13. Januar 2020 / 15:51 Uhr

Ruhepol Kevin Ehlers nutzt seine Chance bei Dynamo Dresden

Ruhepol Kevin Ehlers nutzt seine Chance bei Dynamo Dresden

Caroline Grossmann
Dresdner Neueste Nachrichten
Dynamos Innenverteidiger Kevin Ehlers wird in wenigen Tagen erst 19 Jahre alt, hat es aber schon zum Stammspieler geschafft.
Dynamos Innenverteidiger Kevin Ehlers wird in wenigen Tagen erst 19 Jahre alt, hat es aber schon zum Stammspieler geschafft. © Jochen Leimert
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Der junge Innenverteidiger, dessen Vater Uwe früher selbst Profi war und heute im Trainerstab von Hansa Rostock arbeitet, hat sich in wenigen Monaten im Profi-Team der Sportgemeinschaft etabliert und hofft nun, dass die Mannschaft den Klassenerhalt in der 2. Fußball-Bundesliga schafft.

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Mijas. Er war eine der ganz wenigen positiven Überraschungen in der Hinrunde: Innenverteidiger Kevin Ehlers brachte es mit 18 Jahren in seiner ersten halben Profi-Saison gleich auf 13 Einsätze, von denen er bis auf einen alle über die volle Spielzeit absolvierte. Im Trainingslager in Mijas stellte sich der U19-Nationalspieler erstmals den Fragen der Presse.

Haben Sie selber damit gerechnet, so oft in der Startelf zu stehen?

Damit rechnen ist immer schwierig. Ich habe es nach der Vorbereitung natürlich gehofft, aber es kam ja dann recht überraschend, dass ich gleich so viel gespielt habe. Es freut mich natürlich. Ich würde es auch sehr gutheißen, wenn es so weitergeht.

Wie war es bei Ihren ersten Spielen?

Vor dem Spiel war es schon aufregend, da bin ich ehrlich. Erst recht vor Nürnberg. Aber mit dem Anpfiff war das dann komplett weg, da war ich dann total im Tunnel, habe mich nur auf das Spiel konzentriert und da hat man einfach gar keine Zeit, sich darüber Gedanken zu machen.

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War es ein Vorteil für Sie, dass Sie Cristian Fiel als Trainer schon länger kannten?

Natürlich war es nicht schlecht für mich, dass ich ihn schon damals als Trainer hatte. Ich habe ihm auf jeden Fall viel zu verdanken. Aber ich bin 18 Jahre alt und denke, wenn einer Fehler machen darf, dann bin ich das. So doof sich das anhört, aber ich bin eben noch jung und denke, das würde mir keiner so wirklich übelnehmen.

Sie waren einer der Gewinner der Hinrunde, gleichzeitig steht die Mannschaft am Tabellenende. Wie fühlt sich das an?

Es ist schon ernüchternd. Man muss sagen, dass wir auch gute Spiele dabeigehabt haben. Wir hatten aber auch ein paar Spiele, die echt zum Vergessen waren. Es ist natürlich nicht schön, wenn du mit so viel Abstand da unten drinstehst. Natürlich ist noch alles möglich, aber wir wissen auch, wie schwer das wird.

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Trainer Markus Kauczinski (l.) und sein Assistent Willi Weiße sind gut gelaunt. Zur Galerie
Trainer Markus Kauczinski (l.) und sein Assistent Willi Weiße sind gut gelaunt. ©
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Sie bekommen dennoch persönlich viel Lob von außen...

Ich freue mich natürlich, wenn ich ganz gute Kritiken bekomme, aber im Mittelpunkt steht natürlich die Mannschaft und deren Erfolg. Das ist das Wichtigste.

Ihr Marktwert stieg rasant...

Beobachten tue ich das nicht, ich höre das jetzt zum ersten Mal. Aber es ist natürlich schön und freut mich.

Kevin Ehlers ist vor Patrick Schmidt am Ball.
Kevin Ehlers ist vor Patrick Schmidt am Ball. © Jochen Leimert

Wie oft sprechen Sie mit Ihrem Vater über Fußball?

Wir haben regelmäßigen Kontakt, telefonieren öfter mal. Natürlich sprechen wir nicht nur über Fußball, sondern sind auch froh, wenn wir mal über etwas anderes reden können. Aber er hat das Ganze natürlich auch schon durchgemacht und es wäre ja doof von mir, wenn ich mir da keine Tipps holen würde oder nicht frage, was ich noch besser machen könnte. Wenn es Situationen gibt, wo ich nicht weiß, wie ich das lösen könnte, beziehungsweise, wo ich mir denke, dass ich das noch besser machen könnte, frage ich natürlich mal nach. Er lässt mich schon meine eigenen Erfahrungen sammeln, aber wenn ich natürlich Fragen habe, kann ich ihn immer gerne zu ihm kommen.

