14. Mai 2021 / 17:15 Uhr

Potsdamer Ruder-Bundesstützpunkt: Letzte Chance auf Tickets zu Olympia

Potsdamer Ruder-Bundesstützpunkt: Letzte Chance auf Tickets zu Olympia

Tobias Gutsche
Märkische Allgemeine Zeitung
2020 holte der deutsche Frauen-Achter Silber bei der EM - ein erstes Achtungszeichen. Dieses Jahr blieb nur Platz fünf.
2020 holte der deutsche Frauen-Achter Silber bei der EM - ein erstes Achtungszeichen. Dieses Jahr blieb nur Platz fünf. © imago images/Laci Perenyi
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In Brandenburgs Landeshauptstadt soll der deutsche Frauen-Riemen-Bereich wieder flott gemacht werden. Die Nachqualifikation für Tokio soll dabei nur ein Zwischenschritt auf dem Weg zu einer bekannten Marke sein.

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Der Moment für die Zwischenabrechnung naht. „In Tokio wollen wir dabei sein, in Paris dann auf dem Podium stehen“, hatte Tom Morris im Herbst 2019 gesagt. Damals stellte er als verantwortlicher Bundestrainer das Projekt „Bundesstützpunkt Riemen-Rudern in Potsdam“ vor. Von Samstag bis Montag sind seine Athletinnen nun bei der Olympia-Nachqualifikation in Luzern (Schweiz) gefordert, wenn ein Zweier und Vierer ohne Steuerfrau sowie der Achter starten. Um, wie angepeilt, in Tokio dabei zu sein, muss jeweils Platz eins oder zwei gelingen. „Wir wollen die Chance ergreifen“, sagt der Coach.

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Team zieht Vorteil aus Olympia-Verschiebung

Morris, 36 Jahre, ist Australier. Über 20 internationale Medaillengewinne stehen schon in seiner Vita als Trainer, darunter Olympia-Silber 2016 mit dem weiblichen Leichtgewichts-Doppelzweier von Kanada. Seit Frühjahr 2019 betätigt er sich als Aufbauhelfer in Deutschland, denn die Riemen-Frauen sind seit Jahren die Problemgruppe des Deutschen Ruderverbands (DRV). Ein Medaillenplatz bei Weltmeisterschaften sprang zuletzt 2007 heraus, bei Olympia war es 1992. „Wir haben schon viele Fortschritte gemacht. Wir glauben an uns“, sagt der Mann mit tiefgreifender Sportpsychologie-Ausbildung.

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Bei der WM 2019, der Haupt-Qualifikation für die Tokio-Sommerspiele, fuhren seine Boote noch deutlich hinterher. „Ehrlicherweise kam für uns als junges Team die Olympiaverschiebung um ein Jahr ganz gelegen“, sagt Melanie Göldner. „Wir haben viel gemeinsam trainiert und uns verbessert“, meint die Athletin des RC Potsdam. In Brandenburgs Hauptstadt wurden die DRV-Riemen-Frauen zentralisiert, was wie „andauerndes Trainingslager“ sei, sagt sie. „Das bringt einen gemeinsamen Rhythmus und schweißt zusammen.“



Drei RCP-Athletinnen bei Nachqualifikation am Start

Göldner sitzt im Achter, einer Bootsklasse, die in Deutschland besonders große Strahlkraft hat. Wegen der Männer. „Wir wollen, dass sich auch die Frauen als Marke etablieren“, sagt Morris. Dank Unterstützung hat bereits die Vermarktung mit unterhaltsamer Internetpräsenz begonnen. Beim Projekt „row to tokyo“ wurden zusammen mit einem Künstler „Fanartikel“ kreiert. Shirts, Hosen, Handtücher und Flip-Flops werden zum Beispiel verkauft, um Geld für die Weiterentwicklung der Mannschaft einzunehmen. „Die Resonanz ist sehr positiv“, sagt Anna Härtl.

Die Potsdamerin war vorigen Herbst wie Göldner beim Gewinn der EM-Silbermedaille im Achter beteiligt. Ein erstes Achtungszeichen. Beim Kontinentalchampionat in diesem April blieb nur Platz fünf. Anschließend wurde die Besatzung noch mal geändert, wobei unter anderem Härtl raus fiel. Sie wird nun stattdessen den Zweier fahren. „Das war anfangs schon eine Enttäuschung, weil im Achter die Chancen besser sind“, sagt sie. „Aber ich nehme die Herausforderung an. Am Ende kämpfe ich weiter um das gleiche Ziel: Tokio.“

Für jene Spiele 2021 hat sich Deutschland, die mit Abstand erfolgreichste Ruder-Nation der Olympiageschichte, bisher nur in sechs der 14 Bootsklassen qualifiziert. In Luzern besteht also Nachholbedarf. Als dritte RCP-Athletin geht Isabelle Hübener an den Start. Sie ist Teil des Vierers, dessen aktuelle Erfolgsaussichten gering sind. Paris ist die Perspektive. Dann soll Edelmetall für das Potsdamer Frauen-Riemen-Projekt abgerechnet werden.

Tipp: Die komplette SPORTBUZZER-Berichterstattung zur EM 2021 findest Du auch in der superschnellen EM-App von Toralarm. Und folge gerne @sportbuzzer auf Instagram!