19. Oktober 2021 / 21:36 Uhr

"Ruhig bleiben!" In Salzburg kämpft der VfL gegen den Negativtrend

"Ruhig bleiben!" In Salzburg kämpft der VfL gegen den Negativtrend

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
VfL in Salzburg: Van Bommel (r.) will den Trend stoppen, der verletzte Schlager (M.) schaute beim Training vorbei.
VfL in Salzburg: Van Bommel (r.) will den Trend stoppen, der verletzte Schlager (M.) schaute beim Training vorbei.
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Der VfL Wolfsburg will am Mittwochabend im Champions-League-Spiel bei RB Salzburg nicht nur seine Ausgangsposition in der Gruppe verbessern, sondern vor allem den Negativtrend der letzten Partien stoppen. Aster Vranckx könnte sein Startelf-Debüt feiern.

Es geht um mehr als um drei Punkte in einem wichtigen Champions-League-Spiel. Es geht darum, einen gefährlichen Negativtrend zu stoppen: Am Mittwochabend (18.45 Uhr) tritt der VfL Wolfsburg am dritten Spieltag der Gruppenphase bei RB Salzburg an - mit dem Ballast von sechs Pflichtspielen ohne Sieg und drei nacheinander verlorenen Liga-Partien im Gepäck.

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Anderer Wettbewerb, neues Glück? Es mache, so VfL-Trainer Mark van Bommel, "eigentlich keinen Unterschied, wenn man sechs Spiele in Folge nicht gewonnen hat". Aus seiner Sicht wichtiger: "Als wir nach vier Siegen Bayern-Jäger waren, sind wir ruhig geblieben - und jetzt sind wir das auch." Zumal man diese sechs Spiele auch "nicht alle auf einen Haufen werden könne", dafür seien die Gründe für das jeweilige Ausbleiben eines Sieges zu unterschiedlich gewesen - von der Tagesform bis zu Schiri-Entscheidungen.

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Die Ausgangslage in der Königsklasse gehört dabei zu den Dingen, die aus VfL-Sicht eher positiv sind, nach den beiden Unentschieden in Lille und gegen Sevilla ist für Wolfsburg in Gruppe G noch alles drin. Die Österreicher, die wegen der Werbe-Regularien der UEFA in diesem Wettbewerb offiziell "FC Salzburg" heißen, liegen nach einem Remis in Sevilla und einem Sieg gegen Lille vorn, können schon diesem Spiel einen ganz entscheidenden Schritt Richtung K.o.-Runde machen. Van Bommel. "Ich vermute, dass die gesamte Gruppe bis zum Schluss eng bleibt." Wofür der VfL allerdings tunlichst nicht verlieren sollte.


Personell wird's spannend: Mit Wout Weghorst (Corona-Quarantäne) fällt ein wichtiger Offensivmann aus, in der Mittelfeldzentrale fehlen mit Ex-RB-Profi Xaver Schlager (schaute beim Wolfsburger Abschlusstraining vorbei), Yannick Gerhardt (Fußprellung) und Josuha Guilavogui (Gelb-Rot-Sperre nach dem Witz-Elfer aus dem Sevilla-Spiel) gleich drei potenzielle Nebenmänner für Maximilian Arnold. Wahrscheinlichste Lösung: Aster Vranckx, der drei Tage nach seinen ersten Liga-Minuten seine Startelf-Debüt in einem Pflichtspiel für den VfL geben dürfte. "Aster hat das gut gemacht", lobt van Bommel den jungen Neuzugang aus Mechelen. Obwohl zu Saisonbeginn verletzt ausgefallen, habe er sich "gleich in der Mannschaft wohlgefühlt, das hat sich dann im Training bewährt. Und Erfahrungen hat er schon in Belgien gesammelt." Alternativen wären Außenbahner Ridle Baku (kennt die Position aus Mainz) und Maximilian Philipp (wurde schon in der Defensivrolle getestet).