Wie kam der Wechsel nach Dresden zustande?

Wir sind damals mit Rostock in der U17 aus der Bundesliga abgestiegen, aber mir war klar, dass ich eigentlich gerne noch weiter im Nachwuchs Bundesliga spielen möchte. Das war für mich einfach wichtig, auf höchstem Niveau zu spielen. Dann war ich bei ein, zwei Vereinen zum Probetraining, aber in Dresden hat es mir einfach am besten gefallen. Vom ganzen Umfeld auch, schöne Stadt und coole Leute – da habe ich mich gleich wohlgefühlt. Dann war eigentlich klar, dass ich hier gerne her möchte.

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Dynamo-Fans haben bereits ihr neues Revier markiert. Zur Galerie
Dynamo-Fans haben bereits ihr neues Revier "markiert". ©

Wie schafft es die Mannschaft in der Rückrunde?

Das ist eine gute Frage. Wir müssen auf jeden Fall ein ganz anderes Gesicht zeigen. Mehr Einsatz und wahrscheinlich auch mehr Spielfreude. Wenn wir das aber verbinden – gegen den Ball richtig heiß zu sein, richtig in den Zweikampf zu gehen und offensiv unsere Qualität auszuspielen –, dann kann das gut werden.

Die Stimmung in der Mannschaft wirkt gut…

Wir wollten das Jahr 2019 komplett abhaken, weil es einfach nichts bringt, das noch in den Hinterköpfen zu haben – ich denke, das zieht einen eher runter. Wir müssen jetzt einfach nach vorne schauen.

Woher kommt es, dass Sie so ruhig und klar im Kopf sind?

Ich bin einfach ein ruhiger Typ. Ich bin kein Lautsprecher – eher auf dem Platz, zwischenmenschlich eher nicht. Vielleicht ist es auch einfach, weil ich meinen Mund in der Öffentlichkeit jetzt nicht so aufmache. Dadurch könnte der Eindruck entstehen, aber ansonsten bin ich eigentlich wie viele andere auch. Es kann auch sein, dass es daran liegt, dass meine ganze Familie ein bisschen ruhiger ist. Wir waren jetzt auch so lange im Norden und da sagt man ja auch, dass die aus Mecklenburg-Vorpommern recht ruhig sind. Mit einem Mentaltrainer arbeite ich nicht, das wäre ein bisschen früh.

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Als die Mannschaft immer schlechter wurde, haben auch Sie begonnen, Fehler zu machen…

Es ist eben schwierig. Wenn man dann immer wieder durch die vielen Niederlagen zurückgeworfen wird, war es dann schon immer eklig. Aber ich denke, ich bin noch jung und Fehler passieren eben. Und wenn das jetzt erst zum Ende hin so passiert ist, bin ich eigentlich auch recht froh drüber. Ich lerne noch aus den Sachen. So viele der Fehler, die ich jetzt gemacht habe, werden vielleicht nicht mehr passieren, weil ich die Situation besser einschätzen kann oder was auch immer. Wir müssen allgemein versuchen, diese einfachen Fehler abzustellen.

Haben Sie einen Vertrag für die dritte Liga?

Ja, den habe ich.

Würden Sie in der dritten Liga auch bleiben?

Ich bin ganz ehrlich: Ich mache mir da momentan gar keinen Kopf drüber, weil das einfach für mich noch nicht zur Debatte steht. Wir haben jetzt noch 16 Spiele und ich denke, es ist einfach wichtig, den Fokus und alle Energie darauf zu legen. Wenn ich mich jetzt mit anderen Sachen beschäftigen würde, wäre das einfach nicht förderlich.

2019 war Ihr Jahr, trotz Dynamos jetzigem Tabellenplatz...

Ich kann mich eigentlich wirklich nicht beschweren, außer über den Tabellenplatz im Jahr 2019. Mit der Nationalmannschaft waren es immer coole Erlebnisse, die Jungs haben mich super aufgenommen beim ersten Lehrgang. Ich bin dann beim zweiten Lehrgang auch schon ein guter Teil des Teams geworden. Das ist schon eine coole Erfahrung, auf Reisen andere Länder ein wenig kennenzulernen. Das bringt einen auch menschlich weiter.

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