18. November 2020 / 09:54 Uhr

"Unser erfolgreichstes Projekt": SV Odin stellt erstes Frauenteam seiner Geschichte

"Unser erfolgreichstes Projekt": SV Odin stellt erstes Frauenteam seiner Geschichte

Stefan Dinse
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Ein Erfolgsprojekt des SV Odin: Die Rugby-Frauenmannschaft mit Co-Trainer Christoph Szeppek (hinten, links). Trainer Kai Illmer (eingeklinkt) ist ein Ex-Bundesliga-Spieler mit viel Erfahrung.
Ein Erfolgsprojekt des SV Odin: Die Rugby-Frauenmannschaft mit Co-Trainer Christoph Szeppek (hinten, links). Trainer Kai Illmer (eingeklinkt) ist ein Ex-Bundesliga-Spieler mit viel Erfahrung. © privat
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Erstmals in seiner fast 115-jährigen Vereinsgeschichte stellt der SV Odin eine Frauenmannschaft. "Dieses Team ist unser erfolgreichstes Projekt, wir sind sehr stolz darauf", sagt Spartenleiter Julian de Riva. Trainiert wurden die Rugby-Spielerinnen anfangs von Antonio de Carvalho, inzwischen von Kai Illmer.

Stattliche 115 Jahre wird der SV Odin in diesem Jahr alt, er ist als Rugby-Verein gegründet worden. Nun ist der Klub nach all der Zeit erstmals dabei, eine Frauenmannschaft zu eta­blieren. „Dieses Team ist unser erfolgreichstes Projekt, wir sind sehr stolz darauf“, sagt Spartenleiter Julian de Riva. Odin ist dabei ein wenig der Zufall zu Hilfe gekommen – und Franziska Hensel.

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Die tennisbegeisterte 26-Jährige hatte sich vor ziemlich genau zwei Jahren eine Partie ihres Freundes Adrian López angeschaut, der ebenfalls bei Odin am ovalen Ball ist. Hinterher hat sie sich bei einem Bierchen mit Freunden überlegt: „Warum sollen wir Frauen nicht auch Rugby spielen?“ Und so ging es los.

Bilder vom Rugby-Spiel zwischen den Frauen der SG Schaumschweig und des SV Odin

Bilder vom Rugby-Spiel zwischen den Frauen der SG Schaumschweig und des SV Odin Zur Galerie
Bilder vom Rugby-Spiel zwischen den Frauen der SG Schaumschweig und des SV Odin © Daniel Kultau

Erster Coach war Antonio de Carvalho, der damals noch die SG Odin/VfR 06 Döhren trainierte und inzwischen in Georgien arbeitet. Als de Carvalho im vergangenen Herbst ging, fand sich überraschender Ersatz: Ex-Bundesliga-Spieler Kai Illmer. „Als Kai mir gesagt hat, dass er das machen will, glaubte ich erst an einen Scherz“, so de Riva. Illmer gilt als beinharter Stürmer, der 40-Jährige ist zudem ein Freund klarer Ansagen. „Ja, er triezt uns ganz schön, manchmal ist der Ton rau. Aber das passt zum Rugby, und er macht das super“, sagt Hensel lachend.

"So einen Teamgeist habe ich noch nie gespürt"

Illmer und Co-Trainer Christoph Szeppek von den Welfen Braunschweig, mit denen Odin in der U16 eine Spielgemeinschaft unterhält, zeigen viel auf dem Feld. Sie sind immer mit dabei. Viel vermittelt zudem Aneliswa Ntaka, eine Profispielerin aus Südafrika, die mit dem internationalen Austauschprogramm „weltwärts“ nach Hannover ge­kom­men ist und noch bis zum Frühjahr bleibt.

„Für Einsteigerinnen ist das ideal, sie zeigt Tacklings und wie man einen Pass spielt“, sagt Hensel, die vorher nur Tennis gespielt hat (TSV Ingeln-Oesselse) und damit „auch niemals aufhören will“. Eins sagt sie klipp und klar: „So einen Teamgeist wie beim Rugby habe ich noch nie gespürt.“

Womöglich liegt es daran, dass Odin steten Zuwachs hat. 22 Frauen sind es inzwischen, die in der Nordliga antreten. Vorerst in der Siebener-Variante mit nur sieben Spielerinnen auf dem Feld. So beginnen die meisten neuen Teams. „Perspektivisch sieht es aber nach der klassischen 15er-Variante aus“, so Hensel. Dafür sucht Odin noch Anfängerinnen oder erfahrene Kräfte.


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Zwar ist momentan wegen der Corona-Pandemie Trainingspause, aber Hensel sagt: „Danach werden wir stärker zurückkommen.“ Das sieht der Spartenleiter ebenso. Ihn begeistert nicht zuletzt, wie schnell sich die neuen Spielerinnen inte­griert haben. „Die Identifikation mit dem Verein ist groß, einige haben Ämter übernommen, das ist super“, berichtet de Riva.

Er hofft, dass demnächst wieder Sport möglich ist bei Odin. Und sei es vorerst ohne Kontakt. „Da ist so viel Schwung drin bei uns, es ist echt cool“, sagt de Riva. Und von Corona einmal abgesehen ist er guter Dinge: „Bei Odin scheint gerade die Sonne.“