Hinten wird vermutlich wieder Jay Brooks neben Maxence Lacroix (in der Liga zuletzt gesperrt) verteidigen - und wird es dort mit RB-Jungstar Karim Adeyemi zu tun bekommen. Der deutsche Nationalspieler gilt als heißer Kandidat für einen Wechsel zu den Bayern und ist nach Oberschenkel-Problemen wieder fit. "Ein sehr wichtiger Spieler, ein sehr guter Spieler", so van Bommel. Nicht umsonst würden "viele Vereine in Deutschland und nicht nur in Deutschland über ihn reden". Auch der VfL hatte ihn im Sommer auf der Wunschliste, mittlerweile liegt der Marktwert des 19-Jährigen allerdings nicht mehr im Rahmen der Wolfsburger Möglichkeiten. "Aber sich nur auf ihn zu konzentrieren", so van Bommel, "wäre nicht respektvoll gegenüber dem Rest der Mannschaft."

VfL-Abschlusstraining in Salzburg - Die Bilder

Abschlusstraining des VfL Wolfsburg in der Red Bull Arena, der verletzte Xaver Schlager #24 besucht seine Kollegen beim Training Zur Galerie
Abschlusstraining des VfL Wolfsburg in der Red Bull Arena, der verletzte Xaver Schlager #24 besucht seine Kollegen beim Training ©

"Weghorst geht es den Umständen entsprechend"

Und ganz vorn beim VfL? Lukas Nmecha statt Wout Weghorst, Lukas Nmecha mit Wout Weghorst - Trainer Mark van Bommel war zuletzt froh, dass er zwischen diesen Varianten wählen konnte. Jetzt fällt eine Option weg, Weghorst befindet sich nach Corona-Infektion in Quarantäne, wird auch mindestens die nächsten beiden Liga-Spiele verpassen. "Das ist schade", sagt van Bommel, der mit Weghorst via WhatsApp in Kontakt ist: "Wie es bei Corona so ist, der eine hat mehr Beschwerden, der andere weniger. Wout geht es den Umständen entsprechend gut."

Nmecha ist nun erst einmal erste Wahl - das Angriffsspiel des VfL verändert sich dadurch, auch wenn van Bommel die Unterschiede eher allgemein beschrieb: "Wout ist größer, aber nicht so schnell, Lukas ist kleiner..." Pavao Pervan, als Österreicher rund ums Spiel ein gefragter Gesprächspartner, kommentierte die Unterschiede schmunzelnd: "Im Training", so der zweite Torwart, gebe es keine Unterschiede, "weil beide nicht gegen mich treffen..."

Weghorst war am Tag nach dem Spiel bei Union positiv auf Corona getestet werden, was auch die Berliner ein bisschen in Atem hielt - sicherheitshalber ordnete der Hauptstadt-Klub einen zusätzlichen Test für seine Spieler an.

Pervan würde gern beim VfL bleiben

Weil Schlager verletzt ist, ist Ersatzkeeper Pervan aktuell der beste Kenner des österreichischen Fußballs im VfL-Kader. Als Österreicher könne man "stolz sein auf die Werbung, die RB für den österreichischen Fußball macht", zumal das Niveau der Mozartstädter "auch die anderen Klubs besser macht". Und wenn Top-Spieler Salzburg in die Bundesliga oder andere verlassen, "werden die Stellen so neu besetzt, dass man den Hut davor ziehen muss".

Im Rahmen der obligatorischen Pressekonferenz verriet Pervan auch, dass er seinen am Saisonende auslaufenden Vertrag beim VfL gern verlängern würde. "Das hört sich vielleicht komisch an, weil ich nicht spiele. Und natürlich habe ich mir früher als Kind nicht vorgenommen, nur auf einer Champions-League-Pressekonferenz zu sitzen, sondern davon, in der Champions League auf dem Feld zu stehen. Aber ich fühle ich in Wolfsburg sehr wohl." Koen Casteels sei zu Recht die Nummer 1, "aber Tag für Tag daran zu arbeiten, noch besser zu werden, ist weiter meine Motivation". Coach van Bommel hätte nichts dagegen, wenn der 33-Jährige bleibt: "Ein erfahrener Kerl, wichtig in der Kabine. Wenn sich jemand mal hängenlässt, ist Pavao immer da."