30. Juni 2020 / 13:22 Uhr

Carlotta Nwajide übt auf ihrem Wohlfühl-Kanal für EM-Gold in Polen

Carlotta Nwajide übt auf ihrem Wohlfühl-Kanal für EM-Gold in Polen

Stefan Dinse
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Carlotta Nwajide vom DRC hat derzeit alles aufs Rudern - und die Olympischen Spiele ausgelegt.
Carlotta Nwajide vom DRC hat derzeit alles aufs Rudern - und die Olympischen Spiele ausgelegt. © Christian Schwier
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Europameisterin Carlotta Nwajide vom DRC Hannover feilt in Ahlem an ihrer Technik. Ihr nächstes Ziel ist die Goldmedaille bei den Europameisterschaften in Polen.

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Sie will auf keinen Fall zurückrudern. Den Platz im deutschen Vierer hatte Carlotta Nwajide für Olympia ja fast schon sicher. Aber als die Spiele in Tokio auf 2021 verschoben wurden, fiel die DRC-Ruderin in ein mentales Loch. „Da war eine Leere“, sagt die Doppelzweier-Europameisterin von 2019. Aber Aufgeben ist ihre Sache nicht, körperlich ist die 24-Jährige ohnehin topfit. Den Eindruck macht die Sportsoldatin im Rang einer Stabsgefreiten bei einem Besuch in Hannover. Nächstes Etappenziel ist eine Medaille bei der Europameisterschaft in Polen im Oktober. Nwajide ist zwar in Berlin stationiert, nutzt aber jede Chance, um sich auf der Trainingsstrecke in Ahlem zu verbessern.

Für die Technik ist das ex­trem wichtig. „Da ist die Betreuung hier besser und intensiver“, sagt Nwajide und lobt damit Thorsten Zimmer, der Trainer am Bundesstützpunkt Hannover ist. Er kann sich mehr Zeit nehmen, auf der Trainingsfahrt begleitet er an diesem Tag die gesamte Gruppe mit fünf Ruderern und Geografie-Studentin Nwajide im Motorboot bis zum Wendepunkt am Mittellandkanal. „In Berlin fährt das Begleitboot oft nur die ersten Kilometer mit, da sind die Gruppen auch größer“, sagt Nwajide.

DRC-Skullerin Carlotta Nwajide übt auf dem Kanal

"Wir müssen unsere Leistungen bestätigen"

Das vergangene Jahr war schwierig, sie fiel in der DRV-Rangliste von Platz zwei auf sieben zurück. Nach dem Umzug in die Hauptstadt funktionierte es nicht mehr richtig, das Boot lief nicht gut. „Daran arbeiten wir hier“, sagt Zimmer. Er kennt Nwajide schon seit Jahren, die Zusammenarbeit ist vertrauensvoll. Der Coach weiß, wo Stärken und Schwächen sind. Ein weiterer Vorteil: Die Gruppendynamik ist in Hannover deutlich größer. „Die pushen sich ganz ordentlich auf dem Kanal, das bringt viel“, betont Zimmer.

Auf dem Weg nach Tokio ist Poznan in Polen die nächste Station. Dort steht vom 9. bis 11. Oktober die verlegte EM an. „Wir müssen unsere Leistungen bestätigen“, sagt Nwajide. „Wenn wir da gut abschneiden, ist das schon ein starkes Zeichen.“

Mit Schlagfrau Frieda Hämmerling (Kiel), Franziska Kampmann (Waltrop) und Michaela Stael­berg (Krefeld) sitzt im Nwajide (DRC Hannover) im Vierer. Seit Kurzem dürfen sie wieder in einem Boot trainieren. „Das läuft zwar schon gut, es bleibt aber noch viel zu tun“, sagt Nwajide, die mit Stael­berg in einer WG in Moabit lebt.

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Üben in Hannover hat sich bewährt

Wenn sie zu Besuch in Hannover ist, wohnt sie bei ihrer Mutter in Oberricklingen. Zu Hause fühlt sie sich aber in Linden. Anzutreffen ist die DRC-Skullerin, die 2017 in die A-Nationalmannschaft vorstieß, öfters in der Café Bar an der Limmerstraße. Eine Woche ist sie in Hannover gewesen, hat jeden Tag mit Zimmer an der Technik gefeilt. „Der Bootslauf ist besser, die Bewegung ist konstanter“, sagt Nwajide. Wieder ist sie ein wenig schneller geworden. Das Üben in Hannover hat sich bewährt.

Zimmer sagt: „Carlotta ist auf einem guten Weg. Und die Jüngeren freuen sich auch immer wieder, sich mit ihr messen zu können.“ Wann immer die begeisterte Rennradfahrerin keine Anwesenheitspflicht in Berlin hat, will sie in ihrer alten Heimat trainieren. „Ich gehe kein Risiko ein, Olympia steht ganz klar im Fokus“, sagt Nwajide. Dass die Motivation längst wieder da ist, zeigt ihre Zielsetzung: „Bei der EM geht es eigentlich um den Sieg.“ Und dass es bei Olympia Gold werden soll, daraus hat Carlotta Nwajide nie ein Geheimnis gemacht.