28. Juli 2021 / 05:10 Uhr

Ruder-Drama: Deutscher Frauen-Doppelvierer verpasst Olympiamedaille nach "Krebs" 

Ruder-Drama: Deutscher Frauen-Doppelvierer verpasst Olympiamedaille nach "Krebs" 

Tobias Gutsche
Märkische Allgemeine Zeitung
Vollbremsung: Daniela Schultze (l.) blieb mit ihrem rechten Skull im Wasser hängen. 
Vollbremsung: Daniela Schultze (l.) blieb mit ihrem rechten Skull im Wasser hängen.  © Jan Woitas/dpa
Anzeige

Auf Platz zwei liegend reißt ein fataler Fehler das DRV-Quartett aus allen Edelmetallträumen. Tragische Figur: Daniela Schultze vom RC Potsdam.

Die erste deutsche Ruder-Medaille bei den Olympischen Spielen in Tokio war schon zum Greifen nahe, dann entglitt sie dem Frauen-Doppelvierer auf dramatische Weise. Tragische Figur: Daniela Schultze vom RC Potsdam. Auf Platz zwei liegend unterlief der Bugfrau am Mittwoch etwa 250 Meter vor dem Ziel ein fataler Fehler, als sie mit ihrem rechten Skull bei welligen Bedingungen im Wasser hängen blieb - sie fing einen Krebs, wie es im Fachjargon heißt. Das Boot bremste dadurch massiv ab, die Konkurrenz zog vorbei.

Anzeige

Trotz aller Bemühungen kamen Schultze, Franziska Kampmann (Waltrop), Carlotta Nwajide (Hannover) und Frieda Hämmerling (Kiel) am Ende nur auf den fünften Rang - 1,33 Sekunden fehlten zum Podium. Es gewann China in neuer Weltbestzeit vor Polen und Australien.

Diese Brandenburger holten Gold bei Olympia und Paralympics

Deborah Levi und Laura Nolte haben Gold im Zweierbob gewonnen. Zur Galerie
Deborah Levi und Laura Nolte haben Gold im Zweierbob gewonnen. ©

Der Frauen-Doppelvierer galt als eine große Edelmetallhoffnung des Deutschen Ruderverbands (DRV). Mit dem Vorlaufsieg waren in Tokio die Ambitionen untermauert worden und auch das Finale verlief zunächst wie gewünscht. Hinter den überragenden Chinesinnen fuhr das DRV-Quartett ein starkes Rennen. Bei der 1500-Meter-Marke, also 500 Meter vor dem Ziel, betrug der Vorsprung auf Polen rund 2,5 Sekunden, etwa eine weitere Sekunde war es auf die Niederlande und Australien.

Die Enttäuschung war nach dem Rennen groß, es brauchte viel Trost.
Die Enttäuschung war nach dem Rennen groß, es brauchte viel Trost. © Jan Woitas/dpa

Dann brachte der folgenschwere Fauxpas das deutsche Team aus der Erfolgsbahn. Ausgerechnet Schultze, die als so technisch stark gilt und mit 30 Jahren die mit Abstand Älteste ihrer Mannschaft ist, fing den Krebs. Noch vor den Spielen hatte sie im SPORTBUZZER über dieses Horrorszenario gesprochen. Die Gefahr, während der Rückholbewegung mit dem Ruderblatt im Wasser hängen zu bleiben, sei bei unruhigem Wasser und Unkonzentriertheiten größer, erklärte die gebürtige Cottbuserin. "Das ist das Schlimmste, was passieren kann", sagte ihr Vereinskollege Hans Gruhne, der sich nach dem Olympiasieg 2016 dieses Mal mit Gesamtplatz acht im deutschen Männer-Doppelvierer abfinden musste.

Anzeige
Die Tränen liefen noch im Boot bei Daniela Schultze (l.). Der Schock saß auch bei ihren Teamkolleginnen Franziska Kampmann, Carlotta Nwajide und Frieda Hämmerling (v.l.) tief. 
Die Tränen liefen noch im Boot bei Daniela Schultze (l.). Der Schock saß auch bei ihren Teamkolleginnen Franziska Kampmann, Carlotta Nwajide und Frieda Hämmerling (v.l.) tief.  © Jan Woitas/dpa

Durch den so bitter zustande gekommenen fünften Platz endete auch das deutsche Medaillen-Abonnement im Frauen-Doppelvierer. Seit 1988 steht diese Bootsklasse im Olympiaprogramm - immer ruderte Deutschland auf das Podium und holte bis dato sogar sechs der acht möglichen Siege. Zudem verlor der DRV nun auch noch seine Weltbestzeit aus dem Jahr 2014 an die Chinesinnen.

[Anzeige] Erlebe das Deutschland-Spiel gegen Costa Rica live und exklusiv bei MagentaTV. Mit dem Tarif MagentaTV Flex für nur 10€ pro Monat, monatlich kündbar.