf Spielen hat die Skwierczynski-Elf vor dem Teil-Lockdown verloren. Wobei Meyer das unglückliche 1:2 gegen seinen Ex-Klub VfB Lübeck II als unnötig bezeichnet. Unabhängig davon, dass die Gäste mit mehreren Drittliga-Profis aufgelaufen waren.

"Konnte es nicht glauben, als wir vom Verein informiert wurden"

Für Meyer ist es die zweite Station bei den Stormarnern. Bereits 2011 spielte er dort, verließ den Klub allerdings nach nur drei Monaten wegen eines ursprünglich geplanten USA-Studiums. „Ich war jung und die Erwartungen an mich waren groß“, blickt er zurück. „Das war mir nicht bewusst. Leider hat es damals nicht gepasst“, sagt er. Jetzt, wo er zurück ist, ist die Ausgangssituation eine andere. Mit Leitwolf Meyer soll es möglichst eine Klasse höher gehen. Wenn da nicht die ungewisse Zukunft des Vereins wäre. „Ich konnte es nicht glauben, als wir vom Verein informiert wurden. Auch wenn ich nicht genug in der Sache drinstecke, ist das ganze absolut unverständlich für mich. Gerade solch einem Verein mit den vielen tollen ehrenamtlichen Helfern so eine Bürde aufzuerlegen, kann ich nicht nachvollziehen. Wie machen das denn nur andere Vereine?“, fragt er.

Meyer-Brüder halten sich im heimischen Garten fit

In der Lockdown-Zeit versucht sich Meyer unter anderem mit Läufen fit zu halten. Am Freitag traf er sich mit Sportbuzzer-Redakteur Volker Giering, um diesen zu einem Match auf dem Tenniscourt herauszufordern. „Das hat Spaß gemacht, war eine willkommene Abwechslung und gute Trainingseinheit“, meinte „Cello“ anschließend, obwohl er – wie schon Ex-Mitspieler Marcus Steinwarth – den Kürzeren zog. Auch wenn der Spielbetrieb in der Oberliga ausgesetzt ist, muss der 30-Jährige nicht ganz auf das runde Leder verzichten. So kickt er, so oft es zeitlich geht, mit seinen jüngeren Brüdern Silas (VfB Lübeck II), Henry (U19 VfB Lübeck) und Mika (TSV Pansdorf) im heimischen Garten. „Ich lasse die Jungs dann bisschen laufen. Ganz ohne geht nicht“, grinst er zum Abschluss des Interviews in der Lübecker Welsbachhalle.